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RWJ 01/2017: Mit der Hegegemeinschaft unterwegs im Hohen Venn

Kurze Rotwild-Jagdzeiten, Waldjäger haften für Sau-Schäden im Feld

Hegegemeinschaften (HG) dienen der revierübergreifenden Bejagung und Hege nach einheitlichen Grundsätzen. Der Ausgleich zwischen Lebensraum und Wildbestand muss zentrales Anliegen jeder HG sein.

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Der Leiter des belgischen Forstamtes Elsenborn, René Dahmen, erläutert, wie die Jagd im 5000 ha großen Naturschutzgebiet organisiert ist.

Wesentliche Grundlage zum Gelingen ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Diesem Ziel dient auch die Integration Grundeigentümer. Von zentraler Bedeutung ist die vertrauensvolle Kommunikation untereinander. Ein- bis zweitägige Fortbildungen haben sich dazu besonders bewährt, da sie neue Eindrücke und Erfahrungen aus anderen Gebieten vermitteln und darüber hinaus weiten Raum zum Austausch untereinander bieten. Der „Damwildring Kottenforst“ ist die erste HG, die jährliche Fortbildungsreisen in ihren Statuten bereits zu Beginn der 1990er Jahre festgehalten hat. Bilder und Eindrücke von der Exkursion bieten Anregungen auch für Fortbildungen anderer HG. Im Vordergrund standen 2016 Naturraum, Kulturgeschichte, Wildökologie und Jagd der Nordeifel und im Hohen Venn.

 

Die Exkursion führte von Bonn durch die Köln-Aachener Bucht nach Westen, folgte dem Anstieg zum Hohen Venn in zwei Etappen über Relais Königsberg und die Himmelsleiter bis Roetgen und von Roetgen nach Fringshaus zum Konzener Venn. Zu Fuß gings vom alten Konzener Bahnhof zum Platten Venn. Für diejenigen, die sich eher auf vier Beine verließen, führte die Route nach Botrange und dort mit dem Pferdefuhrwerk durch das Hohe Venn. Nach einer Übernachtung in Lüttich ging es zurück durchs Hohe Venn und den Wahlerscheider Höhenrücken zur Dreiborner Hochfläche (Zwischenstopp an der Rotwildempore) zurück nach Bonn.

 

Naturschutz und Wild im Hohen Venn

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Blick über das Wallonische Venn von Botrange bis über den Hürtgenwald zur Aachen-Kölner Bucht mit den Kondensfahnen des rund 40 km entfernten Kraftwerks Weißweiler.

Der Forschungsstelle liegen seit 2009/10 Befunde für Tularämie bei Wild vor. Die zugänglichen Gutachten wurden ausschließlich für Hasen erstellt. Von 2009 –16 wurden für insgesamt 1 198 Hasen Gutachten zur Erkrankungs- und Todesursache erstellt, darunter 119 mal Tularämie – rund 10 Prozent der Todesursachen bei Feldhasen. Im Verlauf der sieben Jagdjahre nahm der Anteil der Tul arämie als Todesursache von 4,1 (2009) auf 15,8 Prozent (2015/16) zu. Von April bis Juli 2016 wurde bei sieben von 37 untersuchten Feldhasen Tularämie festgestellt. Nachfolgend die Zahl der Hasen mit Tularämie als Todesursache:

 

2009/10 5 von 121 4,1 %
2010/11 10 von 116 8,6 %
2011/12 11 von 93 11,8 %
2012/13 7 von 75 9,3 %
2013/14 24 von 280 8,6 %
2014/15 37 von 355 10,4 %
2015/16 25 von 158 15,8 %
4-7/16 7 von 37 18,9 %

 

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Naturschutz und Wild im Hohen Venn

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Blick vom Platten Venn nach Botrange – Renaturierung ehemaliger Torfstiche durch Steuerung des Wasserregimes, Pfeifengras zeigt die frühere Austrocknung des Hochmoores an. Fotos (3): M. Petrak

2013/14 und 2014/15 kamen ungewöhnlich viele Feldhasen zur Feststellung der Erkrankungs- und Todesursache in die Untersuchungsämter. Aus den Ergebnissen der Auswertungen zur Tollwut bei Füchsen in zurückliegenden Jahren lässt sich ableiten, dass sich ab einer Stichprobe von etwa 100 die Werte nur unerheblich verändern, die Untersuchung einer größeren Anzahl also zu keinen nennenswerten Abweichungen führt. Für Niedersachsen wurden 2008 Daten zum Infektionsgeschehen bei Feldhasen berichtet. Von 930 Untersuchungen (Fallwild und erlegte Hasen) konnte viermal bei Fallwild und dreimal bei erlegten Hasen Tularämie nachgewiesen werden. Das jahreszeitliche Auftreten verläuft nicht in allen Jagdjahren gleich. Von Juni bis September wird der Erreger in der Regel durch Zecken, Bremsen oder Stechmücken übertragen. Erkrankungen im Spätherbst und Winter werden als Folge einer Massenvermehrung der Feldmäuse und der Übertragung des Erregers auf Hasen interpretiert.

 

Dass Tularämie-Ausbrüchen unter Hasen Feldmausplagen vorausgingen, ist mehrfach belegt, dazu gehören auch Massensterben unter Nagern und das Herumliegen infektiöser Kadaver. 2013/14 war ein nicht kontinuierlicher Anstieg der Fälle in NRW von April über Juli, November bis März kennzeichnend für das Auftreten der Tularämie. Die Aufsummierung der Fälle aus den Vorjahren insgesamt verzeichnet im April einen ersten Gipfel und bestätigt einen Anstieg von Mai bis November, einen Abschwung bis Februar und einen erneuten Anstieg der Fälle im März. 2014/15 ergab sich ein kontinuierlicher Anstieg von Mai bis Dezember und ein Rückgang der monatlichen Fälle bis Februar. 2015/16 sind in zehn Monaten – außer Juli und Dezember – zwischen einem und vier Feldhasen mit Tularämie im Untersuchungsgut. Ob sich darin ein Abklingen oder Fortbestehen der Seuche oder Entwicklungen der Hasenpopulation oder anderen Einflussfaktoren wie der Rückgang von Feldmäusen widerspiegeln, bleibt Gegenstand zukünftiger Untersuchungen.

 

Aus Geseke (SO) datieren die ersten Fälle 2009/10. Seither wird aus dem Raum von Tularämie bei Hasen berichtet. Nach 2009/10 wurde zunehmend von Fällen aus anderen Landesteilen berichtet, zunächst aus Westfalen, dann auch links des Rheins und südlich der Ruhr. Die beiden Jahre mit der hohen Anzahl an Einsendungen repräsentieren recht gut die räumliche Verbreitung der Tularämie unter Feldhasen in NRW von Ostwestfalen bis an die Westgrenze. 2014 gab es Feldmauskalamitäten in NRW.


Amtshilfe aus Niedersachsen

Ungewöhnliche Jagdregeln, die funktionieren

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Schäden im Feld müssen von den Beständern der Waldjagden erstattet werden – und nachts ist nicht nur die Rotwild-, sondern auch die Sau-Jagd tabu ! Foto: M. Breuer

Bei Wildtieren ist in Deutschland bisher nur „Francisella tularensis ssp holarctica“ nachgewiesen. Jüngste und intensive Untersuchungen zur Tularämie bringen eine Reihe neuer Erkenntnisse insbesondere in Zusammenhang mit frei lebenden Tieren. Untersuchungen in Berlin/ Brandenburg belegen eine hohe und neue Vielfalt der Erreger aus Marderhund, Fuchs und Europäischem Biber. Das Überwachungs-Programm in Frankreich umfasste die Tularämie 2002/03 und 2012/13 mit 693 Fällen und 46 Verdachtsfällen. Die am meisten betroffene Art war der Feldhase, positive Fälle umfassten Wildkaninchen (4), Rehe (2) und ein Wildschwein.

Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 12/2016 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 01/2017: Forschungsstelle


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