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RWJ 09/2017: Aktuelle Scheinwerfer-Zählungen

Wieviel Sikawild lebt im Arnsberger Wald?

Nachdem der Sika-Bewirtschaftungsbezirk im Arnsberger Wald durch das neue Landesjagdgesetz bis Ende 2020 ruht, wurde teilweise befürchtet, Sikawild solle ausgerottet werden, sogar eine Online-Petition wurde geschaltet. Das Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberg Wald („Landesbetrieb Wald und Holz NRW“) ist im Bewirtschaftungsbezirk mit über 6 000 ha vertreten und will mit einer nachvollziehbaren Bestandserfassung zur Versachlichung der Diskussion beitragen.

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Foto: K. - H. Volkmar Mehr als zwei Drittel des weiblichen Sikawildes lässt sich durch ­Scheinwerfer-Taxationen erfassen, während …

Der Arnsberger Wald ist das größte Verbreitungsgebiet von Sikawild in Westeuropa. Ausgangspunkt der Besiedlung war ein privater Wildpark am Möhnesee, in dem ab 1890 auch Sikawild gehalten wurde. Daraus entkamen bereits 1936 nach Zaunschäden durch Schneebruch Tiere, am Ende des 2. Weltkrieges wurde das Gehege vollständig geöffnet. Genaue Zahlen existieren nicht, es gelangten aber so um die 150 Tiere in die freie Wildbahn. 1995 wurden für die großen Schalenwildarten in NRW Verbreitungsgebiete definiert – für Sikawild im Arnsberger Wald rund 19 500 ha (Zielbestand 500 Stück).

 

 

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… sich Sikahirsche demgegenüber ­wesentlich schlechter zählen lassen – nur etwa 40 Prozent des Bestandes werden damit erfasst. Foto: M. Breuer

Über die wirkliche Höhe des Bestandes gibt es seit jeher Diskussionen – ging man im Jahr 2000 noch von etwa 900 Stück aus, sprach ein Gutachten 2004 schon von 1 600 Exemplaren. Im April 2016 wurde im Lehr- und Versuchsrevier (LVR) Hirschberg in einem ersten Versuch Sika- und Rotwild mit Scheinwerfertaxationen gezählt. Wegen der Ergebnisse dieser Zählung führte das Forstamt im April 2017 auf 7 122 ha im EJB Schmalenau eine erneute Scheinwerfertaxation durch, dabei wurden folgende Ziele verfolgt:

 

1. Beobachtung der jährlichen Bestandsentwicklung

2. Feststellen der räumlichen Verteilung

3. Anpassung der Jagdstrategie

 

Nach Information der Hegegemeinschaft konnten weitere fünf Reviere für eine Taxation und Auswertung der Daten gewonnen werden.

 

 


Nur zwei Drittel sind zu sehen

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Im Luftbild der Frühjahrszählung zur Zeit der ­Buschwindröschenblüte zeigt sich eine Konzentration in Offenland-Bereichen.

In allen Revieren wurden am 7. und 13. April 2017 im Vorfeld festgelegte Routen befahren. Die Fahrzeuge waren i. d. R. mit vier Personen besetzt, die Fahrstrecke betrug zwischen 50 und 100 km. Gezählt wurden auf einer Gesamtfläche von rund 9 500 ha 1 117 Stück Sikawild, bezogen auf die Flächenanteile des Bewirtschaftungsbezirks entspricht dies 1 025 Stück auf 6 500 ha. Die Daten wurden zur Analyse der Verbreitung kartografisch aufbereitet, um die Verteilung des Wildes feststellen. Obwohl auf einer Fläche von 1 200 ha 65 km Wegenetz befahren wurde, gibt es deutliche Schwerpunkte der Sichtungen. Ein Blick auf das Luftbild zeigt, dass Sikawild sich verhält wie erwartet: im Erstfrühling (Buschwindröschenblüte) entwickelt sich in Offenlandbereichen die Grünäsung und genau dorthin zieht das Wild (s. Luftbild). Für das LVR Hirschberg kann auch ein erster Vergleich zum Vorjahr gezogen werden. Witterungsbedingt lag das erste Zählergebnis vom 8. 4. 2016 (243 Stück) deutlich hinter der zweiten Zählung vom 15. 4. 2016 (382 Stück). 2017 ergab die Zählung 418 bzw. 464 Stück Sikawild. Da naturgemäß nie das gesamte Wild gezählt werden kann und das Ergebnis Schwankungen unterliegt, kann für das Revier Hirschberg davon ausgegangen werden, dass der Bestand in etwa gleich geblieben ist. Bei Rotwild geht man von einer Erfassung, bezogen auf weibliches Wild, von 60 bis 70 Prozent aus, Hirsche werden auffallend weniger oft gesichtet (40 Prozent). Bekannt war die räumlich sehr unterschiedliche Verteilung des Sikawildes. Die Taxation hat dies bestätigt – bezogen auf die reine Jagdfläche des EJB Schmalenau ergab sich eine durchschnittliche Sichtung von 13 Stück auf 100 ha. Betrachtet man die dazu gehörigen Staatswaldreviere einzeln, ergibt sich ein völlig anders Bild: Während im Revier Lattenberg (seit 1995 im Freigebiet) lediglich drei Stücke auf 100 ha gesehen wurden, zählte man im LVR Hirschberg 21 Stück/100 ha !

 


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Wie viel Sikawild lebt im Arnsberger Wald?

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In der Übersicht des Gesamtzählungsgebietes (Staatswald + ­umliegende Privatreviere) sind regionale, ­revierübergreifende ­Verteilungsschwerpunkte erkennbar.

Aber auch innerhalb der rund 2 000 ha großen Staatswaldreviere gibt es deutliche Unterschiede. Daher wurden die Reviere in Blöcke eingeteilt und genauer betrachtet. Dabei kristallisierte sich ein deutlicher Schwerpunkt östlich der Ortschaft Neuhaus heraus, z. T. in der Nähe des ursprünglichen Gatters. Die Karte mit den Nachbarrevieren (s. o.) zeigt schlüssig, dass es regionale, revierübergreifende Schwerpunkte gibt.


Über 500 Stück Zuwachs – in einem Revier ...

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So liefen die Zählungen ab – auf einem festgelegten Wegenetz leuchteten Revierfahrzeuge mit je vier Auswertern die Umgebung aus.

In einem weiteren Schritt wurde die Abschussleistung des JJ 2016/17 im EJB Schmalenau analysiert. Insgesamt wurden 533 Stück Sikawild erlegt, soviel wie nie zuvor. Es stellt sich die Frage, wie sich dieser hohe Abschuss auf die Bestandsentwicklung auswirkt. Dazu wurde zunächst eine Hochrechnung der Zählung auf den Gesamtbestand durchgeführt. Bei einer Erfassung von 70 Prozent entsprechen 100 Sichtungen 143 Stück Wild. Bei ausgeglichenem Geschlechterverhältnis und einem Zuwachsprozent von 90 (bezogen auf Alttiere) ergibt sich ein Zuwachs von 50 Stück. Wenn dieser Zuwachs abgeschöpft werden soll, müssen also je 100 Sichtungen 50 Stück erlegt werden. Sollte wie bei Rotwild die Erfassungsrate bei weiblichem Wild höher liegen und insgesamt nur 65 Prozent gesehen werden, liegt der Zuwachs bezogen auf 100 Sichtungen sogar bei 65 Stück.


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Von einer befürchteten Ausrottung des Sikawildes im Arnsberger Wald kann nach den ersten Zählungen keine Rede mehr sein, der derzeitige Bestand dürfte bei etwa 3 000 liegen.

Aus den Ergebnissen lässt sich schließen:

1. In allen Bereichen sind die Bestände zu hoch.

2. Es gibt große regionale Unterschiede.

3. Der Abschuss von 533 Stück Sikawild im EJB Schmalenau liegt vermutlich auf Höhe des Zuwachses.

4. Der aktuelle Frühjahrsbestand im zurzeit ruhenden Bewirtschaftungsbezirk liegt wohl bei über 3 000 Stück – und ist damit deutlich zu hoch.

 

Das LVF Arnsberger Wald wird die Taxation in den kommenden Jahren wiederholen und hofft, weitere Reviere dafür gewinnen zu können. Überlegt werden muss auch, ob begleitende wissenschaftliche Untersuchungen die Bestandshöhe bestätigen und das Raumnutzungsverhalten des Sikawildes analysieren können.

 

Carsten Arndt

 

Revierleiter im LVR Hirschberg, Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald, Landesbetrieb Wald und Holz NRW

 

Für die Anregungen bedankt sich der Autor bei Dr. Michael Petrak (Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung/Bonn).


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 09/2017 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 09/2017: Sikawild im Arnsberger Wald


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