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RWJ 10/2017: Woran man denken sollte – als Jagdleiter „und“ Teilnehmer

Kleiner Jagd-Knigge

Nun startet bald wieder die Saison der Ernte-, Treib- und Drückjagden, für viele Jäger sind diese spannenden Stunden mit guten Freunden der Höhepunkt im Jahr. Doch nicht nur die Beständer und Jagdleiter sind für einen reibungslosen, harmonischen Ablauf von Gesellschaftsjagden verantwortlich.

Tarnen ja, vermummen nein!

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Im Jagdbetrieb kann Tarnung sinnvoll sein – in der Öffentlichkeit dagegen fatal …

Bei der Jagd auf manche Wildarten ist gute Tarnung (Kleidung, Netze, Gesichtsmasken) ausschlaggebend zum Erfolg. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, wie eine Volltarnung, die jedem Elitesoldaten zur Ehre gereicht, auf Außenstehende wirkt – gerade angesichts der wachsenden Angst vor Terroranschlägen. Die Polizei muss Meldungen („Bei uns im Wald sitzt ein Bewaffneter mit Tarnanzug und Sturmmaske“) mit der gebotenen Sorgfalt und Vorsicht nachgehen, entsprechende Ängste und Sorgen sollten gar nicht erst aufkommen.

 

Kleines ABC zum Umgang mit Camouflage: Verhalten Sie sich vorausschauend und deeskalierend, geben Sie sich frühzeitig als Jäger zu erkennen und ziehen Ihre Gesichtsmaske ab, wenn Personen nahen! Im Gespräch kann sich eine gute Chance ergeben, Nichtjägern die Notwendigkeit der Jagd zu erläutern. Kleiden Sie sich angemessen – Volltarnung bei Tauben-, Krähen- oder Gänsejagd ist zum Erfolg erforderlich, ansonsten jedoch deplatziert. Ist die Jagd vorbei, verliert jede Tarnung ihre Berechtigung – Posieren mit Maske vor der Strecke und entsprechende Bilder im Internet, Foren oder auf YouTube sind ein „No-Go“ – und maximal negative Öffentlichkeitsarbeit! Für Gesellschaftsjagden gelten eigene Regeln – die Unfallverhütungsvorschriften schreiben nicht Volltarnung, sondern Signalkleidung vor.

 

 


Jagd ist immer öffentlich!

Frühzeitige Information: Wer eine Gesellschaftsjagd plant, sollte die wichtigsten beteiligten Grundeigentümer, betroffene Anlieger und Entscheidungsträger über Zeitpunkt und Ort der Jagd persönlich informieren. Dabei können Interessenkonflikte bereits im Vorfeld vermieden werden, etwa wenn Weidevieh für den Jagdtag im Stall bleibt. In Naherholungsgebieten sollte man Gesellschaftsjagden zusätzlich der Polizei melden, besonders in Stadtnähe steigt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass Passanten bei Schüssen die Ordnungshüter anrufen.

 

Am Tag der Jagd: Warnschilder können in Erholungsgebieten Besucherströme lenken. An öffentlichen Verkehrswegen können in Abstimmung mit der Straßenverkehrsbehörde Warnschilder zur Unfallverhütung eingesetzt werden. Jäger selbst dürfen keine Flächen für den Erholungsverkehr sperren. Wo dies im Wald nötig erscheint, muss dies bei der Forstbehörde beantragt werden.

 

Beim Treiben: Schützen können Spaziergänger im Treiben um Verständnis bitten und ggf. zur Umkehr bewegen. Setzen Sie eindeutige Signale, dass Spaziergängern von Ihnen keine Gefahr droht (z. B. Öffnen oder Schultern der Waffe bei Passanten in der Nähe). Gehen Sie ruhig und offen auf Spaziergänger zu und erklären, was gerade geschieht – die Bemerkung „Wir führen hier einmal im Jahr eine Gesellschaftsjagd durch“ verhindert Kommentare wie „Die ballern hier jeden Samstag rum“ …

 

In der Nähe sensibler Bereiche (Friedhöfe, Krankenhäuser) ist besonders darauf zu achten, die öffentliche Ruhe und Ordnung nicht zu gefährden, ggf. ist dort gar keine Jagd möglich. Dass von sensiblen Bereichen weggetrieben wird, sollte selbstverständlich sein. Passanten fühlen sich oft gefährdet, wenn in ihrer Nähe geschossen wird. Unabhängig von der Schussrichtung wird ein Knall als Gefahr empfunden – also im Zweifelsfall lieber eine Chance auslassen. Gleiches gilt für Schrotgarben, die auf nahe gelegene Siedlungen regnen.

 

Wenn Jagdgegner anrücken: Diskussionen haben bei militanten Jagdgegnern in der Regel keinen Sinn; lassen Sie sich in keinem Fall provozieren und bleiben besonnen, entladen und öffnen Sie Ihre Waffe. Die besten Hilfsmittel sind dann Kamera und Handy. Hilfreich für mögliche Rechtstreite sind Zeugen – etwa der Nachbarschütze. Wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist, muss das Treiben abgebrochen werden. Zögern Sie nicht, die Polizei um Hilfe zu rufen („Ordnungswidrigkeit/ § 55 Abs. 1 LJG NRW“).

 

An der Strecke und beim letzten Treiben: Beim Streckelegen und Schüsseltreiben gesellen sich oftmals Nichtjäger zur Gesellschaft und wollen neugierig etwas über den Jagdtag erfahren – eine gute Chance für ein fruchtbare Gespräche.

 

Stilvolle Strecke: Jeder kann heute überall Fotos machen. Schlechte Streckenbilder gibts nicht nur im Internet leider zuhauf! Für gute Motive braucht es keinen Medienberater – die Beachtung des jagdlichen Brauchtums hilft immens (z. B. Zweige als Unterlage, ordentlich verbrochene Stücke, mit Brüchen verdeckte Bauchhöhlen, Ausschüsse u. ä., Fackeln).

 

Hochwertiges Wildbret erzeugen wir, indem wir es entsprechend der Fleischhygienerichtlinien behandeln – so können auch Nichtjäger mit Appetit Wildbraten bei uns kaufen.

 

 


Wie alt müssen Treiber sein?

Immer wieder erreichen den LJV Anfragen zum Mindestalter von Treibern: Ein Mindestalter zur Teilnahme an Treibjagden ist gesetzlich nur für Jäger festgelegt – mindestens 18 Jahre. Für Treiber gibt es kein verbindlich geregeltes Mindestalter, nach § 4 Abs. 4 VSG 4.4 (Unfallverhütungsvorschriften Jagd) muss der Jagdleiter Personen, die er wegen mangelnder geistiger und körperlicher Eignung für besonders unfallgefährdet hält, die Teilnahme untersagen. Letztlich muss er im Einzelfall entscheiden, ob und welche Kinder und Jugendliche er teilnehmen lässt. Dabei sollt man neben der konkreten Persönlichkeit auch den geplanten Ablauf der Jagd, örtliche Verhältnisse und vorkommende Wildarten in seine Überlegungen einfließen lassen:

 

  •  Kinder unter 10 Jahren sollten überhaupt nicht als Treiber bei Gesellschaftsjagden eingesetzt werden.
  • Bei Jugendlichen ab dem 16. Lebensjahr bestehen im Normalfall keine Bedenken gegen eine Teilnahme.
  • Kritisch ist die Altersgruppe von 10 bis 15 Jahren – bei ihnen ist sehr genau auf den konkreten Einzelfall abzustellen.

 

In jedem Fall muss gewährleistet sein, dass jugendliche Treiber im Alter von 10 bis 15 Jahren unter ständiger Aufsicht eines verantwortlichen Erwachsenen (erfahrener Obertreiber) stehen. Außerdem ist die Zahl der Treiber dieser Altersgruppe auf wenige Personen zu beschränken, damit die Treiberwehr nicht aus einer schwer zu beaufsichtigen „Kinderschar“ besteht. Der Jagdleiter muss zur Teilnahme von Kindern an Gesellschaftsjagden die Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten (schriftlich) erhalten, wenn nicht mind. einer davon selbst an der Gesellschaftsjagd teilnimmt.

 

 


Nachsuchen frühzeitig einplanen

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Damit am Jagdtag selbst auch alles „fluppt“, muss insbesondere der Einsatz von Stöber- und Schweißhunden sorgfältig vorbereitet werden.

Waidgerechtigkeit und Tierschutz sind „die“ Grundlagen jeder Jagd. Das Nachsuchen von krankem Wild ist dabei fester Bestandteil unserer Jagdethik und -kultur – und dementsprechend auch rechtlich festgeschrieben. Notwendige Überlegungen zum Hundeeinsatz müssen rechtzeitig bei der Planung von Jagden erfolgen, um ausreichend geprüfte, brauchbare Jagdhunde verfügbar zu haben. Gerade bei den anstehenden Bewegungsjagden kommt es vor, dass beschossene Stücke nicht unmittelbar am Anschuss liegen. Der weitaus größte Teil anfallender Nachsuchen kann anhand von Pirschzeichen augenscheinlich durch den Jäger selbst durchgeführt werden, wenn am Anschuss deutlich wird, dass das beschossene Stück in unmittelbarer Nähe verendet ist. Gut ausgebildete und geprüfte Jagdgebrauchshunde kommen i.d.R. bei Totsuchen zum Einsatz – auf die ein geringerer Teil der Nachsuchen entfällt. Dabei verenden beschossene Stücke meist nach einer Fluchtstrecke von 50 bis 300 m. In allen anderen Ausgangssituationen ist zwingend auf entsprechend erfahrene und spezialisierte Nachsuchengespanne mit besonders ausgebildeten Hunden zurückzugreifen. Für diese erschwerten Nachsuchen auf Schalenwild stehen in NRW flächendeckend anerkannte Schweißhundstationen ehrenamtlich zur Verfügung. Mit derselben Sorgfalt ist auch bei Niederwild die Kontrolle unklarer Anschüsse durchzuführen – auch dafür bedarf es brauchbarer Jagdhunde mit erfahrenen Führern.

 

 


Erntejagden – aber sicher

Schlechte Planung und unprofessionelle Durchführung von Erntejagden ist die Hauptursache lebensgefährlicher Unfälle. Während ein Großteil der Aufgaben dabei ganz klar dem Jagdleiter zukommt, müssen aber auch die Teilnehmer an dieser mit Abstand gefährlichsten Jagdart in die Verantwortung genommen werden: Neben dem unbedingt nötigen Tragen von Signalkleidung (Weste/Jacke und Kopfbedeckung) kommt v. a. der unbedingten Schuss-Disziplin allergrößte Bedeutung zu: Niemals darf in Richtung Feld geschossen werden, niemals darf man durch die Reihe ziehen – eigentlich so elementare Grundregeln, dass man sich fast schämen muss, sie regelmäßig zu wiederholen. Aber angesichts aus den letzten Maisreihen spritzender Rotten ist die Gefahr offensichtlich besonders groß, dass selbst erfahrenen Jägern „die Sicherungen durchknallen“ …

 

Alles Wissenswerte rund um Erntejagden (Planung, Sicherheit, Kugelfang u. v. m.) findet man in dem hervorragenden Faltblatt „Erntejagden – aber sicher“ der LBG Schleswig-Holstein u. Hamburg oder der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau.


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