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RWJ 11/2014: Forschungsstelle

Untersuchungen der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW

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Erst wenn auch wieder genügend starke Gesperre groß werden, könnte man Entwarnung geben - davon sind wir in NRW noch weit entfernt.

Klimaeinfluss
Dass Fasane als Bodenbrüter ähnlich wie die reinen Offenlandarten Feldhase und Rebhuhn sensibel auf örtliche Witterungsverhältnisse reagieren, wissen Praktiker schon lange. Doch fehlen bis heute systematische Studien, wenngleich seit den 1950er Jahren Langzeittrends und Einzelbeispiele darauf hinweisen, dass man bei trocken-warmem Mai und Juni mit guten Strecken rechnen darf. Eine NRW-Pilotstudie 10 Jahre vor dem Rückgang wies das Wetter im April als dasjenige aus, das in der sensiblen Zeit von April bis Juli den Streckenverlauf am besten erklärt. Da jedoch Klimadaten von August bis März noch nicht näher mit dem Strecken verlauf verglichen werden konnten, ist die Frage, wie sehr das Klima die Besätze beeinflusst, bis heute nicht eindeutig zu beantworten.

 

Besatzentwicklung
Im Herbst 2008 gingen die Fasanenstrecken in NRW, Niedersachsen und Schleswig-Holstein von rund 361 000 auf 220 000 zurück (– 40 Prozent). Bezogen auf das Ausnahmejahr 2007 halbierte sich die Gesamtstrecke bis 2011 auf nur noch knapp 160 000 erlegte Fasane. Ganz ähnlich, für NRW sogar naturräumlich identisch, verlief der Streckenrückgang von 1990 – 95, damals halbierten sich die Strecken von 363 000 auf 170 000 Vögel. Erklärt wurde dieser Ablauf mit ungünstiger Witterung.

 

Betrachtet man den Streckenverlauf der letzten 35 Jahre, also etwa für den Zeitraum, in dem das Aussetzen in ganz Nordwestdeutschland nicht mehr die dominante Rolle wie noch Anfang der 1970er Jahre spielte, ergibt sich ein einfacher Trend – trotz eines allgemeinen Rückganges um ein Viertel (blauer Trendpfeil) zeigt der Fasan alle 20 Jahre ein Hoch – folglich wäre in etwa drei Jahren wieder mit höheren Besätzen zu rechnen.

 

Beutegreifer
Die Frage nach dem Einfluss der Beutegreifer ist so alt wie die Niederwildjagd und wird bis heute vielfach emotional und kontrovers diskutiert. Bezogen auf das einzelne Revier kann der Beutegreiferdruck die alles bestimmende Größe sein, anderswo spielt Prädation gar keine Rolle. Wechselwirkungen zwischen Beute und Beutegreifer werden seit Jahrzehnten in einzelnen Studien immer wieder beleuchtet, jedoch weiß man recht wenig darüber, was passiert, wenn die Wirkungen wechseln.

 

Aus dem Jagdbetrieb ist bekannt, dass eine intensive Bejagung der Beutegreifer die Dichte der Zielwildart kurzfristig, augenfällig und sprunghaft in die Höhe schnellen lassen kann.

 

Lebensraum Vergleicht man jedoch Reviere hinsichtlich ihrer Hegeleistungen, stellt man fest, dass diese Wirkung ebenso schnell wieder verfliegt, wenn Brutdeckung oder im Frühjahr Samen und Insekten fehlen.

 

Eines ist sicher – wo Tränken, Äsung, Platz zum Hudern, Staubbaden/Nisten, Deckung gegen Feinde oder Offenland zum Sichern harmonisch aufeinander abgestimmt sind, hat sich der Rückgang des Fasans entweder gar nicht, um Jahre verzögert oder vergleichsweise sehr moderat vollzogen.

 

Der erfahrene Fasanenkenner Max Kroll verkürzte diese Effekte schon 1973 in seiner Monografie Der Fasan auf die bekannten fünf W: Wald, Weizen, Wurzeln, Wiesen und Wasser.

 

Dr. Thomas Gehle
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, Pützchens Chaussee 228, 53229 Bonn

 

Fasanen-Sterben

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