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RWJ 10/2016: Symposium in Rösrath (GL)

Viele Fragen um den Wolf

2016 riss ein Wolf in Rösrath (GL) zwei Ziegen und verschwand ungesehen. Dies nahm der HR Rösrath-Sülztal zum Anlass, Landwirte, Schäfer, Jäger und die interessierte Öffentlichkeit mit einem Symposium zum Wolf zu informieren.

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Stellt der Wolf überhaupt eine Gefahr für Mensch und Tier dar, wie kann man Haustiere effektiv schützen, wer bezahlt notwendige Schutzmaßnahmen, ist Jagdausübung mit Wölfen überhaupt noch möglich, ist im Bergischen überhaupt Platz für ein ganzes Wolfsrudel – Fragen, um die es an diesem Abend ging. Der Jungwolf, der in Rösrath Ende April zwei Ziegen tötete, stammte aus dem Raum Cuxhaven und zog weiter Richtung Westerwald. Sein Auftauchen im Ballungsraum Köln entfachte besonders unter Landwirten, Schäfern und Jägern eine emotionale Diskussion. Auf dem Podium saßen Wilfried Knickmeier („Wolfsberater“), Oliver Dorn („Chefredakteur Halali“), Thomas Stumpf („Landwirt/Biologe“), Karin Viesteg („Bundes- -verband Berufsschäfer“) und Markus Bathen („NABU-Wolfsexperte“).

 

Zunächst wurden Probleme für Tierhalter und Jäger durch den Wolf dargestellt. „Man darf keinen Artenschutz mit zweierlei Maß betreiben – auch nicht beim Muffelwild“, erklärte Oliver Dorn. „Wozu brauchen wir den Wolf, 200 Jahre gings ja auch ohne ihn ganz gut ?“ kam eine Frage –„vom wirtschaftlichen Schaden ganz zu schweigen“. Dass „alle Tiere ein Lebensrecht haben, jenseits der überholten Einteilung in Gut und Böse“ (Markus Bathen), erschien manchem zu lehrbuchhaft, aber er erntete auch entschiedenes Kopfnicken.

Landwirte und Schäfer interessierten neben präventiven Schutzmaßnahmen besonders in NRW vorgesehene Entschädigungszahlungen. Vor diesem Hintergrund erläuterte Wilfried Knickmeier detailliert den Wolfsmanagementplan des Landes. Dort vorgesehene Entschädigungszahlungen erschienen allen Beteiligten als nicht ausreichend, da lediglich für unmittelbar vom Wolf gerissene Tiere Geld fließen soll. Auf mittelbaren Schäden wie Fehlgeburten und weiteren Aufwendungen, die ein Wolfsbesuch nach sich ziehen kann, bleiben die Bauern sitzen. Karin Viesteg brachte es auf den Punkt: „Nicht nur der Fleischwert getöteter Tiere muss entschädigt werden, sondern alle Folgekosten.“

 

Laut Thomas Stumpf könne es nicht sein, dass allein Landwirte und Schäfer den Preis dafür zahlen müssen, dass die Gesellschaft den Wolf zurück haben wolle. Auch Wolfsberater Wilfried Knickmeier ging davon aus, dass die Entschädigungsfrage neu geregelt werden müsse, wenn Wölfe hierzulande dauerhaft sesshaft werden sollten. Karin Viesteg wies darauf hin, dass derzeit wildernde Hunde Schäfern mehr zusetzen als Wölfe. Ein großes Problem kann sich mittelfristig ergeben, wenn Wölfe gefüttert werden. „Wenn Wölfe derart auf Menschen konditioniert werden“, betonte Oliver Dorn, „verlieren sie die Scheu vor Menschen“. Die Folgen sind nötige Vergrämungsmaßnahmen oder wie in Niedersachsen die ultimative „letale Vergrämung“ (= Abschuss). Nach über 150 Minuten angeregter Diskussion endete die Veranstaltung zu fortgeschrittener Stunde. Viele Gäste hatten offenbar noch immer nicht genug, sodass auch nach dem offiziellen Ende munter weiter nachgefragt, diskutiert und argumentiert wurde.


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