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RWJ 08/2016: Energie aus Wildpflanzen

Erste Erkenntnisse aus dem Projekt „GrünSchatz“

Das Institut für Landschaftsökologie der Uni Münster führte zum Gemeinschaftsprojekt GrünSchatz mit der Landwirtschaftskammer NRW und der Stadt Dorsten Anfang Juli in Wulfen (RE) eine Tagung zu Wildenergiepflanzen durch.

wildpflanzen

Nachmittag sahen sich Teilnehmer und Öffentlichkeit einige Versuchsflächen an und diskutierten mit Wissenschaftlern der Universität Münster und Vertretern der Landwirtschaftskammer NRW. Foto: P. Günner/WWU Münster

Im Projekt „GrünSchatz“ werden Mischun gen aus 24 verschiedenen Wildpflanzen als Substrat für Biogasanlagen auf ökonomische Kenndaten und ökologische Vorteile untersucht. Die stv. Bürgermeisterin der Stadt Dorsten, Christel Briefs verkündete zur Eröffnung, dass GrünSchatz als qualifiziertes Projekt der „KlimaExpo.NRW“ ausgezeichnet werde, dazu wird es durch das Land NRW gefördert. Martin Hannen (Umweltministerium NRW) erläuterte die Erwartungen des Landes mit Blick auf Erträge der Wildpflanzenmischungen, Auswirkungen auf Flora, Fauna und heimische Niederwildarten, Flächengröße und Lage. All dies sei wichtig, um praktizierende Landwirte vor Fehlern zu bewahren. Auch erwarte man ökonomische Daten, um eine mögliche öffentliche Förderung zielgerichtet zu steuern und eine Akzeptanz für Bioenergie zu schaffen.

 

Im Anschluss überreichte Dr. Heinrich Dornbusch die Urkunde als qualifiziertes Projekt der KlimaExpo.NRW. Damit fördert die Landesregierung NRW durch ausgewählte Projekte den Klimaschutz im Land. Die Regionale 2016 Agentur, welche sich mit Zukunftsfragen im westlichen Münsterland beschäftigt, begleitet und unterstützt das Projekt, um neue Netzwerke und Partnerschaften im ländlichen Raum aufzubauen. So arbeiten Naturschützer, Landwirte, Jäger, Imker und viele weitere Partner zusammen für das Ziel einer höheren Biotop- und Landschaftsqualität. Dadurch können innovative Ideen ausgetauscht werden, die zur Weiterentwicklung der Landschaft und im Bereich erneuerbarer Energien beitragen können.

 

Prof. Dr. Tillmann Buttschardt (Uni Münster) stellte erste Ergebnisse zur Landschaftsökologie vor. Mit Umfeldkartierungen, wissenschaftlichen Beobachtungen und Wildkameras konnten bereits erste positive Auswirkungen der Wildpflanzenmischungen dokumentiert werden. Es wurde eine überdurchschnittliche Artenvielfalt (Rebhuhn, Fasan, verschiedene Schmetterlingsarten, Kiebitze, Hasen) an den blühenden Flächen festgestellt. Weiter wird mit einem Teilprojekt mit verschiedenen Fotosets die Landschaftswahrnehmung von erneuerbaren Energien durch die Bevölkerung abgefragt. Erste Auswertungen lassen hoffen, dass Wildpflanzenflächen eine positive Wahrnehmung von Biomasseproduktion erzeugen.

 

Dr. Barbara Heinrich (Thünen-Institut) stellte betriebswirtschaftliche Überlegungen vor. Durch direkte betriebliche Faktoren entstehen zusätzliche Kosten, besonders bei der Biomasseerzeugung. Leistungen von Wildpflanzenflächen werden von den Märkten nicht entlohnt (z. B. Biodiversität). Um laufende Kosten beim Wildpflanzenanbau zu senken, bedarf es weiterer Fortschritte und eventuell auch Förderungen. Zum Abschluss folgte eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Imkern, Jägern, Landwirten, Naturschützern und Kommunen zu Chancen und Grenzen von Wildenergiepflanzen.

 

Imker befürworten den Wildpflanzenanbau, der Bienenvölkern ein ausreichendes Pollenangebot ermöglicht. Auch der Landesjagdverband sieht den Wildpflanzenanbau positiv. Jäger erhoffen sich ein Entgegenwirken des Artenrückgangs durch Biotopverbesserung und Schaffung attraktiver Lebensräume. Aus der Sicht der Landwirte stellt Wildpflanzenanbau eine sinnvolle Ergänzung zum Maisanbau dar, weil es dabei im Gegensatz dazu nur zu geringen Wildschäden kommt. Der geringere Ertrag kann jedoch nicht mit niedrigeren Produktionskosten kompensiert werden. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass Wildpflanzenanbau als Biogassubstrat nur bei der Zusammenarbeit mit Landwirten und verschiedenen Interessengemeinschaften langfristigen Erfolg haben könne. Dafür ist das Projekt „GrünSchatz“ ein Paradebeispiel, in dem Landwirtschaft, Naturschutz, Jäger, Imker und viele weitere Naturnutzer an der gemeinsamen Sache arbeiten.

 

Nachmittags wurden den Teilnehmern anhand von Wildpflanzenflächen/-streifen und landwirtschaftlichen Exaktparzellenversuchen die ökologische Begleitforschung und ökonomische Kenndaten von Wildpflanzen anschaulich vermittelt. Dabei konnte man die Wildpflanzen im praktischen Versuchsanbau erleben und sich ein Bild von den Vorteilen bei dieser Biogas-Substraterzeugung machen.

 

Luisa Graf, Dr. Martin Schmid

Landwirtschaftskammer NRW

 

Regionale 2016: www.regionale2016.de/de/projekte/ projekte/projektkategorie-wissen-wirtschaftengestalten/ gruenschatz.html

 

Westfälische Wilhelms-Universität Münster: www.uni-muenster.de/GruenSchatz

 

Landwirtschaftskammer NRW: www.landwirtschaftskammer.de,

Fachbereich 61 - Landbau,

Nachw. Rohstoffe,

Dr. Martin Schmid,

Tel. 02 28/ 7 03 13 13,

E-Mail: martin.schmid@lwk.nrw.de

 

Netzwerk Lebensraum Feldflur: www.lebensraum-brache.de

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