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RWJ 01/2018: Von der Landesauswahltrophäenschau 1969 zur Landeshegeschau 2018

Landeshegeschauen im Wandel der Zeit

Die erste Landeshegeschau – damals noch „Landesauswahl-trophäenschau“ – fand 1969 in Essen statt. Seitdem werden in NRW die Ergebnisse der Hege auf öffentlichen Ausstellungen gezeigt, bewertet und diskutiert. Die Forschungsstelle hat sich mit der Entwicklung dieser Institution befasst.

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Impressionen von der Landestrophäenschau 1977 (aus RWJ 3/1977)

Jagd ist Nutzung. Die Motivation, zu jagen ist für viele Jäger ein starker Antrieb, in ihrem Revier Verantwortung für das Revier, für die Lebensgrundlagen des Wildes und andere Tier- und Pflanzenarten zu übernehmen, sich also letztlich für übergeordnete Ziele und Aufgaben zur Sicherung der Lebensgrundlagen des Wildes einzusetzen. Eine Gesellschaft, die dies erkannt hat, gewinnt langfristig in der Jagd einen verlässlichen Partner im gemeinsamen Bemühen um die langfristige Sicherung von Lebensund Entwicklungsmöglichkeiten.

 

Wie wichtig gerade auch die Jagd zur Erhaltung von Lebensräumen in Nordrhein- Westfalen ist, belegen die bereits zu fränkischer Zeit eingerichteten Bannwaldgebiete Kottenforst, Königsforst mit Wahner Heide, Dämmerwald-Herrlichkeit Lembeck und Reichswald Kleve, die auch heute noch nicht nur Stützen des Biotopverbunds und Rückzugsgebiete großer Wildarten in NRW sind, sondern zugleich wichtige Erholungsräume für den Menschen. Das Präsidium des Landesjagdverbandes beschloss bereits 1999, Landestrophäenschauen „alter Prägung“ durch angemessene Landeshegeschauen zu ersetzen, „mit denen v. a. verschiedene Bewirtschaftungs- bzw. Wuchsgebiete des Rotwildes in NRW zur Darstellung kommen“.

 

Die Darstellung der Situation der einzelnen Wildarten in Verbindung mit einer Präsentation der stärksten Trophäen aus den Verbreitungsgebieten soll nicht nur eine anschauliche Übersicht zum Vorkommen der Wildarten vermitteln, sondern auch für die Lebensbedürfnisse des Wildes und Bedeutung der Jagd werben und auf dieser Grundlage auch aktuelle Probleme aufzuzeigen. Für den Erleger hat die Trophäe den Wert als Brücke zur Erinnerung. Bei einer Auswertung der Daten nach Alter und Geschlecht ist sie ein Weiser für die Populationsstruktur, für die Lebensraumqualität und mittelbar auch für die Wilddichte. Diese Kriterien sind v. a. gewährleistet bei den Hegeschauen in den einzelnen Verbreitungsgebieten bzw. Rotwildgebieten. Die systematische Erfassung der Strecken, auch des weiblichen Wildes, mit Strecken-, also Lebenstafeln, kommt der Einsatz dem Wildbestand und damit dem wildgerechten Management zugute.

 

 

Aufgaben einer Landeshegeschau

Bei einer Landeshegeschau geht durch den größeren Raum die enge Beziehung zum Lebensraum verloren. Dabei stehen übergeordnete Gesichtspunkte im Vordergrund.

 

- Die Beschickung der Landeshegeschau unterstreicht, dass man gerade im Bereich Jagd, Land- und Forstwirtschaft und Kulturlandschaft auf eine enge Beziehung der für die Lebensräume Verantwortlichen angewiesen ist.

 

- In einer Zeit der Zertifizierung, Auditierung und Evaluierung ist auch die Jagd gut beraten, wertbestimmende Elemente nachvollziehbar zu dokumentieren und im Sinne der Vermittlung der Lebensansprüche des Wildes und der Bedeutung der Jagd zu vermitteln.

 

- Der Hegepreis seit 2004 berücksichtigt, dass das Kriterium der Repräsentativität absoluter Weise naturgemäß nicht erreicht werden kann – und das Erlegen eines starken Hirsches oder Bockes i. d. R. nicht das alleinige Verdienst des Erlegers ist. Darüber hinaus bringt der Begriff Hegepreis zum Ausdruck, dass Jagen auch Verpflichtung bedeutet – zum weiteren intensiven Einsatz für das Wild und den Lebensraum. Jagen wollen, heißt immer auch hegen müssen.

 

- Die Landeshegeschau hat sich kontinuierlich weiter entwickelt.

 

Die Bewertungskommission entschied sich 2004 in enger Abstimmung mit dem LJV, ab sofort einen Hegepreis anstelle von Medaillen in Gold, Silber und Bronze zu vergeben – aus zwei Gründen: Das Kriterium der Repräsentativität lässt sich in absoluter Weise praktisch nicht erreichen. Zudem ist die Erlegung eines starken Hirsches oder Bockes in der Regel kein Verdienst des Erlegers: Darüber hinaus soll der Begriff Hegepreis zum Ausdruck bringen, dass Jagen auch Verpflichtung bedeutet. Verpflichtung zum weiteren intensiven Einsatz für das Wild und seinen Lebensraum. Wesentlich ist es, dass große Wildtiere in ihren Lebensansprüchen Anliegen der gesamten Bevölkerung werden. Dafür zu werben, sind Jäger aufgerufen.


Die Entwicklung von Beständen und Population

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Seit Hegeschauen nicht mehr verpflichtend sind, führen viele KJS die Tradition unter ver­-änderten Vorzeichen fort (o.) und diskutieren dabei jagdpraktische Fragen mit Referenten. Landeshegeschauen heute (u.) ordnen Trophäen seit langem Lebensräumen in NRW zu.

Grundlage für eine Landeshegeschau sind die Hegeschauen der Regionen. Anders lässt sich Repräsentativität nur schwer erreichen. Im unmittelbaren Bezug vor Ort sind die Zusammenhänge leichter greifbar. Für Rotwild hat sich eine regionale Bewertung in Orientierung am Lebensraum bewährt, die regionale Bedeutung erfolgt in vier Gruppen:

 

A. 1. Königsforst, 2. Königsforst Wahner- Heide, 3. Nutscheid, 4. Ebbegebirge

B. 5. Siegerland

C. 6. Arnsberger Wald-Brilon, Büren 7. Eggegebirge-Teutoburger Wald-Senne

D. 8. Minden, 9. Dämmerwald-Herrlichkeit- Lembeck, 10. Reichswald Kleve

 

Eine ausschließlich freiwillige Regelung bedeutet für die Hegegemeinschaften bereits bei einem kleinen Anteil nicht kooperationsbereiter Reviere eine erhebliche Erschwernis. Wenn ein zentraler Einstandsbereich nicht mitwirkt, erschwert dies die Analyse erheblich, dabei sollte man realistisch bleiben: Rechtliche Regelungen sind gewissermaßen Leitplanken unserer Gesellschaft. Selbstverständlich lässt sich vieles freiwillig erreichen. Aber gerade diejenigen, die zögern, werden durch klare Rechtsgrundlagen zur Umsetzung ermuntert. Jeder weiß, dass eine ausschließlich freiwillige Regelung nicht so wirksam ist.

 

Geweihe und Gehörne als klimaneutrale Langzeitsprecher

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Zur Bedeutung für Hege und Bejagung kommt die Funktion als Kommunikationsplattform – nicht nur in ländlichen Gebieten sind Hegeschauen wichtige Treffpunkte für die Region. Sachgerecht durchgeführte Hegeschauen liefern nicht nur wichtige Kenndaten zur Population und damit zur Hege und Bejagung in der Region. In Form der Geweihe und Gehörne bieten sie definiertes Material zur populationsgenetischen Untersuchung und damit sowohl zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie als auch zu Umweltstudien.

 

Geweihe und Gehörne sind Langzeitspeicher zur Umweltbelastung, die in einem definierten Zeitraum gebildet werden. Gerade in Nordrhein-Westfalen spiegelt sich in der Schwermetallbelastung die Industriegeschichte wider. Im Unterschied zu anderen Bio-Materialien bieten Geweihe den Vorteil, dass sie über sehr lange Zeiträume ohne zusätzlichen Energieaufwand durch Kühlung und damit klimaneutral gelagert werden können. Sie erlauben die Bearbeitung von Fragestellungen, an die bei ihrer Bildung auf dem Haupt des Wildes noch niemand dachte.

 

Dr. Michael Petrak

 

LANUV NRW,

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn,

E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 01/2018 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 01/2018: Forschungsstelle


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