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RWJ 06/2016: Aktuelle Nachweise 2016

Wölfe zwischen Rhein und Weser

Nach den Nachweisen um den Jahreswechsel 2014/15 in den Kreisen Minden- Lübbecke und Siegen-Wittgenstein (s. RWJ 8/2015) war es mehr als ein Jahr ruhig um den Wolf in NRW. Es gab mehrere Verdachtsfälle von gerissenen Wild- und Nutztieren, die sich im Regelfall anderen Beutegreifern zuordnen ließen.

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Mit der natürlichen Auflösung von Rudeln in Ost- und Norddeutschland gelangen derzeit mit einer gewissen Regelmäßigkeit Jungwölfe auch nach NRW. Foto: K. - H. Volkmar

Kreis Lippe

 

In der Nacht zum Ostersamstag (26.3.2016) wurde in der Gemeinde Barntrup (Kreis LIP) ein Ziegenbock gerissen, der Halter schaltete darauf den Luchsund Wolfsberater des Kreises ein. Eine Dokumentation wurde noch am selben Tag angefertigt, Proben zur Untersuchung der Genetik des Verursachers wurden genommen. Ein herbeigerufener Jäger hängte eine Wildkamera auf und konnte in der nächsten Nacht einen Wolf filmen, der zwei weitere Ziegen angriff und eine davon tötete.

 

Kreis Paderborn

 

In der Nacht auf den 30.3.2016 wurden auf einer Weide bei Borchen vormittags zwei tote und ein verletztes Schaf aufgefunden. Vor Ort erfolgte die Dokumentation der Fundumstände durch den örtlich zuständigen Luchs- und Wolfsberater. Die Tiere wurden im Chemischenund Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen- Lippe untersucht. Dort wurden Proben für weiterführende genetische Untersuchungen genommen. Es konnte aufgrund der DNA-Auswertung ein Wolf nachgewiesen werden.

 

Am frühen Vormittag des gleichen Tages wurde ein Wolf zwischen Salzkotten und Borchen (Kreis PB) von einem Pkw angefahren. Das Tier konnte den Unfallort augenscheinlich mit geringen Verletzungen verlassen. Am Unfall-Pkw wurden Haare des Tieres sichergestellt. Die genetische Überprüfung ergab eindeutig den Nachweis, dass es sich auch dabei um einen Wolf gehandelt hat. Da der Unfallort nur knapp 8 km von der Schafsweide entfernt liegt, ist es wahrscheinlich, dass es sich um dasselbe Tier handelte.

 

Kreis Gütersloh

 

Am 3.4.2016 wurde ein Wolf in Rietberg- Mastholte zunächst von Anwohnern beobachtet, wie er in der Nähe von Wohnhäusern über die Felder lief. Eine gezielte Nachsuche nach diesem Tier per PKW ergab ein gutes Handy-Video. Bei dem Tier handelte es sich um einen Jungwolf aus dem letzten Jahr.

 

Der Wolf sieht gesund aus, fühlt sich jedoch erkennbar unwohl in der Situation und versuchte, wegzulaufen. Es ist bei jungen Wölfen nicht ungewöhnlich, dass sie auch tagsüber unterwegs sind. Wölfe reagieren wie andere Wildtiere auf Fahrzeuge sehr häufig nicht scheu. Daher ist das nahe Vorbeiziehen am Pkw nicht ungewöhnlich, sondern als normal anzusehen.

 

Kreis Warendorf

 

In der Nacht zum 6.4.2016 wurden auf einer hofnahen Weide in Oelde Sünninghausen (Kreis WAF) drei Kamerunschafe gerissen. Die Begutachtung vor Ort und die Dokumentation der Situation erfolgte durch das LANUV am gleichen Tag. Es wurden Abstrichproben von allen gerissenen Tieren genommen und zur genetischen Analyse geschickt. Der Verursacher konnte eindeutig als Wolf identifiziert werden. Die genetischen Spuren an den getöteten Ziegen im Kreis Lippe und den Schafen im Kreis Warendorf waren identisch. Es konnte festgestellt werden, dass es sich beim Verursacher um einen männlichen Jungwolf aus dem Rudel in Cuxhaven (NS) handelt. Dieses Rudel hatte 2015 erstmals Nachwuchs, die Elterntiere stammen aus Rudeln in Munster (NS) und Altengrabow (S-A).

 

Dieses Individuum wurde erstmals am 16.2.2016 durch genetische Spuren an einem gerissenen Schaf in der Nähe seines Heimatrudels genetisch identifiziert. In 38 Tagen bis zum 27.3.2016 legte dieser Wolf die Strecke von Cuxhaven bis in den Kreis Lippe zurück (etwa 230 km Luftlinie). Der räumliche und zeitliche Zusammenhang mit den dazwischen liegenden Nachweisen in den Kreisen Paderborn und Gütersloh macht es sehr wahrscheinlich, dass es sich immer um denselben Jungwolf handelte.

 

Kreis Steinfurt

 

Am 23.4.2016 wurde in der Nähe von Ibbenbüren-Laggenbeck (Kreis ST) ein Wolf fotografiert. Die Verifizierung des Aufnahmeortes und die Dokumentation vor Ort erfolgte durch den Luchs- und Wolfsberater am gleichen Tag. Weitere Spuren (Trittsiegel, Haare, Losung) liegen nicht vor, eine genetische Analyse und die Zuordnung zu einem Individuum ist folglich nicht möglich. Ob es sich dabei um den am Karsamstag im nah gelegenen niedersächsischen Ostercappeln (Landkreis OS) ebenfalls mit Foto nachgewiesenen Wolf handelt, kann daher nicht bestätigt werden.

 

Negative Verdachtsfälle 2016

 

Seit Beginn des systematischen Wolfsmonitorings 2009 sind zahlreiche Verdachtsfälle untersucht wurden. Sehr häufig erweisen sie sich bei getöteten oder verletzten Schafen als Übergriffe von Haushunden. Durch genetischen Nachweis ließen sich in folgenden Fällen Haushunde als Täter überführen: ein Kamerunschaf (LIP/Januar), ein Schwarzkopfschaf (GM/Februar) und eine Heidschnucke (GM/ März), Merino-Schwarzkopfschafe (PB/ April) und ein Muffelschaf (HX/April).

 

Weitere Hinweise werden derzeit geprüft, bei Wolfsverdacht wenden Sie sich bitte an die zuständigen Luchs- und Wolfsberater.

(Liste: http://artenschutz.naturschutzinformationen.nrw.de/artenschutz/web/babel/media/luchs_wolfsberater _nrw.pdf)

 

Dr. Ingrid Hucht-Ciorga

 

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW,

FB 27 Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung/FB 24 Artenschutz, E-Mail: ingrid.hucht-ciorga@lanuv.nrw.de


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