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RWJ 09/2016: Biotiophegepreis 2016

Bergkamener Jäger begeistern Gesamtschüler für Naturschutz

Auf dem Landesjägertag in Aachen wurden der Hegering Kamen-Bergkamen und die Willy-Brandt-Gesamtschule mit dem Biotophegepreis 2016 ausgezeichnet.

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Neben der Arbeit treffen sich die Jugendlichen auch regelmäßig mit Jägern – und Hunden.

Seit mehr als 25 Jahre besteht zwischen dem Hegering und der Willy- Brandt-Gesamtschule in Bergkamen eine intensive Partnerschaft bei der Natur- und Umweltarbeit. In der sechszügigen integrierten Gesamtschule lernen alle Schüler, die ins 5. Schuljahr versetzt werden, gemeinsam. So ist die große Unterschiedlichkeit in der sozialen Herkunft wie im Lern- und Leistungsvermögen gewollt und wird zum Ansatzpunkt schulischer Arbeit in allen Bereichen. Der Hegering Kamen-Bergkamen bereitet Projekte zusammen mit den verantwortlichen Lehrkräften vor. Die Jäger sorgen für den Kontakt zu außerschulischen Partnern und stellen entsprechendes „Fachpersonal“, das die Schüler bei den Aktionen anleitet.

 

  • Jahrg. 5 Lernort Natur
  • Jahrg. 7 Natur-/Landschaftsschutz
  • Jahrg. 9 Pflege einer Orchideenwiese (zusammen mit dem NABU)
  • Jahrg. 1 Pflege und Nutzung von Streuobstwiesen
  • Lehrerkollegium Umwelttag mit wechselnden Schwerpunkten

Weitere Aktionen: Bau von Wildbienenhotels und Nisthilfen für die heimische Tierwelt, Hecke zum Nulltarif (Anlage einer Benjeshecke), Pflanzung einer 250 m langen Feldhecke, Planung und Pflanzung einer Obstwiese, Bau einer Mäusefestung „Den Eulen zur Liebe“, Anlage eines Feuchtbiotops mit Steinund Totholzhaufen, Nistkastenprojekt auf dem Friedhof Overberge, Aufstellen einer Wildbienenwand auf dem Friedhof Overberge (m. NABU + Friedhofsverein), Gewässeratlas für Stillgewässer im Ortsteil Overberge (mit Pflegeempfehlungen), „Landschaftsplan“ Overberge (Schüler erstellen einen Entwurf für das Umweltamt im Kreis Unna)

 

Natur und Landschaftsschutz

 

Vielerorts hat unsere Landschaft ihre natürliche Vielfalt und Schönheit verloren. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind vom Aussterben bedroht. Ein besonders trauriges Kapitel ist die Zerstörung vieler Hecken, die ungezählten Pflanzen und Wildtieren Lebensraum und Schutz bieten. Kommunen und private Grundbesitzer kommen ihren Verpflichtungen im Bereich der Landschaftspflege kaum noch nach. Hier greift der Hegering mit Unterstützung der Gesamtschule helfend ein.

 

Teilnehmer und Durchführung

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Mit ganzen Generationen von Schülern setzen die Jäger in Bergkamen Wallhecken auf den Stock.

180 Schüler des jeweiligen 7. Jahrgangs der Gesamtschule mit ihren Lehrern führen jährlich dieses Projekt durch – in mehr als 25 Jahren über 5 000. Daneben sind weitere außerschulische Partner beteiligt: landwirtschaftlicher Ortsverein, Grundeigentümer, Freiwillige Feuerwehr, Stadtverwaltung, Baubetriebshof, Kreis Unna (Unt. Landschaftsbehörde), Gemeinschaftsstadtwerke, NABU, Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Ruhrgebiet.

Grundeigentümer melden mögliche Einsatzorte (Hecken, Kopfweiden etc.), die naturschutzmäßig gepflegt werden müssten. Mögliche Einsatzorte werden mit der Unteren Landschaftsbehörde begutachtet und für die sechs Klassen Einsatzorte festgelegt. Sollte es sich dabei um Landschaftsbestandteile (LB) handeln, schreibt der Kreis Unna der Schule einen Arbeitsauftrag mit einer entsprechenden Bepreisung. Nach Abschluss der Arbeiten findet mit der Unteren Landschaftsbehörde eine Begehung statt, anschließend stellt die Schule eine Rechnung an den Kreis Unna, dieser überweist der Schule den Rechnungsbetrag. Im Laufe der über 25-jährigen Zusammenarbeit wurden mehr als 5 000 m Wallhecken und etwa 200 Kopfbäume gescheitelt!

 

Finanzierung

 

Mittlerweile sind der Schule mehr als 20 000 € zugeflossen. Die bei der Durchführung entstehenden Kosten (Sägen, Astscheren, Arbeitshandschuhe, Spaten, Anschaffung von Motorsägen, Sägeschutzkleidung, Sägeketten, Benzin, Öl, eventuelle Fremdkosten etc.) werden durch die erwirtschafteten Gelder in vollem Umfang gedeckt. Überschüsse dienen der Unterstützung weiterer Schulprojekte (Apfelsaftprojekt, Naturschutzprojekt in Kenia, Unterstützung eines Waisenhauses für Mädchen in Portugal, Fahrräder für den LK Sport usw.).


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Unterstützung außerschulischer Partner

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Neben der Arbeit steigert gerade auch die gemeinsame Gestaltung der Pausen das Gemeinschaftsgefühl.

Stadt Bergkamen: Unterstützung durch den städtischen Baubetriebshof (Schredder plus Personal werden kostenlos zur Verfügung gestellt). Freiwillige Feuerwehr: Unterstützung bei Problembäumen (Kopfweiden). Gemeinschafts-Stadtwerke: Oberleitungen werden ausgeschaltet und bei entsprechenden Schnittmaßnahmen heruntergelegt. Jede Gruppe wird zusätzlich zu den betreuenden Lehrern von Fachpersonen des HR Kamen-Bergkamen unterstützt.

 

Fazit und Ausblick

 

Mittlerweile sind einige Hecken und Kopfweiden schon zum zweiten bzw. dritten Mal „auf den Stock gesetzt“ oder gescheitelt worden. Die Pflegemaßnahmen zeigen gute Erfolge. Durch das regelmäßige Abschneiden der Krone (Köpfen) schlagen die Bäume immer wieder aus. Die „Köpfe“ sind für Insekten und Brutvögel ein interessantes Biotop. Auch ist über die Jahre die Vermehrung der Kopfweiden an Bachläufen gelungen. Dazu sind armdicke Äste etwa einen halben Meter in die Erde gegraben worden. Schon im ersten Jahr schlugen Zweige aus.

 

Steinkäuze, Bachstelzen, Feldsperlinge und Meisen sind vermehrt an den gepflegten Bäumen zu beobachten, auch verschiedene Insektenarten nutzen sie. Bei der Pflege der Feldhecken wird abschnittsweise vorgegangen, sodass immer genügend Deckung für die Bewohner bleibt. Überstandsbäume werden ausgebildet. Der Schnitt dient u. a. zur Anlage von Totholzhaufen. Der verbleibende Schnitt wird mit dem Baubetriebshof geschreddert und in die Fläche gebracht.

 

Durch die regelmäßige Pflege sind dichte Strukturen entstanden, die vielen Tierarten als Unterschlupf (Deckung, Brutbereiche, Nahrungsversorgung) dienen. Neben vielen Insekten- und Vogelarten nehmen auch jagdbare Arten wie Fasan, Feldhase, Wildkaninchen und Fuchs (in einer Hecke ist ein neuer Naturbau entstanden) vermehrt die gepflegten Biotope an.

 

Integrationsförderung als willkommener Nebeneffekt

 

Das Projekt vermittelt den Schülern Naturerfahrung vor der Haus- und Schultür. Da alle Beteiligten von dem Projekt begeistert sind, werden der Hegering und die Schule den Weg fortsetzen. Die Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrern, besonders bei der praktischen Umsetzung (z. B. gemeinsames Sägen) führte zu einem neuen Verhältnis zueinander. Leistungsschwächere Schüler zeigen dabei oft neue Fähigkeiten – gemeinsames Arbeiten (auch Pausen!) fördert Integration und Klassengemeinschaft. Die Fortsetzung für die nächsten Jahre ist durch die Aufnahme der Projekte ins Schulprogramm (2004) formal und durch die erwirtschafteten Rücklagen die Finanzierbarkeit über Jahre gesichert.

 

LJV NRW


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