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RWJ 12/2016: Eindimensionale Verurteilung der Auslandsjagd

Tierfilmer Kieling in der Kritik

Mit einer Betroffenheits-Aktion rund um den in Simbabwe getöteten Löwen Cecil sammelten sog. „Tierschutz“-Organisationen auf der ganzen Welt Spendenmittel für weitere Kampagnen ein. Der dortige Umweltminister stellte dazu unlängst fest, dass nicht ein einziger Dollar davon bei der betroffenen Bevölkerung vor Ort ankam … Genau dieses Missverhältnis wird auch dem bekannten Tierfilmer Kieling vorgeworfen.

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Foto: D. Röttgen/pixelio.de

ZDF-Tierfilmer Andreas Kieling sei nicht nur gelernter Berufsjäger, sondern selbst praktizierender Afrikajäger, schrieb Artenschutzexperte Dr. Rolf Baldus. „Als bekanntester deutscher Tierfilmer und als Naturschützer tragen Sie Verantwortung. Sie sollten aufklären und nicht aufhetzen.“ Den offenen Brief dokumentiert das Nachrichtenportal Outfox-World (www.outfox-world.de).

Kieling hatte sich in einem Facebook-Video gegen die Auslandsjagd positioniert. Am Beispiel eines in Simbabwe erlegten Elefanten forderte er, der Fototourismus müsse den Jagdtourismus ablösen. Baldus unterstrich, es gebe keine einzige Art, die in den vergangenen Jahren durch Jagdtourismus gefährdet worden wäre. „Genau wie Fototourismus setzt Jagd Wild in Wert. Nur Wild, das keinen Wert hat, verschwindet.“

 

Der Artenschutz experte managte 13 Jahre mit tansa nischen Kollegen Afrikas größtes Wildschutzgebiet, das Selous- Wildreservat. Weiter schrieb Baldus: „Lieber Andreas Kieling, mit Ihrer eindimensionalen Verurteilung der Auslandsjagd mögen Sie zwar viele Likes bei Facebook einheimsen. Diese Zustimmung kommt aber aus der Emotion und nicht aus Kenntnis des komplexen Themas Artenschutz.“ Wer in einem Hamburger Hochhaus wohne, könne leicht über den Schutz von Löwen und Elefanten schwadronieren – wer mit gefährlichem Großwild Seite an Seite lebe, habe jedoch ein komplexeres Bild der Situation. Der von Kieling behauptete Gegensatz zwischen Foto- und Jagdtourismus existiert Baldus zufolge nicht: „Beide ergänzen sich und sind legitime Nutzungen der Natur in Übereinstimmung mit der UN-Konvention über die Artenvielfalt.“ Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) habe deshalb auch ein klares Bekenntnis zu nachhaltiger Jagd als einem Instrument des Naturschutzes abgegeben. Dasselbe erklärte kürzlich auch der World Wildlife Fund (WWF), die EU-Kommission und die Internationale Naturschutzunion (IUCN).

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