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RWJ 04/2016: Vor dem Start der Grünlandernte

Wildtiere nicht gefährden!

Die Zeit der Grasernte überschneidet sich mit den Setz- und Brutzeiten vieler Wildtiere, die dabei leider jedes Jahr getötet werden. Wie man diese Verluste verhindern kann und welche Gefahren von Kadavern ausgehen, erläutern Dr. Klaus Hünting (Landwirtschaftskammer) und Forstassessor Gregor Klar (LJV).

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Zwei Wochen alte Fasanküken müssen noch aus der Fläche getragen werden.

Als der erste Schnitt noch zur Heubergung genutzt wurde, kam dabei das meiste Wild zu Schaden. Durch die Erzeugung von Qualitätssilage (früher erster Schnitt) hat sich die Hauptgefährdung heute auf den zweiten Schnitt ausgedehnt.

 

Eine weitere Gefahr droht frei lebenden Tieren, wo Grünroggen für Silage angebaut wird. Abweichend vom normalen Getreide, dessen Erntetermin außerhalb der Brut- und Setzzeiten weniger Gefahr für Wildtiere bedeutet, wird Grünroggen kurz vor oder fast zeitgleich mit dem ersten Gras geschnitten. Unabhängig davon, ob es sich um Grünroggen, Ackergras oder Dauergrünland handelt, gefährdet jede Ernte bis zur ersten Maiwoche in erster Linie Feldhasen.

 

Zur Zeit eines zeitigen zweiten oder späten ersten Schnittes (Ende Mai bis Anfang Juni) ist nahezu das gesamte Wild betroffen. Neben Rehen, die dann meist gesetzt haben, sind ab der zweiten Mai-Dekade auch Bodenbrüter, wie Fasanen, und erneut Feldhasen durch Mahd gefährdet.

 

Ein Verschieben des Schnittes auf einen deutlich späteren Zeitpunkt würde Wild zwar sehr zugute kommen, doch damit verbundene Qualitäts- und Ertragseinbußen entsprechen nicht dem Anspruch hochleistender Tiere an Grobfutter.

 

Botulismus gefährlich

Sollten Tiere bei der Ernte ins Erntegut gelangen, könnten überall natürlich vorkommende Clostridium-Bakterien aus den Kadavern das hochgiftige Botulinum- Toxin bilden. Für Menschen sind schon minimalste Spuren dieses Toxins in Reinform tödlich, bei Tieren scheinen Pferde empfindlicher darauf zu reagieren als Rinder.

 

Durch die in der Praxis übliche Futtervorlage mit Mischwagen können vergiftete Partien homogen vermischt werden und bei einer größeren Zahl an Tieren zu Vergiftungen mit deutlichen Leistungseinbußen führen. Daher sollte bei der Ernte jegliche Kontamination von Futter mit getöteten Tieren vermieden werden.

 


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Vor dem Start der Gründlandernte

Wie das Wild verscheuchen?

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LJV-Wildretter als Rehwildschreck.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Wild von der Fläche zu vergrämen, dazu zählen u. a. abends vor der Mahd aufgestellte Rascheltüten und Flatterbänder, die Wild vertreiben. Zu frühes Aufstellen ist zu vermeiden, da Wild diese Störung schnell wieder akzeptiert und zurück in die Fläche zieht.

 

Akustische Wildretter können auch abends vor der Mahd an Scheuchen montiert werden. In Siedlungsnähe sollten sie aus Lärmschutzgründen weg von der Bebauung eingesetzt werden. Die Haltbarkeit der Akkus beträgt fünf bis sechs Stunden, für Nachteinsätze sollten sie daher mit einer Intervallschaltung versehen werden.

 

Kostengünstige, sehr laute, am Mähfahrzeug befestigte Warnsirenen sorgen für einen Vertreibungseffekt noch bei der Mahd. Die Bauanleitung ist über den LJV erhältlich (Tel. 02 31/28 68-600, Fax: 02 31/28 68-600, E-Mail: info@ ljv-nrw.de, Internet: www.ljv-nrw.de). Sie funktionieren jedoch leider nicht bei sich drückenden Jungtieren und brütenden Fasanenhennen.

 

 


Absuchen hilft am besten

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Das Absuchen zu mähender Flächen mit ausgebildeten Jagdhunden kurz vor dem Erntezeitpunkt verbunden mit dem Hinaustragen gefundenen Wildes ist die effektivste Form der Wildrettung. Sie setzt aber eine gute Kommunikation zwischen Bewirtschafter und Revierinhaber voraus – und vorhandene Rückzugsräume. Idealerweise werden Revierinhaber schon so früh wie möglich (mindestens 24 Stunden vorher) über den anstehenden Termin informiert, da je nach Flächengröße ggf. mehrere Suchengespanne für eine erfolgreiche Flächenkontrolle benötigt werden und dieses mit etwas mehr Vorlaufzeit besser zu organisieren und zu realisieren ist. Suchen Sie frühzeitig das Gespräch, um in der arbeitsintensiven Erntezeit einen reibungslosen Ablauf des Absuchens der Flächen nach Wildtieren sicherzustellen. So früh wie möglich darüber zu sprechen ist das entscheidende, rettende Kriterium!

 

Bei der Mahd selber ist darauf zu achten, dass Wild die Möglichkeit bleibt, die Flächen sicher zu verlassen – es also nicht durch Mähen von außen nach innen in die letzten verbliebenen Bahnen zusammengetrieben wird.

 

Bei immer breiter und schnelleren Erntemaschinen ist das Mähen von innen nach außen eine der wenigen Möglichkeiten, Wild eine kleine Fluchtmöglichkeit durch noch ungemähte Teile der Parzelle zu ermöglichen (bei über 2,5 ha von einer Seite zur anderen) – besonders für Althasen und Dreiläufer, selbst Fasanenhennen können so ihre Küken noch in Sicherheit bringen. Eine Diplomarbeit (Uni Potsdam/ 2004) dokumentierte, dass Mähen von innen nach außen nach kurzer Einarbeitung nicht zeit- und kostenintensiver ist als die traditionelle Arbeitstechnik.

 

Abgelegte Kitze können aber dadurch leider nicht gerettet werden – Ducken und Tarnen schützt zwar Hasen und Rehe vor natürlichen Feinden, aber nicht vor Erntemaschinen. Um Kitze und andere Ducker vor dem Mähtod zu bewahren, muss man weiter abends zuvor Scheuchen mit/ohne akustische Wildretter aufstellen und vor der Mahd mit brauchbaren Jagdhunden mit oder ohne akustischen Wildretter absuchen. Dabei sollten Hundeführer und Hunde mit Gehörschutz ausgestattet sein.

 


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Vor dem Start der Grünlandernte

Langfristiger Schutz

Da Rand- und Saumbereiche bei Wild besonders begehrt sind, lohnt es sich, die Nutzung dort zu überdenken. Die Möglichkeiten sind sehr vielseitig – Randstreifen, die nicht gerade im Schattenbereich von Bäumen liegen, könnten bei den ersten Schnitten etwa stehen bleiben. Zum dritten Schnitt wäre das eher extensive Material noch geeignet, um in Wickelballen strukturreiches Futter für Jungvieh und Trockensteher zu gewinnen.

 

Randstreifen, auf denen Futter immer wieder mäßig wächst oder schlecht trocknet, bieten sich auch für dauerhafte Wildackermischungen an (WSM 3).

 

Mehrjährige Rückzugs-/Saumflächen locken wildl ebende Tiere aus intensiv genutzten Flächen und entschärfen die Mähproblematik in den nächsten Jahren.

 

Blühstreifen anlegen

Blühende Feldränder sehen nicht nur schön aus, sie sind eine echte ökologische Aufwertung, erhöhen die Artenvielfalt und fördern zusätzlich die Akzeptanz.

 

Schon wenige, gezielt angelegte Streifen mit blühenden Pflanzen vom Frühjahr bis zum Spätherbst helfen außerdem bei der Mähstrategie von innen nach außen, da sie wild lebende Tiere anziehen.

 

Womöglich sollte auch eine Gliederung großer Ackerschläge mit Blühstreifen unter Nutzung von Förderprogrammen angedacht werden.

 


Ansprechpartner für Förderungen und Regional-Programme

 

Ohne die Schaffung von Rückzugsräumen laufen Maßnahmen zur Rettung der wild lebenden Tiere ins Leere.

 

Pflegen Sie gute Kontakte zu Landwirten und Lohnunternehmern – nur so können Wildtiere in freier Feldflur für nachfolgende Generationen erhalten und die Kontamination von Futter mit getöteten Tieren vermieden werden.

 


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Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 4/2016 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

 

RWJ_0416_Wildtier-Schutz


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