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RWJ 10/2016: HR Delbrück (PB)

Energiewende bei Biogas – bunte Wildblüher statt Mais-Monokultur

Mais ist der wichtigste Energieträger zum Betrieb von Biogasanlagen. Mit der Zahl der Anlagen im letzten Jahrzehnt wuchs auch die Anbaufläche von Mais enorm. Doch Monokulturen bringen Probleme mit sich.

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Rund 60 Fachleute aus Landwirtschaft, Jagd und Imkerei waren nach Westenholz gekommen.

Die Biodiversität nimmt rapide ab, Bienen finden kaum Nahrung und Wild meidet die Flächen. Bodenabtragung, Erosion, Pflanzenschutz und Gülleaufbringung sind große Themen. Über eine Alternative zum Maisanbau für Biogasanlagen informierte der Hegering Delbrück (KJS Paderborn). Rund 60 Fachleute aus Landwirtschaft, Jagd und Imkerei aus OWL und dem Münsterland waren dazu auf den Geflügelhof Schulte in Westenholz gekommen. Sie loteten die Möglichkeiten aus, Blütenpflanzen als Alternative zum Maisanbau als Energieträger für Biogasanlagen zu nutzen. Landwirtschaftsmeister Werner Kuhn aus Würzburg hat einen großen Erfahrungsschatz im Anbau der Wildblüher. „Der Hegering möchte die Diskussion um Alternativen anstoßen und einen Weg finden, wie Naturschutz und Nutzung in Einklang gebracht werden können“, so Rudolf Hagenbrock, HL Delbrück. Jäger berichteten davon, dass sich Wild aus Maisflächen zurückzieht.

 

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Freude inmitten der Wildblütenpracht (v. l.) HL Rudolf Hagenbrock, Kreisjagdberater Franz Lödige, Ulrich Bultmann (GF LWK Warendorf), Landwirt Markus Degener, Anbauberater Walter Kuhn und Gastgeber Richard Schulte.

„In den letzten Wochen musste ich die Bienen zufüttern, sonst wären sie verhungert“, erzählte ein heimischer Imker, dessen Völker von Mais umgeben sind. Ein alternativer Energieträger für Biogasanlagen könnten mehrjährige Wildpflanzenmischungen sein. Wie dies in der Praxis aussehen kann, berichtete Richard Schulte, der selber ebenfalls eine Biogasanlage betreibt. „Seit zwei Jahren bauen wir auf rund 10 ha Wildpflanzen an und setzen diese in der Biogasanlage ein. Die Erfahrungen sind sehr positiv“. Bei ihm kommt eine Mischung aus einund zweijährigen Pflanzen sowie mehrjährigen Stauden zum Einsatz, die eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern erreichen. Einmal ausgesät kann die Fläche mindestens fünf Jahre lang genutzt werden. Ende Juli/Anfang August wird mit dem Häcksler geerntet. Nach rund zwei Wochen sind die Pflanzen bereits wieder kniehoch gewachsen. Auf solchen Feldern ist die Wegwarte genauso zu finden wie Färbermageriten, wilde Malven, Lichtnelken, Fenchel, Beifuß oder die wilde Möhre.

 


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Mannshoch stehen Blütenpflanzen auf den Flächen von Richard Schulte inzwischen.

Die Vorteile dieser Bewirtschaftungsform liegen auf der Hand – die starke, ganzjährige Durchwurzelung beugt Erosion vor, bei der Ernte ist Jungwild, das die Bestände gerne als Deckung nutzt, bereits aus dem Gröbsten raus. Außerdem fahren die Häcksler nicht so schnell wie auf Grasflächen und man kann weitgehenden auf Pflanzenschutzmittel verzichten. Einzig das Einwandern von Gräsern muss verhindert werden, da diese Wildblüher verdrängen würden. Damit sind Wildblüher auch eine ideale Alternative für Wasserschutzgebiete. Sie können ganzjährig als Bienenweide dienen, auch Schmetterlinge und Fledermäuse wissen diese Flächen zu schätzen. Wildblüherflächen bieten auch bodenbrütenden Vögeln einen gefahrlosen Lebensraum, ganz zu schweigen von einer viel schöneren Optik, wenn Radfahrer durch Feld und Flur fahren.

 

Nach vielen Anbauversuchen gibt es heute Saatmischungen, die in guten Jahren bis zu 15 t Trockenmasse je ha entwickeln – damit fehlen nur noch 30 Prozent am Energieertrag von Mais – vergleichbar mit Grünroggen. Weil aber der heutige Mais über Jahrhunderte entwickelt wurde, ist sich Kuhn sicher, die Erträge allein durch Mischungsverhältnisse weiter steigern zu können – und so der Vermaisung entgegenwirken zu können. Seine Versuche ergaben auch, dass Stickstoff bei Wildblühern viel besser und schneller in die Bio- und Wurzelmasse eingebaut wird als bei Mais.


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