Seite 1

RWJ 10/2016: Zu: Warum der Sonderweg in NRW zur Saujagd richtig ist, RWJ 09/2016

Unzeitgemäß

Das beschriebene Konzept ist absolut unzeitgemäß. Außerdem ist es anmaßend, den Überläufer- Schonzeit-Sonderweg NRW als einzig richtig hinzustellen, obwohl alle anderen Bundesländer längere Jagdzeiten haben. Sind alle anderen doof, nur wir nicht?

Briefkasten

Fakt ist doch,

 

• dass Schwarzwildbestände flächen deckend gesenkt werden und

• dass Jäger bestmögliche Rahmen bedingungen zur Verhinderung von Wildschäden bekommen müssen.

 

Beides erreicht man nicht, indem man Sauen nach Schreibtisch-Quoten bejagt (70 o. 80 %), wir jagen doch nicht im Stall! Wenn sich meine Strecke auf vorbildliche 70 % Frischlinge verteilt und mir am 31. März ein Überläufer kommt, dürfte ich ihn nicht schießen. Kein Pächter kann so etwas gebrauchen. Die Überläufer-Schonzeit ist ein großes Bejagungshemmnis. Wer keine langjährige Erfahrung mit der Saujagd hat, tut sich schwer beim Ansprechen und hält 30 kg-Sauen generell für Überläufer – oder hat Angst, dass es einer sein könnte und riskiert lieber keinen „Fehlabschuss“. Diese Schonzeit begünstigt nur die Frischlingsquote, aber verhindert höhere Strecken, da weniger Frischlinge (und Überläufer) geschossen werden!

 

Eine Schonzeit auf Überläufer kann nur fordern, wer keine Wildschäden hat und im Juni nicht vor einer Überläuferrotte steht, die gerade immense Schäden im Getreide verursacht. Um Saubestände abzusenken, muss mehr erlegt werden, was nutzen „intakte Sozialgefüge“, wenn die Dichten so hoch sind, dass katastrophale Wildschäden und entsetzliche Seuchen drohen? In der Reduktionsphase lenkt das gebetsmühlen artige Heraufbeschwören der Bedeutung bestimmter Sozialgefüge vom eigent lichen Problem (hohe Wilddichte) ab. Es wird suggeriert, dass geringe Schwarzwilddichten ohne „ausgeprägtes Sozialgefüge“ besonders große Schäden machen. Machen vier Sauen ohne „Sozialgefüge“ mehr Schaden als eine 30-köpfige Rotte mit alter Bache?

 

Höhepunkt ist die Forderung, (Überläufer)Bachen quasi nur noch bei Licht vom Ansitz aus zu schießen. In was für überfüllten Revieren jagen die Verfasser, wo so etwas möglich ist? Dann sei es „keinesfalls tierschutz gerecht“, (Überläufer)Bachen bei Bewegungsjagden und Ansitzen bei Mond und Schnee freizugeben! Im selben Artikel stellt man (zu Recht) fest, dass bis zu 80 % der Frischlinge schon Nachwuchs bekommen – und bei jeder Gelegenheit bejagt werden sollen …

 

Alle NRW-Jagdhemnisse führen dazu, dass man zwar eine vorbildliche Abschuss verteilung haben kann – aber ohne Hemmnisse doppelt so viel Sauen strecken könnte. Als Pächter mit extremem Wildschadenpotenzial kann ich über die theoretischen Belehrungen nur den Kopf schütteln. Mit meiner Jagdpraxis hat das nichts zu tun. Pragmatischer sind wenige Grundsätze:

 

1. von klein nach groß schießen

2. erkennbar führende Stücke (Gesäuge bzw. gestreifte Frischlinge dabei) schonen Das ist einfach, tierschutzgerecht und wird von jedem Jäger verstanden – damit lassen sich Saubestände reduzieren.

 

F. C. Heute, 45549 Sprockhövel

 

Stellungnahme des Autors

Ein im Januar geborener Frischling wird in Hessen am 1. April zum Überläufer, in NRW dagegen erst im Januar des folgenden Jahres. Damit steht trotz vermeintlicher Einschränkung ein sehr langer und ausreichender Zeitraum zur Verfügung, Frischlinge zu erlegen, die auch bis 50 kg wiegen können. Insofern ist es absolut zielführend, den Fokus auf den Frischlingsabschuss zu legen.

 

Zur Wildschadenverhütung ist der Abschuss von Frischlingen zur Vegetationszeit im Feld die effektivste Methode, da anschließend die Bache mit der Rotte das Gebiet meidet. Eine Bejagung im Wald ist dann kontraproduktiv. Wer keine Erfahrungen mit Sauen hat, sollte erst recht im Frühjahr keine Überläufer bejagen, denn die Gefahr, dabei führende Überläuferbachen zu erlegen, ist sehr groß. Mit einem Frischling (sei er noch so klein) wird mehr erreicht, denn zu 50 Prozent kann damit eine Bache weniger zur Vermehrung beitragen (Motor der Population).

 

Tierschutz bei der Jagdausübung ist ein hohes Gut, Verstöße dagegen (Straftatbestand !) führen zwangsläufig zum Entzug des Jagdscheines. Die Forderung, (Überläufer)Bachen auf Bewegungsjagden freizugeben, ist deshalb nichts anderes als ein direkter Aufruf zur Straftat. Der Vorschlag, mit einfachen Freigaben Probleme zu lösen, klingt zwar gut, funktioniert in der Praxis aber offensichtlich nicht – sonst dürften die Bestände außerhalb von NRW nicht stetig anwachsen.

 

Wildmeister Peter Markett


Sonderweg in NRW zur Saujagd

Mehr zum Thema


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.