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RWJ 08/16: Stärkung von Hegegemeinschaften

Eigenverantwortung ist Trumpf

Zu zentralen Zielen des neuen Jagdgesetzes in NRW gehört die Stärkung von Hegegemeinschaften – erkennbar schon allein daran, dass wesentliche Befugnisse der Abschussplanung auf diese übertragen wurden.

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Der Hochwildring Hohes Venn führte bereits 1973 Streckentafeln auf Basis des körperlichen Nachweises und ausgelöster Unterkiefer ein. Fotos (3): M. Petrak

 

Seit 1976 im Bundesjagdgesetz verankert, gibt es in Deutschland neben zahlreichen funktionierenden Hegegemeinschaften leider aber auch Gebiete, in denen erheblicher Nachholbedarf besteht. Die Neuauflage des Umdruckes „Hegegemeinschaften: Aufgaben und Perspektiven“ der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung (1. Auflage: 1997) bietet eine Handreichung für die Praxis.

 

Ziele und Aufgaben

 

Hegegemeinschaften (HG) dienen der jagdbezirksübergreifenden Bejagung und Hege von Wildarten nach einheitlichen Grundsätzen. Für Schalenwild ist die Anlage 3 der Durchführungsverordnung DVO LJGNRW mit der Beschreibung der Abgrenzung von Verbreitungsgebieten bei Rot-, Dam- und Sikawild eine weitere Grundlage. Die Rahmenbedingungen für Hegegemeinschaften sind in § 8 des Landesjagdgesetzes (LJG-NRW) präzisiert:

 

§ 8 LJG-NRW Hegegemeinschaften (zu § 10 a BJG)

 

1. HG dienen der jagdbezirksübergreifenden Bejagung und Hege von Wildarten nach einheitlichen Grundsätzen. Aufgabe der HG für Schalenwild ist es insbesondere, die Höhe des Wildbestandes zu ermitteln, gemeinsame Hegemaßnahmen durchzuführen, Abschusspläne, Fütterungsstandorte und Jagdmethodik aufeinander abzustimmen, auf die Erfüllung der Abschusspläne hinzuwirken und der Unteren Jagdbehörde Abschussnachweise zu erbringen.

 

2. Eigentümer(innen) von Eigenjagdbezirken im Gebiet der HG sowie Jagdgenossenschaften betroffener Jagdbezirke sind berechtigt, je einen Vertreter mit beratender Stimme in die HG zu entsenden.

 

3. Soweit es aus Gründen der Hege im Sinne des § 1 Absatz 2 des Bundesjagdgesetzes erforderlich ist, insbesondere in Verbreitungsgebieten (§ 22 Absatz 12), wirken die Unteren Jagdbehörden auf die freiwillige Bildung von HG hin. Sind mehrere Untere Jagdbehörden zuständig, wird die zuständige Jagdbehörde von der Obersten Jagdbehörde bestimmt.

 

4. Ist die Bildung von HG für Schalenwild und vom Aussterben bedrohte Tierarten aus Gründen der Hege erforderlich und ist eine an alle betroffenen Jagdausübungsberechtigten gerichtete Aufforderung der Unteren Jagdbehörde ohne Erfolg geblieben, können HG von Amts wegen gebildet werden.

 

5. Das Ministerium wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung die Bildung von HG (Abs. 4), besonders das Verfahren, die Zusammensetzung der Mitglieder, die Aufgaben, die räumliche Abgrenzung, die Organisationsvorgaben sowie die Erfordernisse der Satzung zu regeln.

 

6. Die HG nach Abs. 4 untersteht der Aufsicht des Staates. § 47 findet entsprechende Anwendung.

 

7. Eine HG hat sich eine Satzung zu geben. Die Satzung und ihre Änderung bedürfen der Genehmigung der Unteren Jagdbehörde, es sei denn, die Satzung entspricht einer von der Obersten Jagdbehörde erlassenen Mustersatzung; in diesem Falle ist sie der Unteren Jagdbehörde anzuzeigen. Satzungen bestehender HG gelten fort, soweit sie der Mustersatzung entsprechen.“

 

Grundeigentümer einbinden

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Dieser Hirsch (erlegt im Sektor Elsenborn) war seit dem 5. Kopf durch Fotos und Abwurfstangen bekannt – ein gutes Beispiel der Zusammenarbeit im Hochwildring Hohes Venn.

Hegegemeinschaften dienen also der besseren großräumigen Hege durch den Zusammenschluss der Jagdausübungsberechtigten in Verbreitungsgebieten. Sie dürfen nicht mit „Hegeringen“ (kleinste Organisationseinheit von Landesjagdverbänden) verwechselt werden. Hegegemeinschaften werden grundsätzlich durch „freiwillige“ privatrechtliche Zusammenschlüsse gebildet. Wesentliche Ziele hat der Gesetzgeber bestimmt, der Weg zu deren Erreichung wird jedoch von den Mitgliedern „auf freiwilliger Grundlage“ vereinbart.

 

HG können als eingetragene wie nicht eingetragene Vereine gegründet werden und sich durch eine Satzung eine Selbstbindung für die vereinbarten Aufgaben und Ziele geben. Wesentliche Voraussetzung für das Gelingen ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten.

 

Diesem Ziel dient auch die Integration der Grundeigentümer als betroffener Interessengruppe in die HG (§ 8 (2)). Selbstverständlich arbeiten staatliche Verwaltungsjagdbezirke in Hegegemeinschaften mit, wenn die dazu erforderlichen fachlichen Voraussetzungen nach dem Aufgabenkatalog (§ 3 der Mustersatzung) erfüllt werden. Der Landesjagdverband Nordrhein- Westfalen und der Ökologische Jagdverband unterstützen ausdrücklich die Bildung von Hegegemeinschaften, weil es richtig ist, in Sachen Hege Selbstverantwortung zu übernehmen.

 

HG sind auch der Schlüssel zum Erfolg, wenn es darum geht, Lebensansprüche der Wildarten gegenüber anderen Interessengruppen wie etwa dem Tourismus zu vertreten. Der vorliegende Umdruck fasst auf Grundlage der Erfahrungen der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW (FJW) aus Pilotprojekten und der Beratung von HG wesentliche Empfehlungen für deren Arbeit zusammen. Er berücksichtigt damit auch Empfehlungen des Beirates bei der FJW.

 


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Satzung

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Hegeschauen sind zur Dokumentation des Bestandes und auch einzelner Individuen wichtig.

Jede Hegegemeinschaft muss sich eine Satzung geben. Diese und jede Änderung daran bedarf der Genehmigung der Unteren Jagdbehörde – außer wenn sie der Mustersatzung der Obersten Jagdbehörde entsprechen. Entscheidend sind Zweck und Aufgaben.

 

Eine aktualisierte Mustersatzung lag zum Redaktionsschluss dieses RWJ u. a. wegen der erforderlichen Beratungen im Landesjagdbeirat noch nicht vor.

 

Satzungen bestehender Hegegemeinschaften gelten fort, wenn sie wesentliche Punkte der Mustersatzung enthalten. Bei Bedarf sind Anpassungen nötig und möglich. Die Unteren Jagdbehörden lassen sich bei der Prüfung der Satzungen in der Regel durch die FJW beraten. Vorgesehen ist, dass sich benachbarte HG zum informellen Austausch über gemeinschaftliche Maßnahmen in einem Hochwildring zusammenschließen, Erfahrungen aus dem Modellprojekt „Beratender Berufsjäger NRW (Davert-Hochwildring)“ bieten wesentliche Grundlagen. Bei Fragen sollte man Kontakt zur FJW bzw. den Jagdbehörden aufnehmen.

 

Der Ausgleich zwischen Lebensraum und Wildbestand muss zentrales Anliegen jeder HG sein. Für gefährdete Wildarten hat die Erhaltung der Lebensmöglichkeiten essenzielle Bedeutung für ihr Überleben. Der Umdruck vermittelt dazu in der Praxis bewährte Konzepte. In Nordrhein-Westfalen mit seiner hohen Bevölkerungsdichte ist es entscheidend, Einsichten zu Schutz und Nutzung zu vermitteln, Verständnis zu wecken für die Bedeutung natürlicher Lebensräume und die Bedürfnisse des Wildes, sowie nachhaltige Nutzung,Schutz und Naturerlebnis zu integrieren. Diese „Win-win-Situation“ zwischen der Bevölkerung und einem anspruchsvollen Schutz durch nachhaltige Nutzung steht nicht nur modellhaft für eine langfristige Balance in der Kulturlandschaft, sondern ist auch Herausforderung für jede Hegegemeinschaft. Für Rückfragen steht die FJW gerne zur Verfügung.

 

Dr. Michael Petrak

Forschungsstelle für Jagdkunde u. Wildschadenverhütung, LANUV NRW,

Pützch. Chaussee 228,

53229 Bonn,

Tel. 02 28/97 75 50

E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de

 

 

Der Umdruck „PETRAK, M., 2016: Aufgaben und Perspektiven, Ausgabe 2“ kann bei der Forschungsstelle schriftlich bestellt werden. Er informiert über

  • Kriterien zur Nachhaltigkeit der Jagd und des Miteinanders von Jagd und Naturschutz,
  • Erarbeitung von Lebensraumgutachten (liegen für zahlreiche Gebiete vor),
  • Einschätzen von Wildbeständen auf Grundlage des erlegten Wildes und Scheinwerfer-Taxationen,
  • Erarbeitung revierübergreifender
  • Konzepte z. Lebensraumverbesserung,
  • Winterfütterung inkl. eingehender Anleitung zur Prüfung der Qualität von Heu und Anwelksilage

 


Amtshilfe aus Niedersachsen

Altersschätzung von Schalenwild

Die Forschungsstelle NRW kann wegen personeller Engpässe die Altersschätzung von Schalenwild derzeit nicht wie gewohnt durchführen. Unterkiefer sollte man daher bis auf Weiteres an folgende Adresse schicken:

 

Georg-August-Universität Göttingen Abteilung Wildtierwissenschaften z. Hd. Horst Reinecke Büsgenweg 3, 37077 Göttingen Tel. 0551/39-33629 und -3602 E-Mail: www.uni-goettingen.de

 

Kosten pro Unterkiefer: 30 € (+ MwSt. + 7 € „Verpackungspauschale“)

 

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 08/2016 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ_08/16_Forschungsstelle


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