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RWJ 01/2018: 2. Overather Jagdforum (GL) thematisiert Afrikanische Schweinepest

Tödliche Seuche vor unserer Tür

Als die Krankheit im Sommer plötzlich in Tschechien nachgewiesen wurde und so quasi an unsere Haustür klopfte, schrillten bei Behörden, Jägern und Landwirten erste Alarmglocken. Was ein Ausbruch der ASP für Jäger, Landwirte, Öffentlichkeit und Verbraucher bedeuten würde, hat der HR Overath bei seinem zweiten Jagdforum mit renommierten Experten diskutiert – mit erschreckenden Erkenntnissen.

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Der Saal war überfüllt. Selbst aus den Nachbarkreisen waren Jäger angereist, um der Diskussion zu folgen. Bis zum Ende der Veranstaltung verlies kein Zuhörer den Raum.

Das Thema ist bei Jägern wie Landwirten gleichermaßen brisant. So wunderte es nicht, dass der Saal brechend voll war. Die letzten Gäste mussten sich noch schnell Stühle organisieren, um nicht zu stehen oder mit der Fensterbank Vorlieb nehmen zu müssen. Selbst aus den benachbarten Kreisen fanden viele Jäger den Weg nach Overath. Als Referenten waren Dr. Michael Petrak (Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, LANUV), Dr. Thomas Mönig (Veterinär- und Lebensmittelüberwachung Rhein.-Berg. Kreis) und Kreislandwirt Lothar Stinn der Einladung gefolgt.

 

Dr. Mönig erläuterte zunächst, auf welchem Wege die ASP übertragen wird. Da eine Ausbreitung „von Schwein zu Schwein“ nur sehr langsam Raum greife, könnten neue Seuchenherde eigentlich nur durch Touristen, Tiertransporte und das berüchtigte, an der Raststätte weggeworfene, Wurstbrötchen entstehen. Dabei ist das Virus ausgesprochen langlebig. Im freigesetzten Blut kann es 15 Wochen ansteckend bleiben, gepökelter Schinken stellt 140 Tage, Parmaschinken 399 Tage und Schweinekot 100 Tage eine Gefahr dar. Ein weggeworfenes Brot mit Parmaschinken kann also noch nach mehr als einem Jahr (!) eine Ansteckung hervorrufen. Daher sollen neben den Touristen vor allem auch Fernfahrer (in der jeweiligen Landessprache) durch Plakate und Flyer sensibilisiert werden.

 

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Rainer Deppe MdL versprach, dass die Landesregierung alle Optionen nach sach­lichen Gesichtspunkten prüfen und zielführende Maßnahmen rasch umsetzen werde.

Als die Diskussion auf die konkreten Auswirkungen eines ASP-Ausbruchs einging, wurde manch gestandener Jäger etwas blass um die Nase. Nach tschechischem Vorbild ist die Einrichtung eines 2 000 ha großen Kerngebietes vorgesehen, in dem die Jagd ruht. Eine Einzäunung wird erwogen. Die Land- und Forstwirtschaft soll eingeschränkt oder gar eingestellt werden. Auch ein völliges Betretungsverbot wird diskutiert. Um dieses Kerngebiet wird ein gefährdeter Bezirk mit einem Radius von etwa 20 km eingerichtet. Um zu verdeutlichen, wie groß dieses Gebiet ist, wurde eine Karte mit 20 km Radius gezeigt. Dort sollen die Sauenbestände um bis zu 90 % reduziert werden. Um diese Vorgabe umzusetzen, stehen eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Diskussion: Schalldämpfer, Nachtsichtgeräte, Aufhebung von Schonzeiten und Mutterschutz, Hubschraubereinsatz oder Sauenfang – und selbst Gift soll im Einzelfall kein Tabu mehr sein.

 

Welche Auswirkungen solche Maßnahmen für die Landwirte haben, liegt auf der Hand. Kreislandwirt Stinn sieht das Bergische Land, das nicht von Schweinezucht und -mast geprägt ist, zwar nicht im Fokus dieser Probleme, aber auch dort würden Landwirte und Hobbytierhalter leiden. Insbesondere für Halter von alten und seltenen Tierrassen wäre der Seuchenfall ein Desaster. Existenzgefährdend wäre die ASP allerdings in den klassischen Schweineregionen des Landes. Ein Ausbruch würde neben dem Keulen ganzer Bestände auch Exportverbote und einen massiven Preisverfall bedeuten. Da man von der Schweinehaltung ohnehin schon lange nicht mehr reich werden könne, würde die ASP zahlreichen Landwirten den Todesstoß bringen.

 

Abschließend wurde diskutiert, was Jäger aktuell prophylaktisch gegen das Einschleppen und die Ausbreitung tun können. Die Antwort von Dr. Petrak klang zunächst lapidar: Schweine effektiv bejagen, um so den Bestand zu senken. Wie aber bejagt man Wildschweine effektiv ? Diese Frage sorgte für eine sehr angeregte und teilweise emotionale Diskussion im Saal. Von Forderungen nach verbindlich vorgeschriebenen Jagdschneisen im Mais über den Abschuss gestreifter Frischlinge bis zu Lichtquellen und Nachtzielgeräten wurde das Für und Wider zahlreicher Optionen erörtert. Kaum verwunderlich, dass diese Diskussion nicht einvernehmlich endete.

 

Letztlich wurden auch an den anwesenden örtlichen Landtagsabgeordneten Rainer Deppe entsprechende Forderungen nach mehr Freiheiten bei der Jagdausübung auf Sauen gestellt. Deppe sagte zu, dass die Landesregierung nach sachlichen Gesichtspunkten alle Forderungen der Jägerschaft prüfen und dann ideologiefrei und zügig zielführende Maßnahmen umsetzen werde. In einer Schlussrunde fassten die Podiumsteilnehmer dann die aus ihrer Sicht wesentlichen Punkte zusammen. Der Saal, der zu Beginn der Versammlung aus allen Nähten platzte, war nach über zwei Stunden Diskussion noch immer voll – kein einziger Zuhörer verließ vorzeitig das Jagdforum. Offenbar hat das Thema den Nerv der Jägerschaft getroffen.


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