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RWJ 09/2016: Hegering Hövelhof (PB)

Landwirte, Jäger und Naturschützer helfen dem Kiebitz

Der Kiebitz ist ein Charaktervogel unserer Agrarlandschaft. Seine akrobatischen Balzflüge und der typische Ruf sind fester Bestandteil des Frühlings in der offenen Landschaft des Kreises Paderborn. Viele Menschen verbinden mit dem Rufen der Kiebitze vertraute, heimatliche Gefühle.

KJS DT - Landwirte

Markierung und Kontrolle eines Kiebitznestes vor der Feldbearbeitung durch Karsten Schnell (Biologische Station), Hubertus Beringmeier (Landwirtschaftl. Kreisverband) und den Jägern Christoph Schön und Hermann Notbohm (HR Hövelhof) v. l.

In den letzten Jahren sind die Bestände des Kiebitzes deutlich zurück gegangen. Problematisch für den Kiebitz ist vor allem, dass bei der Feldbewirtschaftung nicht alle Nester vom Landwirt entdeckt werden und es deshalb zu Brutverlusten kommt. Zudem ist die Nahrungssituation für die Jungvögel, die als Nestflüchter sofort nach dem Schlüpfen laufen und auf Insektenjagd gehen können, in der modernen Feldflur schwierig geworden. Wenn dann auch noch Verluste durch kleine Raubtiere, Greif- oder Rabenvögel hinzukommen, können die Elternvögel nicht mehr genug Jungvögel aufziehen, um den Bestand dauerhaft zu halten.

 

Diese aktuell dramatische Situation hat die Biologische Station Kreis Paderborn- Senne dazu veranlasst, gemeinsam mit den Landwirten im Kreis Paderborn Maßnahmen zum besseren Schutz des Kiebitzes durchzuführen. Dazu sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Biologischen Station seit Anfang März im Bereich des Vogelschutzgebietes „Hellwegbörde“ und in benachbarten Regionen unterwegs, um die Kiebitz-Gelege zu suchen und mit einem Stöckchen zu markieren. Die Landwirte sind dann gerne bereit, die Nester bei der nächsten Feldbearbeitung zu schonen. „Wir waren erfreut über das Verständnis und die große Unterstützung aller beteiligten Landwirte“ fasst Karsten Schnell von der Biologischen Station die Erfahrungen dieser Kooperation zusammen.

 

Der Hegering und die Jägerschaft in Hövelhof setzen sich ebenfalls aktiv für den Artenschutz ein und unterstützen das Projekt. Vorsitzender Hermann Notbohm und Pressesprecher Christoph Schön beklagen, dass mit dem neuen Jagdgesetz in NRW die Bejagung der Nesträuber und Beutegreifer gravierend erschwert wurde. Daher erhoffen sich die Jäger von den gemeinsamen Schutzmaßnahmen, das charakteristische „Kiwitt“ der Kiebitze bald wieder öfter hören zu können.

 

Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn und einer der Landwirte, die bei der freiwilligen Schutzmaßnahme aktiv mitmachen, ist über die positive Resonanz seiner Berufskollegen erfreut: „Wir machen gerne bei den freiwilligen Schutzmaßnahmen mit und hoffen, dass unser Beitrag zum Artenschutz dem Kiebitz hilft.“ Diese freiwilligen Schutzmaßnahmen werden ohne bürokratischen Aufwand direkt umgesetzt, die Landwirte erhalten auch keine Entschädigung für ihren Mehraufwand. Landwirte, die als Schutzmaßnahme für Feldvögel ihre Flächen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt unbearbeitet lassen, können einen Vertrag mit dem Kreis Paderborn schließen und erhalten dafür einen finanziellen Ausgleich.

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