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RWJ 11/2015: Dem Fasanen-Sterben auf der Spur

Wo sind all die Küken hin?

Im Rahmen des Projektes zu Rückgangsursachen von Fasan und Rebhuhn, durchgeführt vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung (FJW) in Bonn, wurden in diesem Sommer erneut Fasanenküken in Niedersachsen, NRW und Schleswig-Holstein gefangen und untersucht.

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Foto: K.-K. Volkmar

Der Fangerfolg stellte sich allerdings nur selten ein – lediglich 25 Küken konnten gefangen werden. Das Bild der kleinen bis hin zu fehlenden Gesperren zeigte sich über das gesamte Projektgebiet: Sowohl auf den Bildern der aufgestellten Wildkameras als auch in den Beobachtungen der zuverlässigen Fallenbetreuer und Revierinhaber wurde ein erheblich vermindertes Vorkommen an Fasanenküken deutlich. Selbst in Revieren, die bislang zuverlässig Fasanenküken fangen konnten, wurden in diesem Jahr Küken nicht einmal gesichtet. Diese geringe Probenzahl erschwert die Untersuchungen zu den Ursachen.

 

Bei den bisherigen Untersuchungen zu den Rückgangsursachen beim Fasan und Rebhuhn stellte sich heraus, dass es auf der einen Seite keine Hinweise auf ein seuchenhaftes Krankheitsgeschehen bei den erwachsenen Fasanen gibt, auf der anderen Seite jedoch normalerweise unproblematische Krankheitserreger bei den Küken scheinbar zu hohen Kükenverlusten führen. Das ITAW verfolgt daher für die nächsten Jahre den Ansatz (Hypothese), dass möglicherweise eine unzureichende Nahrungsverfügbarkeit durch Insektenmangel in den ersten Wochen nach dem Schlupf zum einen zum Verhungern der Küken führt oder es durch Mangelernährung zu einer Schwächung des Immunsystems kommt, sodass eigentlich unproblematische Krankheitserreger ein entscheidender Grund für das Fehlen der Küken sind. Insekten bilden mit ihrem hohen Gehalt an Eiweißen eine wichtige Grundlage für die Ernährung der Küken in den ersten Lebenswochen, wodurch eine gesunde Entwicklung gewährleistet wird.

 

Um die Einflüsse eines verminderten Eiweißgehaltes in der Nahrung auf die Fasanenküken ab Schlupf zu untersuchen, wurden in diesem Sommer erste Untersuchungen mit Küken unter kontrollierten Bedingungen im Stall auf dem Lehr- und Forschungsgut Ruthe der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover durchgeführt. Hierbei wurde durch eine Fütterung mit unterschiedlichen Eiweißgehalten aufgezeigt, wie stark sich eine suboptimale Eiweißernährung auf die Entwicklung der Jungtiere auswirkt.

 

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Deutliche Entwicklungsunterschiede bei jeweils fünf Wochen alten Fasanenküken - links unter eiweißreduzierter Ernährung, rechts mit optimaler Eiweißversorgung. Foto: ITAW

So wurde ein deutlicher Unterschied im Wachstum der Küken, ihrem Gewicht und ihrer Gefiederentwicklung beobachtet. Diese verzögerte Entwicklung bei Eiweißmangel kann in der Wildbahn verheerende Folgen für die Jungtiere haben:

 

So sind sie nicht in der Lage, viel Energie in die Nahrungssuche zu investieren, da sie hiermit haushalten müssen. Ebenso kann ihr Fluchtverhalten durch verlängertes Verharren eingeschränkt sein. Die verspätete Gefiederentwicklung mit einem späteren Flüggewerden kann ebenfalls dazu führen, dass sie Raubwild schneller zum Opfer fallen.

 

Zusätzlich sind die Jungtiere durch ihr schlechteres Gefieder länger den Einflüssen der Witterung ausgesetzt, da ihre Fähigkeit zur selbstständigen Thermoregulation beeinflusst zu sein scheint. Ferner kann die Empfänglichkeit für Krankheiten erhöht sein, welches zum Kümmern und einem verfrühten Verenden des Tieres führen kann.

 


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Aus diesem Grund bleiben die Küken in ihren ersten Lebenswochen im Fokus der Untersuchungen im Rückgangsgeschehen der Fasanenpopulation. So soll erforscht werden, ob tatsächlich eine reduzierte Nahrungsverfügbarkeit vorliegt und die Küken verhungern oder in ihrer Entwicklung mit all den möglichen Folgen zurückbleiben.

 

Erste Zählungen zum Insektenvorkommen in verschiedenen Habitatstrukturen der Agrarlandschaft sind am ITAW bereits angelaufen. Parallel werden mögliche Einflüsse von Pflanzenschutzmitteln sowie Witterung und Prädation, als auch Zusammenhänge mit unterschiedlichen Agrarstrukturen und Feldfrüchten betrachtet. Verschiedene Untersuchungen zum Fressverhalten von Fasanenküken im Freiland und unter kontrollierten Bedingungen in Begleitung eines Tests auf Funktion des Immunsystems sollen folgen.

 

Nach den ersten Jahren unserer Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Thema des Fasanen- und Rebhuhnrückganges nicht durch einfache Schlussfolgerungen erklärt werden kann, sondern dass hier ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren wirkt. Diese Wirkmechanismen aufzudecken bedarf einer guten und andauernden Zusammenarbeit zwischen den Praktikern und den Wissenschaftlern.

 

Wir bedanken uns bei den Jägern für die bisher erbrachte Unterstützung und hoffen für die nächsten Jahre weiterhin auf ihre Mithilfe. Auch den Mitarbeitern der FJW sei an dieser Stelle für die Probennahme in NRW gedankt.

 

Nele Curland
Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW),
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Bischofsholer Damm 15, 30173 Hannover

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 11/2015 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

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Fasanen-Sterben

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