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RWJ 10/2017: LJV-Umfrage Frühjahr 2017 (Teil 1)

Wie geht's den Hasen in NRW?

Feldhase und Fasan sind seit Jahren die Sorgenkinder in unseren Feldrevieren. Darüber wurde viel geredet und geschrieben – von der Forschungsstelle, im RWJ und den NRW-Fallwildberichten. Manche Negativfaktoren gelten als bekannt, andere als eher unklar. Hier Ergebnisse einer RWJ-Umfrage im Februar 2017 zu konkreten Aspekten und Begleitumständen („Fasanen-Ergebnisse im nächsten Heft“).

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Insgesamt gelangten 1 078 Fragebögen aus 48 Kreisen/kreisfreien Städten in NRW zur Auswertung (= 13 Prozent der Jagdbezirke). Allerdings blieb die Beteiligung in klassischen Niederwildregionen (NiederrheinMünsterland) hinter den Erwartungen zurück (VIE 6, NE, MG und HS je 10, Reg.-Bez. MS 5 - 12 Prozent). Sehr viel lebhafter war die Beteiligung in KLE, WES, BM und ST (absoluter Top-Kreis). Die spärliche Resonanz in Eifel, Bergischem Land, Sauer- und Siegerland überrascht nicht, eher schon relativ gute Rückläufe aus Teilbereichen von OWL (GT, PB). Rätselhaft sind 12 Prozent aus MI – eine Region, die sich bei Rebhuhnerhebungen traditionell hervorragend beteiligt. Ebenfalls nicht erwartungsgemäß sind die drei Prozent aus HX (Warburger Börde !) als Schlusslicht in OWL.

 

Völlige Fehlanzeige war aus den Städten OB, MH, HER, BO und RS zu verbuchen. In BM und PB stiegen die Strecken an, wogegen besonders in BOR und COE trotz überdurchschnittlichem Streckenrückgang der Rücklauf sehr bescheiden ausfiel. In manchen Fällen sind die Unterschiede selbst in benachbarten, jagdlich ähnlichen Kreisen deutlich (KLE/ WES) bis extrem (ST/BOR). Wichtig für’s Mitmachen war demnach die Mobilisierung der Jäger.

 

 

Fallwildfunde bei Feldhasen

 

Zur Fundsituation beim Hasen äußerten sich mit 94 Prozent zwar nahezu alle Rückmelder, davon fanden aber nur 6 besonders viele Fallwildhasen im Jagdjahr 2016/17, und diese rekrutieren sich auch nur aus 16 der insgesamt 53 NRW-Kreise: KLE und WES je 14, BM 2, SO 2, GT 3, PB 13, LIP 4, ST 5, WAF 8, NE 17, VIE 14, GL, SU und SI je 13, BOR 8, RE 7 Prozent. Regional betrachtet nimmt der Niederrhein (RB Düsseldorf) mit 13 Prozent gegenüber den anderen Bezirken mit nur 2 bis 5 Prozent eine Sonderstellung ein, besonders auch im Vergleich zum Münsterland (5 Prozent). In Ostwestfalen setzt sich der Kreis PB mit 13 Prozent sehr deutlich vom gesamten Regierungsbezirk Detmold (4) und speziell auch vom Nachbarkreis GT (3 Prozent) ab. Es wurden nahezu nie (lediglich 4 von 934 Nennungen) sämtliche Fallwildhasen zur Abklärung der Erkrankungs- bzw. Todesursache an ein Veterinäruntersuchungsamt gesandt, einzelne solcher Funde immerhin in manchen Fällen.

 

Aus 92 Prozent der Reviere gelangte also überhaupt kein Fallwildhase zur Untersuchung! Diese insgesamt sehr bescheidene Einsendebilanz wäre zu akzeptieren, wenn entsprechend viele Hasen nicht mehr untersuchungsfähig waren oder ihre Todesursache offenkundig war. Allerdings wurden solche Tiere bei der Fragestellung explizit ausgenommen (s. RWJ-Fragebogen 2/17)!

 

 

Bejagung der Hasen

„Normal“ ist bei uns schon seit Jahren eine sehr zurückhaltende Bejagung der Hasen, die bereits gewisse Verzichtselemente beinhaltet – bis zu abgesagten oder gar nicht erst angesetzten Jagden. Unter diesem Vorbehalt wurden Hasen 2016/17 in gut jedem 10. Revier normal bejagt.

 

Die Hälfte der Reviere meldete einen Teilverzicht, zumeist bei der bejagten Fläche. In immerhin deutlich mehr als einem Drittel der Reviere wurden Hasen gar nicht bejagt. In manchen Kreisen sind die Nennungen ähnlich verteilt (HS, WAF), woanders abweichend (KLE, WES – jeweils etwas häufiger normale Bejagung und vollständiger Jagdverzicht), PB (deutlich häufiger vollständiger Jagdverzicht), ST (wesentlich seltener vollständiger Jagdverzicht), BOR und COE (COE seltener vollständiger Jagdverzicht). Aus SO wurde sehr häufig ein gänzlicher Jagdverzicht gemeldet (52 Prozent), obgleich die Sauerlandgemeinden im Süden kaum beteiligt waren.

 

In GT dominiert mit 73 Prozent der Nennungen die partielle Einschränkung, völlig unbejagt blieben die Hasen dort selten (PB: 19 !). In BM wurden Hasen kaum normal (6) und meist gar nicht bejagt (79), in MI nahezu umgekehrt, nämlich in 35 Prozent normal und nirgendwo gar nicht. Auch in OE wurden Hasen relativ oft normal (29) und selten gar nicht bejagt (18). Auf den traditionellen Küchenhasen muss dort wohl weiter nicht verzichtet werden. Von den ebenfalls nur wenigen Rückmeldern aus SI verschonten dagegen 73 Prozent Hasen völlig.

 

 

Auffälligkeiten beim Feldhasen

 

Einsamer Spitzenreiter ist das unter „Schwund“ zusammengefasste Phänomen, dass augenscheinlich und ohne plausible Erklärung der Besatz im Herbst geringer als noch im Frühjahr war. Solche mysteriösen Bestandsabnahmen blieben zunächst methodisch nachvollziehbar zu verifizieren und zu dokumentieren, wie nach nächtlichen Scheinwerferzählungen im Frühjahr und Herbst. Auf diesen Schwund entfallen sehr viel mehr Nennungen (206) als auf besonders viele Fallwildfunde (62), aber deutlich weniger als auf den vollständigen Jagdverzicht (462). Demnach wurde die Hasenjagd nicht nur ausgesetzt, wenn Langohren über den Sommer weniger wurden. Auch bei der mangelnden Reproduktion (keine Junghasen) bliebe zu fragen, worauf sich diese Einschätzung stützt, inwieweit also Zählungen erfolgten und/ oder zumindest stichprobenartig Altersbestimmungen erlegter Hasen anhand des Stroh`schen Zeichens.

 

Wer hätte aber erwartet, dass im Bewusstsein und Erfahrungsschatz von Niederwildjägern fest verankerte, unstrittige Minuspunkte wie Prädation, Landwirtschaft, Störungen durch Freizeitaktivitäten und besonders Krankheiten in dieser Umfrage so selten vertreten sind ? Geringen Stellenwert haben auch Wetterereignisse, ungeachtet der in den letzten Jahren häufiger auftretenden Extreme mit Starkregen, Hagelschlag und Überschwemmungen im Sommer mit örtlich hohen Verlusten v. a. unter Jungwild.

 

PB fällt am häufigsten aus dem Rahmen mit Fehlanzeigen bei Prädation und Landwirtschaft sowie dem Spitzenwert (43) bei Reproduktion, Letzteres im Gegensatz zum Nachbarkreis GT (10 Prozent)! Auch in BM entfiel keine Nennung auf die Landwirtschaft. Das Wetter scheint nur in KLE (15) und WES (10 Prozent) von gewisser Bedeutung.

 

Dr. Jürgen Eylert 
Forschungsstelle

 

Gregor Klar
LJV NRW


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Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 08/2017 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 10/2017: Forschungsstelle


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