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RWJ 07/2016: Gemeinsames Vorgehen ist Trumpf

Winterfütterung frühzeitig vorbereiten

Wesentlich ist die großräumige Abstimmung der Winterfütterung. Dabei sollten sich alle Beteiligten darüber im Klaren sein, dass Winterfütterung kein Selbstzweck ist.

 

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In solche quadratischen überdachten Tristen lassen sich mit einem Frontlader gut einzelne Wickelballen einbringen.

Funktionell ist sie eine Kompensation des durch menschliche Einflüsse ausgelösten Nahrungsmangels im Winter – bei hohem Schnee und anhaltendem Frost kann besonders Rotwild vielfach nicht mehr in andere Lebensräume wie Waldgesellschaften der Täler ausweichen, da diese dem menschlichen Siedlungsraum gewichen sind. Wild ist darauf angewiesen, während des ganzen Jahres praktisch im selben Lebensraum zu bleiben. In einer ersten Besprechung sollte zunächst geklärt werden, ob Winterfütterung überhaupt nötig ist. Gerade in niederen Lagen kommt Rotwild wie andere Wildarten auch ohne Fütterung zurecht.

 

Entscheidend ist in jedem Fall, dass eine einmal begonnene Winterfütterung auch konsequent durchgeführt wird.

 

Dazu muss sich jeder Revierinhaber prüfen – wer nicht bereit ist, bis zum Ende der Fütterungszeit durchzuhalten, sollte erst gar nicht damit beginnen. Abbrüche mitten in der Fütterungsperiode (evtl. auch noch bei strenger Winterwitterung) bringen Probleme für Wild mit sich und verschärfen auch Wildschäden. Das Motto sollte lauten – so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

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Gemeinsame Planungen im Revier anhand einer Karte zur Abstimmung.

Beim ersten Treffen ist es sinnvoll, eine große Übersichtskarte an die Wand zu hängen, in der Reviergrenzen eingetragen sind. Im Verlaufe der Besprechung werden darin alle Fütterungsstandorte, Einstände und Störfaktoren (Langlaufloipen, Wanderwege) eingetragen. Sinnvoll ist es darüber hinaus, wenn auf die erste Besprechung ein gemeinsamer Gang durch alle Reviere erfolgt, bei dem man die Fütterungsstandorte in Augenschein nimmt. Dabei sollten alle Fütterungen gemeinsam erörtert werden, um nur solche Standorte auszuwählen, die insgesamt „passen“. In großen Gebieten bietet es sich an, dass kleine Gruppen der gesamten Hegegemeinschaft diese Arbeit abnehmen oder Teilgruppen das untereinander klären.

 

Als vertrauensbildende Maßnahme hat es sich bewährt, wenn jemand, der „nicht“ zum Kreis der Jagdausübenden in dem fraglichen Raum zählt, Fütterungen während der Periode besonders am Ende der Fütterungszeit gelegentlich in Augenschein nimmt. Damit lassen sich Missstände unauffällig und unverzüglich abstellen und man beugt Befürchtungen vor, einzelne Reviere könnten sich nicht an getroffene Vereinbarungen halten. Diese gesamten Vorbereitungen führt man zweckmäßigerweise gemeinsam im Sommer durch.


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Worauf man achten sollte

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Ungeeignete Silagequalität – Notlösungen aus Phasen der Heugewinnung, in die es hineingeregnet hat, bieten in der Regel keine ausreichende Qualität für Wild.

Zu berücksichtigen sind folgende Gesichtspunkte:

 

  • Anzahl der Fütterungen/vorrangig zu berücksichtigende Wildarten
  • Ortswahl, Relief (leichte Anhöhe im Altholz, keine Kuppen u. Höhen züge, keine verbissgefährdeten Kulturen u. Verjüngungen im Fütterungsbereich
  • Entfernung zu schwer gefährdeten Beständen
  • Entwicklung der Bestände im Fütterungsbereich bis 2040
  • Entfernung zu empfindlichen Lebensraumbereichen (geschützte Biotope)
  • Ruhe für das Wild
  • Sicherheitsbedürfnis („Übersichtlichkeit“)
  • Erreichbarkeit für Wild (Gefahrenpunkte, Straßen etc.)
  • Entfernung zu Einständen (auch in Nachbarrevieren !)
  • Erreichbarkeit von Wasser
  • Erreichbarkeit und Aufwand für die Beschickung (Wegefrage)
  • benachbarte Fütterungen (auch im Nachbarrevier)
  • Fütterungszeit: Winter bis Erstfrühling
  • Abstimmung mit Nachbarrevieren: Sollte Ende März eine strenge Winter situation eintreten, ist ggf. eine Verlängerung zu beantragen. In tieferen Lagen dürfte die gesetzliche Fütterungszeit kaum Probleme verursachen.
  • Futtermittel Raufutter: Feucht- u. Saftfutter (Grassilage)
  • Abstimmung der Futterbeschaffung ggf. gemeinsam mit den Nachbarrevieren

Futterqualität und Hygiene

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Gute Silage­qualität, wirkt auch im Bild fein.

Als Futtermittel sind nur noch Grundfuttermittel zugelassen, also Heu- und Anwelksilage:

 

  • Bei Heu und Silage eignet sich der rohfaserreichere erste Schnitt für Rotwild, für Rehe dagegen nicht.
  • Der zweite und spätere Schnitte eignen sich für beide Arten.
  • Der letzte Schnitt bzw. Grummet ist besonders attraktiv. Unter Berücksichtigung der Gesamtsituation in der Kulturlandschaft und der Stoffwechselabsenkung im Winter reichen diese auch aus.

Entscheidung bei Heu und Anwelksilage ist eine hygienisch einwandfreie Qualität, die sich allein mit der menschlichen Nase und etwas Übung beurteilen lässt, bei Beratungen auf Revierebene wurde dazu bereits seit eineinhalb Jahrzehnten eine Schnüffelprobe eingebaut. Die Schlüssel zur Grobfutterbewertung der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft DLG (Formulare können bei der Forschungs stelle angefordert werden) eignen sich aus gezeichnet zur Beurteilung von Heu und Anwelksilage unter Revierbedingungen. Die Beurteilung sollte möglichst bei Temperaturen zwischen 15 und 20 °C erfolgen: Dies ist auch praxisnah, da Heu ja bereits vor dem Winter eingekauft werden muss. Schon dabei ist unbedingt auf die Qualität zu achten.

 

Beim Zukauf von Heu sollte man nach Kälberheu fragen – Qualitäten, die für Kälber geeignet sind, eignen sich auch zur Winterfütterung von Wild. Die Bewertungsschlüssel für Heu und Anwelksilage sind in den Tabellen zusammengefasst. Silagequalitäten lassen sich optisch unterscheiden. Wichtig zum Verständnis: Der DLGSchlüssel arbeitet mit Abzügen und geht dabei von einer optimalen Heu-/Silagequalität aus. Die beste Punktzahl beträgt null (0), Mängel führen zu Punkten, ein hohes Punktekonto ist wie in Flensburg schlecht, je höher die Punktzahl, desto schlechter die Heu- oder Silagequalität. Zur Wildfütterung eignen sich nur gute und sehr gute Qualitäten (max. 3 Punkte Abzug).


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„Schnüffelprobe“ in einer vorbildlichen Heuhütte.

Die energetische Verrechnung ist in der Regel nicht erforderlich – ausgenommen Sonderstandorte wie Hochgebirge, wo Wild vollständig einschneit. Die Tabellen sind deshalb gekürzt wiedergegeben. Entscheidend ist auch die hygienisch einwandfreie Vorlage des Futters – einfach überdachte Tristen mit quadratischer Grundfläche, in die man einen Silageballen auch mit dem Frontlader stellen kann, sind besonders geeignet. Futtermittel am Boden erhöhen die Ansteckungsgefahr und fördern Krankheiten wie Paratuberkulose. Wenn solche Fütterungseinrichtungen bei strengem Frost und Schneelage nicht ausreichen, ist darauf zu achten, Futter nur auf gefrorenen Boden, sauberen Schnee oder Baumstümpfe zu legen. Bei Bedarf sind diese Orte im Fütterungsbereich zu wechseln.

 

Nach Abschluss der Fütterungsperiode sollte für die nächste Saison das Angebot an Futtertischen und Tristen entsprechend erhöht werden. Sinnvoll ist es auch, alles, was vereinbart wird, festzuhalten. Aktuell bereitet die Forschungsstelle den Umdruck „Hegegemeinschaften – rechtliche Grundlagen und Empfehlungen für die Praxis“ vor, der alle wichtigen Angaben enthalten wird und voraussichtlich im Sommer erscheint.

 

Dr. Michael Petrak

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, LANUV NRW,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn,

Tel. 02 28/97 75 50

E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 07/2016 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ_07/2016_Forschungsstelle


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