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RWJ 11/2014: Zwischenbilnz zum Fasanen-Sterben in Norddeutschland

Die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen

Erste Hinweise über Untersuchungen zu den Rückgängen der Fasanenbesätze in Norddeutschland fassen Nele Curland, Thomas Gehle, Egbert Strauß, Ursula Siebert und Michael Petrak zusammen.

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Foto: M. Breuer

Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover führt in Kooperation mit der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW Untersuchungen zum Krankheitsgeschehen in Wildpopulationen von Fasan und Rebhuhn als mögliche Einflussfaktoren der starken Besatzrückgänge der letzten Jahre durch. Verschiedene Untersuchungen an vier Probenkollektiven (Jagdstrecke, Fallwild, Jungtiere und Eier) finden länderübergreifend in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig- Holstein statt.

 

Jagdstrecken im Herbst
Von erlegten Fasanen werden sofort auf dem Streckenplatz Blutproben genommen und untersucht. Blutuntersuchungen können über nachgewiesene Antikörper Aufschluss geben, welche Krankheitserreger (Bakterien, Viren) in der Population vorliegen bzw. mit welchen Erregern sich das Tier im Laufe der letzten Monate auseinandersetzte (Serologie). Daraus kann aber noch nicht auf die gesundheitliche Beeinträchtigung der Tiere zurückgeschlossen werden.

 

Im Herbst 2013 konnten über 300 Proben aus den drei Bundesländern serologisch auf Antikörper untersucht werden. Deren Nachweis bedeutet, dass ein Erreger in der Wildpopulation kursiert und das einzelne Tier damit Kontakt hatte. Es muss jedoch nicht zwingend daran erkranken. Nach Auswertung der Blutuntersuchungen zeigen sich Hinweise auf das Vorkommen von Erregern verschiedener Atemwegserkrankungen, die besonders bei Jungtieren zu Erkrankung und Tod führen können. In diesem Sommer wurden Jungtiere gefangen und eine Erregeranzucht eingeleitet. So soll eine Einschätzung der Gefährdung für Fasane durch diese Erreger ermöglicht werden.

 

Erreger können Krankheiten bei verschiedenen Tierarten verschiedener Altersklassen unterschiedlich stark hervorrufen. Das krankmachende Potenzial eines Erregers bezeichnet man als Pathogenität, seine Stärke als Virulenz. Um das pathogene (krankmachende) Potenzial eines Erregers einschätzen zu können und seine Virulenz zu bestimmen, ist eine Anzucht notwendig.

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Untersuchungsgebiete in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein

Fallwild
An den mehr oder weniger frischtot eingesandten Tieren wurden Untersuchungen an allen Organen zur Bestimmung der Todesursache, des Parasiten-status sowie möglicher Viren und Bakterien durchgeführt. So sollen Erkenntnisse gewonnen werden, woran die Tiere gestorben sind. Darüber hinaus wird nach Erkrankungsmustern gesucht, die Hinweise auf ein seuchenhaftes Geschehen geben würden.

 

Alle Tiere wurden vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Vogelgrippe (aviäre Influenza) und Chlamydiose untersucht. Diese beiden Seuchen konnten bislang als Todesursache ausgeschlossen werden, auch auf das Newcastle- Disease-Virus, das ebenfalls zu einer typischen seuchenhaften Geflügelerkrankung führt, ergaben sich keine Hinweise.

 

Bei dem 2013 eingeschicktem Fallwild waren die Todesursachen meist Unfälle, vorrangig in Straßennähe, oder Risse durch Beutegreifer.


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Rückgangsmuster der Jagdstrecken in NRW 1991 und 2008 (gelbe Pfeile r.), eingeteilt in sechs Klassen. Mitte: Jagdstreckenverlauf als Populationstrend des Fasans. Dieser NRW-Trend entspricht dem Verlauf in ganz Nordwestdeutschland. Der Winter 1979/80 war sehr streng mit untypischer Schneelage - auf eine Bejagung wurde daher vielfach verzichtet (gelber Pfeil l.).

Bei nur wenigen Tieren lagen infektiöse Erkrankungen vor, so kam es etwa durch äußere Verletzungen zum Eintritt eines Erregers in den Blutkreislauf und damit zur Ausbreitung im gesamten Körper, was letztlich zum Tode führte. Diese Krankheiten waren konkrete Einzelfälle, die nachgewiesenen Erreger zeigten kein Potenzial zur massiven Ausbreitung.

 

Ein Verdacht auf ein seuchenhaftes Geschehen ergab sich bei keinem untersuchten Fallwildtierkörper, von jedem Tier wurden jedoch Rückstellproben für weiterführende Untersuchungen gebildet.

 

Eier und Jungvögel
Küken haben noch kein ausgereiftes Immunsystem und sind damit anfälliger für Krankheitserreger, sodass eine Untersuchung von Küken ein wichtiges Instrument ist, um Krankheitserreger aufzufinden und zu charakterisieren. Allerdings sind Küken in den ersten Lebens tagen noch durch maternale Anti körper geschützt, die sie von der Henne über das Ei mitbekommen und die sich in den ersten Wochen abbauen. Um diese Einflüsse auszuschließen, werden Küken erst ab der vierten Lebenswoche gefangen und untersucht.


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Wo in diesem Herbst wieder Fasanen-Treiben stattfinden, bittet die Forschungsstelle um die Möglichkeit, an der Strecke von einigen Fasanen Proben zu nehmen (s. Kasten S. 15).

2013 wurden 20 Jungtiere (15 Niedersachsen, fünf NRW) untersucht. Sie wiesen einen unterschiedlich starken Befall mit verschiedenen Parasiten auf. Der Nachweis von Mykoplasmen (zellwandlose Bakterien) bei allen 20 Jungtieren bedarf weiterer Abklärung. Dazu muss der Erreger angezüchtet und sein Stamm identifiziert werden, um Pathogenität und Virulenz einzuschätzen. Dazu wurden Eier aus verlassenen Gelegen auf Antikörper und Krankheitserreger untersucht.

 

Die Ergebnisse aus 2013 zeigen Hinweise auf dieselben Viren, die auch durch die Untersuchung der Blutproben der Jagdstrecke entdeckt wurden. Damit sind diese beiden Probenkollektive zusammen ein geeignetes Instrument, um die Verbreitung der Erreger aufzuzeigen.

 

Fazit: Aufgrund bisheriger Ergebnisse ist anzunehmen, dass sich der Fasanenbesatz nicht mit einer typischen gravierenden Geflügelseuche, sondern mit verschiedenen Krankheitserregern auseinandersetzt.

 

Welche Bedeutung der Nachweis der Antikörper für den Rückgang der Population hat, lässt sich bislang noch nicht bewerten. Dafür ist es notwendig, ein Erreger-Isolat zu gewinnen, um Pathogenität, Virulenz und Übertragungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Daher sind weitere Untersuchungen zwingend erforderlich. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf die Untersuchung von Küken/ Jungtieren gelegt werden.

 

Nele Curland
Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 11/2014 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

 

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Fasanen-Sterben

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