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RWJ 02/2018: Afrikanische Schweinepest

Sauen-Bejagung im Zeichen der Seuchengefahr

Mit Erlass vom 4. Januar wurden die Unteren Jagdbehörden aufgefordert, alle Schonzeiten für Schwarzwild (Ausnahme: führende Bachen, deren Frischlinge noch tatsächlich der Führung bedürfen) aufzuheben. Welche Konsequenzen hat dies für den praktischen Jagdbetrieb in den nächsten Wochen ?

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Solche Situationen gilt es in den nächsten Wochen bei der Einzeljagd zu nutzen – die schwächere Wutz links kann man problemlos erlegen. Foto: M. Bteuer

Ältere Jäger kennen dies noch aus eigener Erfahrung – diese Regelung entspricht den Jagdzeiten, die in NRW bis in die 1960er Jahre galten. Sauen sind die einzige große Schalenwildart ohne behördlichen Abschussplan – und damit maximaler Freiheit bei der Jagdausübung. Dies bedeutet eine besonders hohe Verantwortung. Dass die Begrenzung der Bestände trotz großer Freiheit schwierig ist, macht einen Blick auf die Ursachen des Anstiegs erforderlich. Diese geben auch klare Hinweise auf Lösungsmöglichkeiten. Dabei ist jede Gruppe gut beraten, ihren Teil zur Lösung des Problems beizutragen! Das wirtschaftliche Risiko durch die ASP ist erheblich. Zum Glück ist die ASP keine Zoonose, d. h. für den Menschen ungefährlich. Von daher ist die waidgerechte Jagdausübung auch zur Reduktion selbstverständlich.

 

 

Ursachen für den Anstieg – Aufgaben für alle Beteiligten

1. Klimawandel: Schwarzwild profitiert eindeutig vom Klimawandel, der Beginn der Vegetationsperiode hat sich deutlich nach vorne verlagert – dies hat zu einer erheblichen Steigerung des Zuwachses von Schwarzwild geführt.

 

2. Zunehmende Intensivierung in der Landwirtschaft: Die Zunahme energiereicher und großwüchsiger Feldfrüchte und damit eine hohe Felddeckung im Sommer begünstigen die Verbreitung in ehemals reine Niederwildgebiete. Dass das Zusammenfallen von Schweinehaltung und die Konzentration von Biogasanlagen unter dem Aspekt der Seuchenprophylaxe äußerst problematisch sind, wurde von der FJW bereits vor knapp 10 Jahren deutlich herausgestellt.

 

3. Lösungen vor Ort müssen von den unmittelbar Beteiligten, d. h. Landwirt, Jagdgenossenschaft und Jagdausübungsberechtigten gefunden werden. Vereinbarungen zwischen den Verbänden sind dazu ein erster Schritt. Land- und forstwirtschaftliche Betriebe müssen ihren Beitrag zur Verbesserung der jagdlichen Infrastruktur leisten – Schuss-Schneisen auf landwirtschaftlichen Flächen müssen praxisgerecht sein. Die Landwirtschaft muss darauf achten, dass hohe Felddeckung nicht unmittelbar bis zum Schweinestall reicht. Weiteres Problem ist der Gülleferntransport, der ein Hygienerisiko darstellt.

 

4. Das Paradoxon, dass heimisches Wild kaum noch vermarktet werden kann und gleichzeitig Großhändler und Discounter massenhaft sog. „Wildfleisch“ aus Neuseeland und anderswoher importieren, muss aufgelöst werden. Nachhaltige Nutzung zählt zum Selbstverständnis der Jagd. Von daher wird die Überbrückung der Vermarktungslücke von Schwarzwild ausdrücklich befürwortet. Die angestrebte Kooperation von Fleischhandel, Landwirtschaft und Jagd zur Vermarktung von Schwarzwild ist ausdrücklich zu begrüßen.

 

5. Fütterungsmissbrauch: Nach der DVO-LJG-NRW müssen Untere Jagdbehörden eine Kirrungs-Übersicht haben und dies auch nachvollziehen können. Fütterungsmissbrauch ist in bestimmten Regionen leider nach wie vor aktuell.

 

6. Die Bejagung hielt vielerorts mit der Bestandsentwicklung nicht Schritt – hier liegen Aufgaben für die Jagd.

 

 


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Umsetzung des Erlasses – Aufgaben für die Jagd

Die Streckendichte 2016/17 (erlegtes Schwarzwild je 100 ha Jagdfläche) ist in der Karte dargestellt. Vom Bestand im Sommer müssen mindestens zwei Drittel erlegt werden, um wieder auf den Grundbestand zu kommen, sodass der Bestand nicht wächst. Streckendichten unter einem erlegten Wildschwein je 100 ha signalisieren eine eher entspannte Situation – von örtlichen Konzentrationen abgesehen. Gelb markiert sind Dichten zwischen 1 und 2, die den Warnbereich angeben, Risikozonen sind orange und rot. Unter dem Aspekt der ASP-Prophylaxe ist eine deutliche Absenkung in der Fläche nötig. Besonders problematisch sind Verdichtungen im Ballungsräumen wie etwa in Bottrop. Sie unterstreichen, dass die Sicherung der Autobahnen notwendig ist, um Ansteckungen durch weggeworfene Lebensmittel zu vermeiden.

 

Waidgerecht jagen bedeutet die Berücksichtigung von Tierschutz, Lebensraum, Wildschadenverhütung und Seuchenprophylaxe sowie eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Gerade für Schwarzwild sind revierübergreifende, aufeinander abgestimmte Konzeptionen der Schlüssel zum Erfolg. Dazu haben die FJW und das Projekt „Beratender Berufsjäger“ wiederholt berichtet und in der Praxis beraten. Insgesamt soll sich die Bejagung an folgenden Kriterien orientieren:

 

1. Der Bestand ist deutlich zu verringern – in orangenen oder roten Regionen auf der Karte auf der gesamten Fläche, in den anderen Gebieten sind örtliche Verdichtungen zu reduzieren.

 

2. Auch in der Reduktionsphase gilt des Jägers höchstes Gebot – „Was du nicht kennst, das schieß‘ nicht tot !“ Ansprechen ist in jedem Fall vor dem Schuss notwendig, das Schießen möglicherweise führender Bachen in hoher Vegetationsstruktur, in denen Frischlinge nicht zu erkennen sind, ist mit Tierschutz und Waidgerechtigkeit nicht vereinbar. Die Erlegung erfolgt stets von Klein nach Groß und jung vor alt!

 


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Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist das Nationale Referenzlabor für ASP und führt den Nachweis durch eine virologische oder serologische Untersuchung durch. Das FLI rechnet mit einem hohen Risiko für den Ersteintrag in deutsche Schwarzwildpopulationen, verursacht durch Menschen und Fahrzeuge, mit denen kontaminiertes Material transportiert und womöglich illegal entsorgt wird. Ein eher mäßiges Risiko wird der Einschleppung in Schwarzwildbestände durch Jagdreisen (bei Einhalten strikter Hygiene !) oder durch den direkten Kontakt zwischen infizierten Stücken zugeordnet.

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 02/2018 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

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