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RWJ 03:2014: Gemeinsam für das Niederwild in der Agrarlandschaft

Empfehlungen fürs Feldrevier

Dr. Michael Petrak, Leiter der NRW-Wildforschungsstelle informierte auf der Jagd & Hund die Naturschutzobleute der Kreisjägerschaften zum Sachstand der laufenden Forschungen zur Niederwildmisere.

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Zentral ist das vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Kooperation mit der Forschungsstelle durchgeführte Projekt zur Epidemiologie, dabei stehen Infektionskrankheiten als mögliche Rückgangsursachen im Vordergrund. Der Arbeitsbereich Niederwild koordiniert die Probenentnahme in NRW. Zur angestrebten Probensicherung zählen die Beprobung von 150 Fasanen aus der Jagdstrecke, der Lebendfang von 30 Jungfasanen und die Fallwildeinsendung nach Hannover. 2013/14 wurden die Vorgaben bei der Beprobung aus der Strecke erreicht, 37 Fallwild- und fünf Jungfasane wurden nach Hannover gesandt. Langzeitstudien des Arbeitsbereiches Schutz des Wildes zur Bedeutung von Stressoren für Fasan und Feldhase werden fortgeführt.

 

Die Streckenanalyse auf Landesebene erfolgt im Rahmen der Gesamtauswertung im Arbeitsbereich Wildbiologische Landschaftsinformation. Die gezielte Suche nach Mustern erfolgt im Rahmen des Arbeitsbereiches Niederwild.

 

Zu bestimmten Fragen wird eine Koope ration bei Untersuchungen auch mit dem Industrieverband Agrar und verschiedenen Herstellern angestrebt. Konkrete Vorhaben sind eine Unterstützung der Analytik, die Berücksichtigung der Daten und Erkenntnisse aus den Pilotbetrieben, Aufklärung zum sachgerechten Pflanzenschutzmitteleinsatz einschließlich gemeinsamer Fortbildungen.

 

Angesichts des Fehlens eindeutiger Ursachenzusammenhänge ist es vordringlich, verschiedene Projekte zu bündeln und auch für einen Transfer der Erkenntnisse aus den verschiedenen Herangehensweisen zu sorgen. Die Erhebung von Primärdaten, die sich auf Fasane selber, ihren Lebensraum und das Ressourcenangebot beziehen, ist zwingend notwendig. Angesichts der Dringlichkeit der Ursachenklärung werden verschiedene Teilaspekte parallel untersucht.

 

Die Tierärztliche Hochschule Hannover stellte aktuelle Daten zur Diagnostik zur Verfügung, die Analysen werden fortgeführt, sodass die Aufstellung nicht abschließend sein kann.

 

2011–13 wurden insgesamt 159 Tierkörper untersucht – 37 aus NRW und 122 aus Niedersachsen. Bei den feingeweblichen Untersuchungen fällt eine Entzündung um den Augenbereich auf, als Erreger werden Mykoplasmen in Erwägung gezogen. Generalisierte Entzündungen, Leberveränderungen und die Häufung von Muskelbildungen/Degeneration erfordern eine weitergehende Abklärung und deuten auf eine Grundschwäche.

 

In der serologischen Untersuchung der Jagdstrecken 2011/12 (2013 in Bearbeitung) fiel der hohe Anteil infektiöser Bronchitis mit 60 Prozent auf, auch in Gelegeuntersuchungen der Landkreise Grafschaft Bentheim und Osnabrück. Infektiöse Bronchitis zählt zu wichtigen Krankheiten in der Geflügelhaltung, gegen die vorbeugend behandelt wird. Dies bedeutet, dass Geflügelkot sowohl mit Medikamenten als auch Krankheitserregern belastet ist. Aktuell fällt auf, dass Krankheitserscheinungen, die auf eine grundlegende Schwächung deuten lassen, zugenommen haben.

 

Die angelaufenen Untersuchungen unterstreichen die Notwendigkeit zur tierärztlichen Abklärung. Zu prüfen sind sowohl die Herkunft der Erreger von Bedeutung als auch als Krankheitsverursacher und die Übertragungswege. Insgesamt wurden 21 Bakterien nachgewiesen, dazu kamen Viruserkrankungen.

 

Ein verwaltungsinterner Workshop LANUV und FJW am 23. Januar 2014 diente dem Zusammentragen von Daten und dem Aufzeigen von Untersuchungsbedarf. Nach den Ergebnissen der Ökologischen Flächenstichprobe (standardisierte Kartierung 100 ha großer Flächen) analog der Entwicklung in der Wildbiologie für die Jagdrevierkartierung betrug der Anteil der Brachen in der landwirtschaftlichen Fläche nach dem Wegfall der obligatorischen Flächenstilllegung 2008 noch ganze 0,4 Prozent.

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Empfehlungen fürs Feldrevier

Was man jetzt schon tun kann

Zur Verbesserung der Feldflur ist es zwingend notwendig, den Anteil der Sukzessionsbrachen zu erhöhen (etwa fünf Prozent im Rahmen des Greening). Empfehlungen zur Mahd von innen nach außen müssen verbindlich umgesetzt werden.

 

Anlage und Belassung von Getreidestreifen, Wegrändern und öffentlichen Feldstreifen im Eigentum der öffentlichen Hand erhöht die Lebensraumqualität. Zur allgemeinen Beratung und Abstimmung muss eine zielführende außerbetriebliche Beratung und die Abstimmung vor Ort kommen.

 

Vordringlich ist die Kooperation mit der Landwirtschaft – so müssen in den nächsten Wochen die Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung in die Agrar- Umwelt-Maßnahmen eingebracht werden, die nach Voranmeldung in diesem Jahr für die Periode ab 2015 wirksam sind. Um keine „Lücke“ entstehen zu lassen, ist eine Verlängerung der Maßnahmen wichtig.

 

Insgesamt ist ein Anteil von Rückzugsund Ausgleichsflächen von 10 Prozent zu empfehlen. Für das einzelne Revier lässt sich die Quote nicht immer erreichen, wichtig ist, dass jede Maßnahme zählt.

 

Der starke Rückgang der Insekten erfordert quantitative Ursachen, die mit toxikologischen Fragestellungen kombiniert werden.

 

Die Hauptuntersuchungsfelder konzentrieren sich derzeit auf Krankheiten und toxikologische Fragestellungen, also die Auswirkungen von Pflanzenbehandlungsmitteln und die Lebensraumstruktur. Darüber hinaus sind Fragen der Bewirtschaftung (mechanische Mortalität), Prädatoren und die Änderung von Lebensräumen generell zu berücksichtigen.

 

Für die Praxis ist entscheidend, dass alle bekannten Maßnahmen zur Hege des Fasans in jedem Fall fortgeführt werden – angefangen von der Reviergestaltung, sachgerechter Fütterung und Prädato renbejagung bis zu angepassten Bejagungsstrategien.

 

Die Diskussion in Dortmund zeigte, dass die Situation in Revieren, die trotz aller Enttäuschung ihre „Hausaufgaben“ machen, günstiger ist als in Lebens räumen ohne Maßnahmen. Die komplexe Fragestellung erfordert Untersuchungen über mehrere Jahre.

 

Dr. Michael Petrak
Landesbetrieb Wald und Holz NRW,
Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,
Pützchens Chaussee 228, 53229 Bonn,
Tel. 02 28/97 75 50, E-Mail: michael.petrak@wald-und-holz.nrw.de

 


Fallwildeinsendung

Frisches Fallwild gekühlt verschicken (möglichst am Fundtag).

Am Wochenende/älteres Fallwild tiefgefrieren, dann gekühlt verschicken.

 

Versand

  • auslaufsicher
  • gekühlt (Kühl-Akkus beilegen)
  • mit Begleitschein

 

Empfänger:

Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung

Projekt Fasan

Bischofsholer Damm 14 

30173 Hannover

(Versandkosten werden bei Bedarf erstattet)

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 03/2014 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ_0314_Forschungsstelle


Niederwild-Misere

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