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RWJ 07/2016: KJS Gütersloh

Verwaistes Kitz gesucht, gefunden und in Pflege gegeben

Die Liebe zu Tieren kam jetzt einem verwaisten Rehkitz zugute. Im Revier des Jagdpächters Franz Henrichfreise aus Westerwiehe in der Nähe des Steinhorster Beckens kam eine Ricke bei einem Verkehrsunfall zu Tode.

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Das verwaiste Kitz wurde in einem Stall in einer großen Obstwiese täglich von Birgit Henrichfreise (Jägerin, Tochter des Jagdpächters) und Pflegerin Mandy Martin­schledde gefüttert und ­versorgt.

Sie hatte bereits vor Wochen mit zwei Kitzen für Nachwuchs gesorgt. Sehr betrübt entsorgte Jagdpächter Henrichfreise mit seiner Tochter, ebenfalls Jägerin, die verendete Ricke. Anschließend machten sie sich daran, die verwaisten Jungtiere zu suchen. Man wusste durch vorherige Beobachtung, wo in etwa die Ricke ihren Standort hatte. Nach längerem Suchen fand sie eines der Zwillinge, von dem zweiten fehlte allerdings jede Spur. Für das mutterlose Jungtier musste schnellstens eine Pflege her, denn dieses brauchte unbedingt sofort tägliche Milch- bzw. Futterrationen. Birgit Henrichfreise war bekannt, dass die Rietbergerin Petra Jäkel sich aus Passion um hilfebedürftige Tiere jeglicher Art kümmert. Sie nahm das Kitz sofort in ihre Obhut. Zunächst setzte sie sich mit Tierarzt Dr. Mösenfechtel (Mastholte) in Verbindung, der den Umgang für diesen Fall erklärte und passende Hilfsmittel wie Saugfläschchen und Ziegenmilch bereitstellte.

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Mandy Martinschledde steht die Freude am Versorgen des jungen Rehs ins Gesicht geschrieben.

Mit diesen ersten wichtigen Aufzuchtutensilien versorgt, suchte Frau Jäkel über Internet eine Pflegerin, die sie in Tanja Martinschledde nebst Tochter Mandy in Rietberg fand. Zum Glück für die Pflegerinnen nahm das weibliche Kitz in einem Stall an einer großen Obstwiese neben der Milchration bereits Salate, zartes Gemüse und Apfelstücke mit viel Appetit und ohne Scheu an. So gibt Mandy bereits morgens um 6 Uhr ihrem „Pflegekitz“ die erste Flasche und abends um Mitternacht die letzte. Zwischendurch wechseln sich Mutter und Tochter ab, sodass das kleine Reh täglich seine nötigen Rationen mit viel Liebe gereicht bekommt.

 

Diese Aktion unterstreicht sehr anschaulich, dass heimische Jäger sehr besorgt um das Wohl heimischer Wildarten sind. Im Revier Henrichfreise wurden im laufenden Jahr bereits vier Rehe bei Verkehrsunfällen getötet. Er habe vor einigen Jahren in einer Saison den Verlust von 17 Rehen auf der Straße melden müssen. Im Frühjahr seien stets Kitze die Leitragenden, so Henrichfreise. Von HL Reinhard Hermelingmeier war zu erfahren, dass im Jagdjahr 2014/15 im HR Rietberg bei Verkehrsunfällen in 19 Gemeinschaftsrevieren und fünf Eigenjagden 73 Rehe umkamen, im Kreis Gütersloh standen 871 verunfallte Rehe und sechs Sauen zu Buche.


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