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RWJ 08/2017: Münsterland-Jäger in den Niederlanden

Wie Rebhuhn-Hege funktionieren kann

In den Niederlanden wird ebenso wie in NRW intensive Landwirtschaft betrieben. Trotzdem steigen dort in einigen Regionen die Niederwildbesätze. Welche Maßnahmen Erfolg versprechen, sahen sich Borkener Jäger in Aalten an.

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Die Region um Aalten, nur wenige Kilometer von Bocholt im Westmünsterland entfernt, ist ähnlich strukturiert wie die Region jenseits der Grenze. Auf beiden Seiten wird intensive Landwirtschaft betrieben. Doch als die Niederwildbesätze im angrenzenden Kreis Borken zusammenbrachen, schafften es niederländische Vogelschützer, Jäger und Landwirte, dem Rebhuhn zu helfen – von vier Paaren 2013 wuchs der Besatz auf 42 Paare 2017. Wie das geht, wollten Jäger aus Borken erfahren. Mitte Juli sahen sich 20 Jäger des Vereins „Jägerparadies Stadtlohn“ die praktische Umsetzung in Aalten an. Aufmerksam wurden sie, als der örtliche NABU die Initiative in Rhede vorstellte: Bereits 2013 warben der Vogelschützer Frans ter Bogt und der Jäger und Vogelschützer Hermann Semmelink für Blühstreifen in einem 1 200 ha-Revier. Sommer- wie Wintergetreidekulturen sowie Blühmischungen wurden gefördert.

 

Anfangs mussten dabei für alle beteiligten Landwirte 3 000 € reichen. 2016 sprang die Provinz Arnheim (ähnlich einem Regierungsbezirk bei uns) in die Bresche. In einem Förderprojekt werden bis 2022 „alle“ finanziellen Aufwendungen für die Landwirte übernommen – je ha Grünland bekommen sie nun 1 800 € und je ha Acker 2 100 € ! Kein Wunder, dass Landwirte aus der Borkener Gruppe angesichts solcher Summen sofort in einem vergleichbaren Programm dabei wären …

 

Das Programm ist nun so erfolgreich, dass 14 ha Blühstreifen und unbehandelte Lebensräume in zwei Revieren mit einer Größe von 1 200 ha entstehen. Es werden immer verschiedene Kulturen zu verschiedenen Zeiten angelegt. Teilweise wird jeweils die Hälfte eines Flurstücks im Herbst und im Frühjahr eingesät. Sommer- und Wintergetreide werden nicht mit Insektiziden behandelt. Die ein- und zweijährigen Blühstreifen zeichnen ein sehr vielfältiges Bild in der Landwirtschaft – Altgras und überjährige Bestände geben Rebhühnern, besonders Insekten (und damit Kleinküken) lebensnotwendige Nahrungsgrundlagen. Die Parzellengrößen variieren von 0,25 bis 3 ha, blühende Sonnenblumen und Buchweizen stechen in den Blühstreifen hervor. In zweijährigen Beständen ist die Oberschicht locker und der Boden mit Vogelmiere und anderen Kräutern bodendeckend.

 

Durch diese Maßnahmen haben sich die Rebhühner sehr schnell erholt – in den letzten Jahren wurde je nach Wetterlage eine Reproduktion von 70 bis 90 Jungtieren pro Jahr gezählt ! Weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg ist intensivste Fuchsbejagung – in den Niederlanden ausschließlich mit der Flinte erlaubt. Die Entnahme laufender Prädatoren (wozu auch streunende Katzen gehören) ist entscheidend für eine erfolgreiche Jungenaufzucht bei Boden- und Wiesenbrütern – das geht nicht nur aus Studien der Jagdliteratur hervor, mittlerweile betonen dies auch europäische Experten aus dem amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutz.

 

Dieses Projekt war nur deshalb erfolgreich, weil Vogelschützer, Jäger, Revierinhaber und örtliche Landwirte gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Gern sind die Betreuer bereit, auch andere deutsche Jäger durch das interessante Projekt zu führen. Nach der Exkursion waren sich die Borkener Jäger einig – wenn man unsere intensiv genutzte Landschaft gemeinsam auflockert, können sich solche Erfolge auch im Westmünsterland schnell wieder einstellen.

 

Heinrich Rülfing

Weitere Infos: www.vogelbescherming.nl/ actueel/bericht/?bericht=1962

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