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RWJ 11/2017: Greening – wichtig für Landwirte und Jäger

Bauern nicht in die Bredouille bringen

Greening-Flächen sind im Revier nicht immer auf Anhieb zu erkennen – wer sie mit dem Wagen befährt oder auch nur regelmäßig zu Fuß durchquert, kann Landwirte in ziemliche Schwierigkeiten bringen.

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Wenn Blühflächen durch Fahrspuren so sichtbar geschädigt werden, muss der Landwirt wegen Verstoßes gegen Greening-Auflagen Strafe zahlen … Foto: Landwirtschaftskammer NRW

Seit 2015 müssen Landwirte in der EU einen Teil ihrer Flächen zur Verbesserung der Artenvielfalt zur Verfügung stellen. Das nützt auch dem Wild – Blühstreifen, Brachen und Dauergrünland fördern die Artenvielfalt und bieten wertvolle Äsung und Deckung. Als Jagdpächter sollte man in diesem Zusammenhang allerdings einige Punkte beachten, um Landwirte nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Vereinfacht ausgedrückt müssen die Landwirte, die Basisprämie beantragen, auf ihren Flächen bestimmte klima- und umweltschutzförderliche Bewirtschaftungsmethoden einhalten. Das sog. „Greening” umfasst die Umsetzung der Fruchtfolge, den Erhalt von Dauergrünland und die Ausweisung einer Flächennutzung im Umweltinteresse (ökologische Vorrangflächen). Dazu gehören Brachflächen, Feldrand-, Waldrand- oder Pufferstreifen und der Anbau von Zwischenfrüchen. Diese Maßnahmen sind Pflicht, um überhaupt Agrarförderung zu bekommen.

 

 

Betreten und Befahren bringt Probleme

Wenn Jäger, Reiter oder Spaziergänger diese Flächen regelmäßig betreten oder gar mit dem Wagen zum Bergen von Wild oder zum Bau jagdlicher Einrichtugen befahren, kann der Landwirt bei Kontrollen durch die Landwirtschaftskammer in arge Probleme geraten. Denn wenn der Aufwuchs der Pflanzen beeinträchtigt wird, gibts Probleme. Es drohen Strafzahlungen in Höhe von zwei Prozent der Zuschüsse – bei einem durchschnittlichen Betrieb in NRW schnell 350–400€!

 

Außerdem rutschen Landwirte so automatisch in eine andere Kontrollklasse und werden im kommenden Jahr auf jeden Fall überprüft. Das will niemand.Um Landwirte nicht in die Bredouille zu bringen, sollten auch Jäger die Bedeutung von „Greening-Flächen” im Hinterkopf haben. Denn sonst steht man bei der Ausbesserung der Hochsitze oder der Wildbergung auf einmal mit schwerem Gerät auf besagten Flächen...

 

Am besten zeichnet man sich die Flurstücke jedes Jahr nach Rücksprache mit dem Landwirt in der Revierkarte ein. Die Flächen können jedes Jahr wechseln! Allerdings darf man Landwirte ruhig bitten, Blühstreifen nicht erst nach Ende der Vegetationsperiode zu mulchen. Denn dann ginge man quasi mit einem ordentlich gepflegten Kurzrasen in den Winter und dem Wild fehlte wichtige Deckung in der Kulturlandschaft. Keineswegs sollte man eigenständig und ohne Rücksprache Schneisen sensen, um darauf besser jagen zu können.

 

Keine Distel-Refugien ...

Abgesehen von diesem Aspekt bringen solche Flächen dem Wild viele Vorteile. Im Idealfall können sich Jäger und Landwirt sogar auf Standort und Saatgutmischung (im Rahmen der Vorschriften) einigen. Allerdings muss man bedenken, dass sehr viele Faktoren (Nutzbarkeit, Verträglichkeit mit anderen Nutzpflanzen) bei der Wahl des Saatgutes von Bedeutung sind. Kein Landwirt möchte Disteln aus Blühstreifen in seinen Feldern oder denen des Nachbarn wiederfinden. Ideal sind daher Mischungen, die Landwirt und Wild Vorteile bringen.

 


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So umgeht man Mulchverpflichtungen

Mit einer Vereinbarung zwischen Landwirt und KJS kann man die Aussetzung der Mulchverpflichtung regeln, Vordrucke dazu gibts auf der Internetseite der KJS Gütersloh. Dann können Blühstreifen auch zwei oder drei Jahre stehen bleiben. Dazu muss der Landwirt das Formular ausfüllen, bei der Geschäftsstelle seiner KJS einreichen, abstempeln lassen – und alles für etwaige Kontrollen der Landwirtschaftskammer aufbewahren.

 

 


Vorbild Gütersloh

Im Kreis Gütersloh haben Jäger und Landwirtschaftskammer unter Federführung von Ulrich Bultmann über viele Jahre verschiedene Saatgutmischungen auf Erträge und Verträglichkeit fürs Wild erprobt. Gute Erfahrungen hat man dort u. a. mit der Beimischung von Hafer, Sonnenblumen oder Phacelia gemacht. Allerdings müssen Landwirte genau prüfen, welche Mischung sie ausbringen, denn manche Pflanzen wird man nur schwer wieder los. Dabei sollte man nicht zu dicht und zudem flach säen, denn wenn der Aufwuchs lockerer ist, kann sich Wild darin im Herbst und Winter besser abtrocknen und wärmende Sonnenstrahlen an klaren Tagen einfangen.

 

Info: www.kjs-guetersloh.de/seiten/naturschutz.htm

 

Fazit: Suchen Sie im zeitigen Frühjahr das Gespräch mit Ihren Landwirten und achten Sie bereits jetzt bei den Drückjagden darauf, dass keine Schäden auf Greening-Flächen entstehen – ein gutes Verhältnis zwischen Landwirten und Jägern sollte allen am Herzen liegen. 

 

Felix Höltmann


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