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RWJ 01/2017: Biotophegepreis 2016

Ein echter Naturschutz-Hof

Nach viermonatiger Umbau- und Modernisierungsphase eröffnete der Vorsitzende der KJS Warendorf, Dr. Hermann Hallermann den regional bedeutenden KJS-Schießstand am Butterpatt Ende Oktober wieder. Insgesamt 630 000 € nahm die Kreisjägerschaft für den zu 80 Prozent durch die Jagdabgabe finanzierten Umbau in die Hand.

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Eine hundertjährige Kastanie schmückt den Hof Schulte-Bisping in Welver-Scheidingen.

Unsere Reihe beginnt mit dem Hof der Familie Schulte-Bisping in Welver-Scheidingen (SO). Das Anwesen wird 1523 erstmalig urkundlich erwähnt. Im Rahmen der Erbfolge übernahm der jetzige Eigentümer Fritz Schulte- Bisping 1984 die Erhaltung der Hofstelle und damit verbundenen Waldflächen (20 ha). Der Hof wird nicht aktiv bewirtschaftet und der Eigentümer wohnt auch nicht auf der Hofstelle. Daher stehen wirtschaftliche Aspekte nicht im Vordergrund. Dennoch werden die Hofstelle und zu ihr gehörende Waldflächen erhalten und naturgemäß entwickelt.

 

Die Familie Schulte-Bisping begann vor 30 Jahren, verschiedene Baumarten auf ihrem Hof zu pflanzen, um einen Beitrag zu Umweltschutz und Artenvielfalt zu leisten. In den vergangenen Jahrzehnten wurden 20 ha Wald gehegt und gepflegt, tausende Bäume gepflanzt und mehrere Biotope angelegt. So wurde der Schutz von Flora und Fauna mittlerweile zum Familienprojekt für Fritz und Maria Schulte-Bisping und ihre Töchter Kathrin und Daniela.

 

Die Familie versteht aber auch zu motivieren – so haben viele Freunde und Helfer aus Scheidingen bei diesem Projekt tatkräftig mitangefasst.

 

 

Bäume am und auf dem Hof

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Dutzende Laub- und Nadelbaumarten wurden auf dem Hof angepflanzt.

Zentrum des Hofes ist eine 100-jährige Kastanie. Durch die zentrale Lage der Hofstelle mitten in einem Wald bilden weitere Hofbäume einen inneren Saum zum äußeren Waldbestand. Besonders hervorzuheben sind Gebirgsmammutbäume (Redwood), die schon Ende der 60er Jahre im ehemaligen Bauerngarten angepflanzt wurden. Dazu gesellen sich 22 Nadelholzarten wie Orient-Fichte, Europäische Lärche, Hemlock-Tanne, Douglasien, Weymouth-Kiefer oder Sumpf-Zypresse. Doch im Bispingwald und auf dem Hof stehen auch 40 verschiedene Laubbäume wie Weißbuche, Hängebirke, Feldulme, Wildbirne, Stiel-, Trauben- und Sumpfeiche, Weiß- und Schwarzpappel, Speierling oder Blauglockenbaum.

 

 


Waldrandbepflanzung, Blühstreifen und Wandbegrünung

Wald- und Feldgehölze sind zu einem Biotop-Verbundsystem miteinander verknüpft. Dazu wurden ein Hektar Blühstreifen entlang der Waldränder und 6,5 ha Wildacker angelegt. Die Waldränder wurden mit Schlehen, Wildrosen, Pfaffenhütchen, Schneeball, Brombeeren, Holunder, Kornelkirschen und Speierling bepflanzt.

 

Auch die Gebäude wurden ins Konzept eingebunden – acht verschiedene Pflanzen wie Efeu oder Hopfen kommen zur Wandbegrünung zum Einsatz. Sie reduzieren die Lärmbelastung, schützen vor Sonne und Regen, im Sommer vor intensiver Sonneneinstrahlung und im Winter verhindern sie zu schnelle Auskühlung. Darüber hinaus werden die Hausfundamente durch Wasserentzug trocken gehalten und Staub und Abgase in der Luft reduziert.

 

 


Streuobstwiesen – Zentrum der Artenvielfalt

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Ausbleibende Düngung und eine nur zweimal im Jahr stattfindende Mahd bewirken, dass keine Pflanzenart überhandnehmen kann. Streuobstwiesen stellen eine auf Mehrfachnutzung ausgelegte Form des Obstanbaus dar. Hochstämmige Bäume, die „verstreut“ in der Landschaft stehen, tragen Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Walnüsse. Auf dem Hof gibt es 18 Apfel-, sechs Pflaumen-, sechs Walnuss-, fünf Birnen-, fünf Pfirsichbäume sowie einen Kirschbaum, hinzukommen in der freien Landschaft weitere 29 Wildobstbäume.

 

 


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Natureiche

Wasser spielt auf dem Hof Schulte- Bisping eine zentrale Rolle: Drei Teiche mit einer Gesamtgröße von etwa 1 600 m² befinden sich in unmittelbarer Hofnähe. Sie werden vom Oberflächenwasser gespeist. Im Wald wurden vier Wasserstellen angelegt, die im Lauf des Jahres trocken fallen können. Viele wärme- und/oder feuchtigkeitsliebende Pflanzen brauchen ein Mikroklima. Durch die Teiche entsteht ein Ökosystem, das sich im Laufe der Zeit selbst trägt. Die aufsteigende Feuchtigkeit versorgt Pflanzen und viele Tiere. Insekten, Vögeln und Pflanzen bieten die Teiche natürlichen Lebensraum.

 

 


Arboretum

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Begrünte Fassaden schützen das Haus vor Witterungseinflüssen und regulieren das Gebäudeklima.

Der Hof Schulte-Bisping hat sich durch den Enthusiasmus und die Liebe seines Besitzers zu Bäumen zu einem für Welver und die Region einzigartigen Arboretum entwickelt. Mehrmals im Jahr führt Schulte- Bisping angemeldete Gruppen durch Feld und Flur seines Refugiums. Sein Wissen um Flora und Fauna wird durch historische Abrisse um die Hofstätte ergänzt. Eine der letzten Besuchergruppen waren die „Salbach-Strolche“ aus dem Kindergarten Scheidingen.

 

 


Fauna

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Drei Teiche bieten verschiedensten Pflanzen- und Tierarten wertvollen Lebenraum.

Zahlreiche Tierarten haben sich durch die naturnahe Gestaltung der Hofstelle mit den umliegenden Waldungen schon seit Jahrzehnten in ihrem Vorkommen fest etabliert. Viele überalterte Bäume (Spechtbäume) stehen im Wald, Hohl- und Turteltaube, Grün- und Buntspecht, Schafstelze, Trauerfliegenschnäpper, Nachtigall und Steinkauz brüten erfolgreich. Fledermäuse sind auf dem Hof Dauergäste. Auch der Eisvogel ist regelmäßig zu beobachten.

 

 


Monetäre Leistungen/Pflanzungen

Die monetären Leistungen, die in 30 Jahren ins Projekt flossen, sind nur schwer zu erfassen, allein die geleisteten Arbeitsstunden und gepflanzten Bäume lassen erahnen, welche Leistungen für Öffentlichkeit, Natur- und Klimaschutz erbracht wurden. Durch viele verschiedene Lebensräume profitieren nicht nur jagdbare Tiere, sondern auch Insekten, Kriechtiere, heimische Fische, Singvögel, Wasservögel. Der Hof Schulte-Bisping ist ein vorbildliches Projekt der Biotophege – ein Beispiel, das hoffentlich viele zu eigenen Initiativen motiviert.

 

LJV


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