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RWJ 04/2018: Frühmahd

Wildtiere nicht gefährden

Die Grasernte überschneidet sich mit den Setz- und Brutzeiten vieler wild lebender Tiere. Dabei werden leider jedes Jahr viele Wildtiere getötet. Wie Verluste verhindert werden können, erklären Dr. Klaus Hünting, Landwirtschaftskammer NRW, und Forstassessor Gregor Klar vom LJV.

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Wer von innen nach außen mäht, hat keine wirtschaftlichen Nachteile und erhöht gleichzeitig die Fluchtchancen des Wildes. Flächen, die größer als ein Hektar sind, müssen laut Gesetz sogar auf diese Weise gemäht werden. Sehr steile Stücke sind ausgenommen.

In den Jahren, wo der erste Schnitt noch zur Heubergung genutzt wurde, kam das meiste Wild zu schaden. Durch die Erzeugung von Qualitätssilage mit frühem ersten Schnitt hat sich die Hauptzeit der Gefährdung heute auf den ersten und zweiten Schnitt ausgedehnt. Eine weitere Gefahr droht den frei lebenden Tieren auch auf Ackerflächen, auf denen Grünroggen zur Silagebereitung angebaut wird. Anders als beim normalen Getreideanbau, bei dem durch den Erntetermin außerhalb der Brutund Setzzeiten weniger Gefahren für die Wildtiere bestehen, erfolgt die Ernte des Grünroggens kurz vor, bzw. fast zeitgleich mit einem frühen ersten Grasschnitt. Unabhängig davon, ob es sich um Grünroggen, Ackergras oder Dauergrünland handelt, gefährdet ein Erntetermin bis zur ersten Maiwoche in erster Linie den Feldhasen. Zur Zeit eines zeitigen zweiten oder späten ersten Schnittes im letzten Drittel des Monats Mai bis Anfang Juni ist nahezu das gesamte Wild betroffen. Neben dem Rehwild – was zu dieser Zeit meist gesetzt hat – sind ab der zweiten Mai-Dekade auch Bodenbrüter wie Fasane und erneut Feldhasen auf den Flächen durch die Mahd gefährdet. Ein Verschieben des Schnitt-Termins auf einen deutlich späteren Zeitpunkt würde Wild zwar sehr zugutekommen, aber spätere Schnitte bedeuten Qualitätsund Ertragseinbußen und entsprechen nicht dem Anspruch hoch leistender Tiere an Grobfuttermittel.

 

 

Botulismus gefährlich

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Scheuchen mit akustischen Wildrettern können Rehe kurzzeitig von Wiesen fern halten. So kann ein Ausmähen von Kitzen verhindert werden.

Sollten Tiere bei der Ernte mit in das Erntegut gelangen, könnten überall vorkommende – natürlich vorhandene – Bakterien der Gattung Clostridium aus den Kadavern das hochgiftige Botulinum- Toxin bilden. 0,1 μg dieses Toxins in Reinform sind tödlich für den Menschen. Bei den Tieren scheinen Pferde empfindlicher auf dieses Gift zu reagieren als Rinder. Durch die mittlerweile in der Praxis übliche Form der Futtervorlage mit dem Mischwagen können durch Kadaver vergiftete Partien homogen vermischt und so bei einer größeren Zahl an Tieren zu Vergiftungserscheinungen mit deutlichen Leistungseinbußen führen. Vor diesem Hintergrund kann es nur das Ziel sein, bei der Ernte jegliche Kontamination des Futters mit getöteten Tieren zu vermeiden.


Wie das Wild verscheuchen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Wild von der Fläche zu vergrämen. Dazu zählen unter anderem abends vor der Mahd aufgestellte Rascheltüten und Flatterbänder, die dazu führen, dass das Wild von der Fläche vertrieben wird. Ein zu frühes Aufstellen ist zu vermeiden, da das Wild diese Art der Störung schnell wieder akzeptiert und zurück in die Fläche zieht.

 

Die akustischen Wildretter können auch am Abend vor der Mahd an die aufgestellten Scheuchen montiert werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass in Siedlungsnähe aus Gründen des Lärmschutzes die akustischen Wildretter in die entgegengesetzte Richtung zur Bebauung eingesetzt werden. Die Haltbarkeit der Akkus beträgt 5 bis 6 Stunden. Für den Nachteinsatz sollten die akustischen Wildretter deshalb mit einer Intervallschaltung versehen werden.

 

Ein weiterer Schritt, der hilft noch bei der Mahd Wild von der Fläche zu vertreiben, ist der Einsatz weiterer akustischer Wildretter. Diese kostengünstigen, sehr lauten, am Mähfahrzeug befestigten Warnsirenen sorgen ebenfalls für einen Vertreibungseffekt. Die Bauanleitung ist über den LJV erhältlich

 

Tel.: 02 31/ 2 86 86 00,

Fax.: 02 31/2 86 86 66,

info@ ljv-nrw.de, www.ljv-nrw.de. Sie funktionieren jedoch leider nicht bei sich drückenden Jungtieren und brütenden Fasanenhennen.


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Frühmahd

Absuchen hilft am besten

Das Absuchen der zu mähenden Flächen mit einem ausgebildeten Jagdhund kurz vor dem Erntezeitpunkt, verbunden mit dem Hinaustragen des gefundenen Wildes, stellt die effektivste Vorgehensweise der Wildrettung dar. Sie setzt aber eine gute Kommunikation zwischen Bewirtschafter und Revierinhaber voraus und das Vorhandensein von Rückzugsräumen.

 

Idealerweise wird der Revierinhaber schon so früh wie möglich (mindestens 24 Stunden vorher) über den anstehenden Termin informiert, da – je nach Flächengröße – unter Umständen mehrere Suchgespanne für eine erfolgreiche Flächenkontrolle benötigt werden und dieses mit etwas mehr Vorlaufzeit besser zu organisieren und zu realisieren ist. Suchen Sie frühzeitig das Gespräch, um in der arbeitsintensiven Zeit der Ernte einen reibungslosen Ablauf des Absuchens der Fläche nach Wildtieren und der Erntemaßnahmen zu gewährleisten. So früh wie möglich darüber zu sprechen ist das entscheidende, rettende Kriterium!

 

 


Von innen nach außen mähen

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Bei der Mahd selbst ist darauf zu achten, dass dem Wild die Möglichkeit gegeben wird, die Fläche sicher verlassen zu können, und es nicht durch das Mähen von außen nach innen in die letzte stehen gebliebene Bahn zusammengetrieben wird. Bei den modernen, immer breiter und schneller fahrenden Mähern ist das Mähen von innen nach außen – bei sehr großen Flächen größer 2,5 ha von einer Seite zur anderen unter Berücksichtigung einer Fluchtmöglichkeit des Wildes zur nächsten Dickung oder Deckung – eine der wenigen Möglichkeiten, den Wildtieren eine kleine Fluchtmöglichkeit durch den noch ungemähten Teil der Parzelle zu ermöglichen.

 

Das gilt insbesondere für Althasen und Dreiläufer, selbst Fasanenhennen können so ihre Küken noch in Sicherheit bringen. Eine im Jahr 2004 veröffentlichte Diplomarbeit der Uni Potsdam dokumentierte noch einmal, dass das Mähen von innen nach außen nach einer kurzen Einarbeitungszeit nicht zeit- und kostenintensiver als traditionelle Arbeitstechniken ist. Es ist allerdings dabei zu beachten, dass abgelegte Kitze durch diese alternative Arbeitstechnik nicht gerettet werden können. Ducken und Tarnen schützt zwar den Hasen und das Reh vor seinen natürlichen Feinden, aber nicht vor Erntemaschinen. Um die Kitze und andere Ducker vor dem Mähtod zu bewahren, müssen weiterhin am Abend vorher Scheuchen mit oder ohne akustischen Wildretter aufgestellt werden. Außerdem müssen die Flächen vor der Mahd mit einem brauchbaren Jagdhund mit oder ohne akustischen Wildretter abgesucht werden. Bei dieser Arbeit sollten sowohl der Hundeführer wie auch der brauchbare Jagdhund mit einem Gehörschutz ausgestattet sein.

 

 


Langfristiger Schutz

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Da die Rand- und Saumbereiche vor allem beim Wild besonders begehrt sind, lohnt es sich hier, die Nutzung zu überdenken. Die Möglichkeiten sind sehr vielseitig. Randstreifen, die nicht gerade im Schattenbereich von Bäumen liegen, könnten bei den ersten Schnitten stehen bleiben. Zum dritten Schnitt wäre dieses eher extensive Material noch geeignet, um in Form von Wickelballen strukturreiches Futter für die Jungvieh- und Trockensteher- Fütterung zu gewinnen.

 

Randstreifen, auf denen das Futter immer wieder mäßig wächst oder schlecht trocknet, bieten sich auch für dauerhafte Wildackermischungen an (z. B. WSM 3). Mehrjährige Rückzugs- und Saumflächen locken das wild lebende Tier aus der intensiv genutzten Fläche und entschärfen die Problematik beim Mähen in den nächsten Jahren.

 

 


Blühstreifen anlegen

Blühende Feldränder sehen nicht nur schön aus. Sie sind eine echte ökologische Aufwertung, erhöhen die Artenvielfalt und fördern zusätzlich die Akzeptanz. Schon wenige, gezielt angelegte Blühstreifen mit blühenden Pflanzen vom Frühjahr bis zum Spätherbst helfen ihnen außerdem bei der Mähstrategie von innen nach außen, da sie die wild lebenden Tiere quasi anziehen.

 

Wo möglich, sollte auch eine Gliederung großer Ackerschläge mit Blühstreifen unter Nutzung von Förderprogrammen nachgedacht werden. Ansprechpartner zu Förderungsmöglichkeiten und weiteren Programmen sind die örtlich zuständigen unteren Naturschutzbehörden, Kreisstellen der Landwirtschaftskammer NRW, Stiftung Rheinische Kulturlandschaft (www.rheinischekulturlandschaft. de) und die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft (www. kulturlandschaft.nrw/web/stiftungwestfaelische- kulturlandschaft/).

 

Ohne die Schaffung und Erhaltung von Rückzugsräumen laufen Maßnahmen zur Rettung der wild lebenden Tiere ins Leere. Pflegen Sie gute Kontakte zwischen Jägern und Landwirten. Nur so können wir Wildtiere in freier Feldflur für nachfolgende Generationen erhalten und jegliche Kontamination des Futters mit getöteten Tieren vermeiden.

 

Wichtiger Hinweis: Gem. § 4 Abs. 1 Ziff. 5 des Landesnaturschutzgesetzes ist es verboten, bei der Mahd auf Grünlandflächen ab 1 ha von außen nach innen zu mähen, außer in stark hängigem Gelände.

 

Bestellmöglichkeiten: LJV NRW,

www.conrad.de, www.voelkner.de, www.digitalo.de, www.amazon.de/UnbekanntWILDRETTERBAUSATZ/dp/B00D5T554E


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