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RWJ 04/2017: Kreisjägerschaft Höxter

Lupus ante portas

Seit die Trophäenschau keine Pflicht mehr ist, findet in Brakel ein Kreisjägertag mit vielen Angeboten statt. In diesem Jahr stand eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zur Rückkehr des Wolfs auf der Tagesordnung.

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Gregor Klar (LJV), Carl-Ferdinand Frhr. v. Lüninck (Waldbesitzer), MR Walter Schmitz (Umweltministerium), Matthias Kruse (Moderator/RWJ), Referent Eckhard Fuhr, Carsten Otte (Bezirks­konferenz Naturschutz) und Ortrun Humpert (Schafzuchtverband NRW) diskutierten auf Einladung von Britta v. Weichs (KJS HX/v.l.) über den Wolf und seine Perspektive in NRW.

Für die Jäger zwischen Eggegebirge und Weser ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich der Wolf in ihren Revieren niederlassen wird. Da Isegrims Rückkehr unter Jägern regelmäßig kontrovers diskutiert wird, wählte die Vorsitzende der KJS Höxter, Britta Frfr. v. Weichs, das Thema zum Motto des diesjährigen des Kreisjägertages.

 

Es gelang ihr, den Journalisten, Buchautor und Jäger Eckhard Fuhr für einen Vortrag mit anschließender Diskussion zu gewinnen. Fuhr, der in Berlin lebt und in Brandenburg jagt, ist ein begeisterter Anhänger des grauen Räubers und Befürworter seiner Rückkehr. Neben dem Referenten kamen aber auch Landnutzer wie Schäfer, Waldbauern, der LJV, Vertreter des Landes und Naturschützer zu Wort. Nach den Grußworten von Bürgermeister Hermann Temme und Landrat Friedhelm Spieker, der die öffentlichkeitswirksame Aktion der Jäger begrüßte, erläuterte Rolf Schockemöhle (Leiter Regionalforstamt Hochstift) die Situation in der Region. NRW sei in der Vergangenheit immer wieder Transitland für Wölfe gewesen – und auch 2017 habe es (allerdings noch nicht bestätigte) Hinweise auf Wölfe in Ostwestfalen gegeben.

 

Anschließend stieg Fuhr mit seinem Vortrag ein. Wer ein flammendes Plädoyer für den Wolf erwartet hatte, wurde weitgehend enttäuscht. Der Journalist arbeitete das Thema sachlich ab und erläuterte, dass die grauen Jäger in der äußerst wildreichen Kulturlandschaft bestens zurechtkämen und etwa Kernzonen von Nationalparken mieden. „Ausgerechnet in das von Menschenhand überformte Europa kehrt der Wolf zurück“, so Fuhr. Er prophezeite, dass Isegrim schon bald überall in Nord- und Ostdeutschland flächendeckend vorkommen werde. Doch in seinem Vortrag polarisierte der Journalist nicht – angesichts zunehmender Risse von Nutztieren räumte er ein, dass es fatal wäre, wenn der Wolf die ökologisch wertvolle Weidehaltung unmöglich machte.

 

Außerdem müsse man verhindern, dass sich einzelne Individuen immer wieder an den Menschen gewöhnten und durch mangelnde Scheu zu „Problemwölfen“ würden. So seien es auf Truppenübungsplätzen unverantwortlich an Menschen gewöhnte Wölfe gewesen, die schließlich die Scheu verloren und immer wieder in die Nähe menschlicher Siedlungen gekommen seien. RWJ-Chefredakteur Matthias Kruse moderierte die folgende Diskussion und begrüßte Teilnehmer und Gäste im „Wolfs-Befürchtungsland NRW“.

 

Schäferin Ortrun Hupert betonte, dass ihre Zunft einen moderaten Weg gehen wolle, angesichts der Entwicklung des Wolfes aber großen Handlungsbedarf sehe. Der Erhalt der Weidetierhaltung sei unbedingt nötig. Enttäuscht zeigte sich Humpert vom Land, dass zwar Entschädigungen gewähre, diese jedoch erst verspätet und nicht in voller Höhe auszahle. So würde die notwendige Arbeitsleistung keineswegs erstattet, sodass finanziell ohnehin nicht auf Rosen gebettete Schäfer in arge Probleme gerieten. Viele Schäfer wollen ihren Beruf nicht mehr ausüben, falls ihre Region zum Wolfsgebiet würde und Entschädigungen noch schwieriger zu bekommen seien. Bedauerlicherweise waren die Schäferverbände bei der Erarbeitung der Förderrichtlinien Wolf nicht eingebunden gewesen. Ministerialrat Walter Schmitz (Umweltministerium NRW) entgegnete, dass das Land gut auf die Rückkehr des Wolfes vorbereitet sei. Jetzt müsse man abwarten und dann angemessen auf die Ereignisse reagieren.

 

Schäfer und Bauern mit den größten Problemen

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Die engagierte Podiumsdiskussion war Abschluss und Höhepunkt des wieder gut besuchten Jägertages der KJS Höxter in der Stadthalle Brakel.

Kruse erkundigte sich unter Applaus der Zuhörer, ob das Land Entschädigungen für Schäfer nicht als vertrauensbildende Maßnahmen schneller und großzügiger auszahlen könnte. Angesichts von Millionen für Wolfsmonitoring und -forschung könnten doch ein paar Tausend Euro nicht das Problem sein. In der Debatte wurde klar, dass die Hauptbetroffenen die Schäfer und Landwirte sein werden. So wollte Kreislandwirt Antonius Tillmann wissen, warum man in Deutschland ein Wolfs-Experiment veranstalte, obwohl Erkenntnisse aus Frankreich bereits auf dem Tisch lägen. „Einer muss den Mut haben und die Regulierung des Wolfes fordern“, so der Landwirt, der seine Rinder auch auf der Weide hält.

 

Waldbauer Carl-Ferdinand Frhr. v. Lüninck gab sich hingegen gelassen. Er verwies auf Erfahrungen in Brandenburg, wo in seinen Wäldern bereits mehrere Rudel Standwild sind. „Wölfe sollten uns keine grauen Haare bringen. Die meisten von Ihnen werden mehr mit Mountainbikern und Geocachern zu tun haben als mit dem Wolf“, versuchte er, die Revierinhaber im Publikum zu beruhigen. Der jagende Naturschützer Carsten Otte warb um Gelassenheit und Sachlichkeit in der Debatte. Er wies darauf hin, dass Wölfe keine Schmusetiere seien, Mensch und Wolf sich aber gegenseitig respektieren müssten. Er ergänzte, dass man auch in Zukunft auffällige Wölfe letal der Wildbahn entnehmen (sprich erlegen müssen) wird. Das sei aber Aufgabe der Ordnungsbehörden und eben nicht der Jagd. Angesichts der Konkurrenz ums Wild meinte Otte, dass wir Jäger anders jagen lernen müssten – doch Mitbewerber machten uns auf Dauer besser. Nicht alle Jäger im Saal teilten diese Auffassung.

 

Gregor Klar (LJV-Referatsleiter für Naturschutz) begrüßte Entschädigungen für geschlagene Jagdhunde in den Förderrichtlinien Wolf, warnte die Waidmänner vor Selbstjustiz und mahnte unter dem Stichwort Biodiversität auch den Erhalt der durch Wölfe stark bedrohten Muffel-Populationen in NRW an. So ging man in Brakel mit gemischten Gefühlen auseinander – zwischen berechtigter Sorge und der Hoffnung, dass es nicht so schlimm kommen werde …

 

Felix Höltmann


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