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RWJ 03/2017: Wild online vermarkten

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Immer mehr private Jäger und selbst professionelle Anbieter vermarkten Wild auf der Auktionsplattform ebay – ein Angebot, das anzukommen scheint. Wir haben das mal ausprobiert und liefern Fakten für Nachahmer.

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Überraschend häufig wird Wildbret schon jetzt über einschlägige Internet-Plattformen wie ebay vermarktet – v. a. rund um den einwandfreien Versand gilt es dabei wichtige Regeln zu beachten.

Gibt man auf der Plattform nur den Begriff „Wildfleisch“ ein, wirft die Suche im Schnitt mehr als 100 Angebote aus – nicht nur in der Vorweihnachtzeit! Die Zahl der Anbieter ist dagegen (noch) deutlich geringer. Für diejenigen, die die das Online-Auktionshaus zur Vermarktung von Wild nutzen, scheint sich die Sache also zu lohnen.

Dabei findet man vom ganzen Stück Schalenwild bis zum küchenfertigen Fasan und sogar Dachsschinken so ziemlich alles, was die heimische Wild bahn hergibt. Private Anbieter treten ebenso in Erscheinung, wie Hofläden, Metzgereien und Wildhändler, die sich den Aufwand eines eigenen Online-Shops sparen. Aber lohnt sich die Sache auch für die Abnehmer, und worauf muss man als Anbieter achten, wie sind die Erfahrungen?

 

 

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Der RWJ hat sich nicht nur verschiedene Angebote angesehen, sondern auch in den Bewertungen gestöbert und schließlich eine Probebestellung aufgegeben. Auffallend – die Mehrheit der Angebote startet ebay-untypisch nicht als Auktion (Startpreis 1 Euro), sondern wird mit Festpreisen oder der Aufforderung zur Abgabe eines Preisvorschlags angeboten. Nur wenige Anbieter weisen eine Kundenzufriedenheit aus, die geringfügig unterhalb von 100 Prozent liegt – wobei zu berücksichtigen ist, dass bei geringer Anzahl von Transaktionen schon eine einzige kritische Bewertung innerhalb des letzten Jahres den Wert runterzieht.

 


Hohe Kundenzufriedenheit

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Wer vakuumiertes Wildbret anbietet, kann das Vertrauen der Kunden steigern.

„Echt lecker – gerne wieder“ – solche und ähnlich positive Bewertungen sind die Regel. Vereinzelte Kritiken erschöpfen sich oft in nichtssagenden Anmerkungen wie „nicht empfehlenswert“ – ohne Angabe von Gründen für die Unzufriedenheit. Sucht man eine Erklärung für die hohe Kundenzufriedenheit, fällt sofort ins Auge, dass Wildanbieter auf der Plattform sehr professionell auftreten. In der Regel sind die Angebote mir einer Abbildung versehen, zumindest einer symbolischen. Die meisten Anbieter beschreiben ihre Ware und die Lieferumstände dazu sehr genau: Gewicht, Zurichtung (mit oder ohne Knochen, Wildpartie), Verpackungs- und Versandumstände.

Versandt wird immer tiefgefroren, meist zudem einvakuumiert, in Kühltaschen oder Styroporboxen zum Teil mit beigelegten Kühlakkus. Auch Versanddaten und -zeiträume werden häufig angegeben, teils mit einem Angebot für zuschlagpflichtigen Expressversand. Das minimiert das Risiko an- oder gar durchgetauter Ware und kommt Frische-Skeptikern entgegen. Viele Abnehmer bewerten daher mit einem ebaytypisch knappen „Ware wie beschrieben – danke“ o. ä.

Als Stichprobe für den RWJ-Test haben wir zwei Kilo Dam-Rücken bestellt – bei einem privaten Anbieter, dessen ebay- Name eher den Versand von Autoteilen vermuten ließ:

• ganz bewusst zu einem ordentlichen Preis von immerhin 39,99 €/kg

• und natürlich inkognito.

 

Bewusst wählten wir einen Anbieter, dessen Angebotsdarstellung durchaus verbesserungsfähig schien – kein Bild der angebotenen Ware selbst, sondern nur das Logo „Wild aus der Region“. Im Angebot machte der Verkäufer nur klar, dass er über weitere Vorräte verfügt, die er auf Nachfrage ebenfalls gern abgibt, dass er als Jäger sein Wild im eigenen Revier in Mecklenburg-Vorpommern erlegt und tiefgefroren in Styropor-Boxen versendet. Zum Stück selbst erfuhren wir nur, dass es in diesem Jahr erlegt und tiefgefroren wurde, zum Anbieter, dass er in Schleswig- Holstein sitzt und neben Selbstabholung standardmäßig mit DHL versendet – gegen Aufpreis auch per Express. Ob der Rücken bereits ausgelöst oder noch am Knochen war, musste man hingegen ebenso erfragen, wie, ob es vor dem Tiefkühlen einvakuumiert worden war. Auf eine Fotoanforderung verzichteten wir dabei.

 

 


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Erreichbarkeit wichtig

Schnell erfuhren wir, dass das Fleisch noch am Knochen ist und der Anbieter es einvakuumiert erst wenige Tage zuvor eingefroren hatte. Ein kurzfristiger Versand vor Weihnachten könnte Probleme bezüglich des Warenzustands aufwerfen. So verständigten wir uns auf eine Lieferung nach Neujahr. Die angekündigte Versanddauer (maximal drei Tage) schöpfte DHL aus. Normalerweise geht das einen Tag schneller, so erreichte uns das Fleisch fast durchgetaut, dank ordentlicher Verpackung aber noch sehr kalt.

 

Vorsorglich war die Ware in der großen Styropor-Box mit Zeitungspapier gut umhüllt verpackt, das Ganze von einer Folie umhüllt in einem Umkarton. Obwohl der Vakuumbeutel Luft gezogen hatte (vermutlich durch eine Rippenspitze), war das Papier noch trocken. Das Fleisch erwies sich nach dem Auspacken als sensorisch unauffällig – dazu ließen wir das Stück vor dem beabsichtigten Auslösen der Rückenlachse vollständig durchtauen und danach noch zwei Tage im Kühlschrank – wären die vom Anbieter angegebenen Frischemerkmale unzutreffend gewesen, hätte man dies unter diesen Umständen sicher riechen können. Doch offenbar stimmt nicht nur die Angabe zur Ware, der Anbieter wusste hinsichtlich Lebensmittelsicherheit und Versandrisiken die Sache gut zu handeln.

 


Worauf es ankommt

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Mit solch detaillierten Etiketten unterstreicht man schon beim Einstellen der Bilder ins Internet seine Profes­sionalität als Anbieter. Fotos: Frank Martini

Erwartungsgemäß fiel auch die Verkostung aus – das Fleisch entsprach den hohen Erwartungen, die man an Damwildrücken aus freier Wildbahn stellen darf. Es kam absolut frisch und saftig auf den Teller.

Der recht lange dreitägige Versandlauf erwies sich für uns als Jäger („kundige Personen“ nach EU-Hygienerecht) zwar unproblematisch, könnte unbedarfte Verbraucher dagegen deutlich verunsichern. Was also hätte der Anbieter noch besser machen können?

 

Der erste Fehler war ihm beim Vakuumieren unterlaufen – ohne ein Lachsbrettchen oder sonstigen Schutz lassen Wildstücke am Knochen (besonders an Rippenstücken) das Vakuum häufig entweichen. Ein Hinweis auf diese Profi- Frischeverpackung im Angebotstext schafft sicher zusätzliches Vertrauen beim potenziellen Kunden, denn auch Angebote mit Fotos von Fleisch im Tiefkühlbeutel finden sich im Internet.

 

Auch Etiketten, auf denen mehr als Wildart und Gewicht handschriftlich angegeben sind, wirkt professioneller. Etwa bedruckte Etiketten, die Aufschluss über Erlegunsort, Datum des Einfrierens und Mindesthaltbarkeit von 12 Monaten bei -18° Celsius geben. Allerdings nur bei Wiederkäuern – bei Sauen oder Kleinwild sollte man nicht mehr als sechs Monate angeben! Sofern es zu dem Stück einen Wildursprungsschein gibt, wäre dessen Nummer und ggf. eine Kopie des Papiers sicher auch ein Signal an den Verbraucher, dass die hohe Qualität und die geprüfte Herkunft seiner Bestellung den aufgerufenen Preis vollauf rechtfertigen.

 


Lohnender Aufwand

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Wenn die durchschnittliche Qualität von im Internet gehandeltem Wildbret so gut ist wie die im RWJ-Test, wird dieser Vertriebstest sicher von noch viel mehr Verbrauchern genutzt werden.

Ein zusätzlicher Service, mit dem man noch punkten könnte, wäre ein Blatt mit Hinweisen zur Zubereitung – vielleicht mit dem eigenen Lieblingsrezept. Mit einem Hinweis auf solche Zubereitungshilfen könnte man sicher auch unerfahrene Käufer begeistern. Die Umverpackung indes war absolut professionell – und wäre lediglich durch die Beigabe von Kühlakkus oder Trockeneis zu toppen gewesen. Insofern sollten Anbieter überlegen, neben DHL ggf. auch den Versand per Overnight-Express anzubieten – die Versandkosten gehen bei ebay üblicherweise ja ohnehin zulasten des Käufers.

 

Unser Fazit: Die RWJ-Verbesserungsvorschläge mögen als Marginalien oder übertriebener Aufwand erscheinen. Dieser kann sich allerdings lohnen – besonders, wenn man das bereits in seinem Angebot in Wort und Bild ersichtlich macht. Denn wenn man „online-Wildbretverkäufe“ auswertet, erscheint dieser Vertriebskanal preislich durchaus lukrativ, offenbar wissen Endverbraucher die hohe Qualität unserer Produkte durchaus wertzuschätzen.

 

Einzelne Jäger, die ihr Fleisch für einen Auktions-Startpreis von einem Euro einstellen, verkaufen zwar auch – und sicher auch ohne diesen Aufwand. Bei manchem Abschluss kommt der Preis aber eher einem Verramschen gleich. Dass das nicht sein muss, zeigen die vielen Festpreis-Angebote oder gar erfolgreich an Selbstabholer angebotene ganze Stücke in der Decke zum Kilopreis von immerhin fünf Euro. Insofern erscheint der Internet-Wildhandel für beide Seiten ein lohnender Versuch.

 

Frank Martini

 


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Eine beigelegte Kopie des Wildursprungsscheins signalisiert Professionalität.


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