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RWJ 03/2017: Die naturalistischen Tier-Plastiken Vera Lwowskis

Ein Leben für die Kunst

Ihr gesamtes künstlerisches Leben hat die rheinische Bildhauerin Vera Lwowski der Tierwelt gewidmet. Nun, da sie auf ihren 94. Geburtstag zugeht, ist es ein wenig ruhiger um sie geworden.

 

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Vera Lwowski in ihrem Atelier. Nach Jahren in Bonn und Brüssel lebt sie wieder in ihrer Heimat Dattenfeld – wo die Wurzeln ihrer Passion liegen. Der Waldkauz von 1986 (r.). Fotos: H. Lwowski

1923 wurde sie als Vera Caminneci auf dem elterlichen Forstgut Burg Dattenfeld im heutigen östlichen Rhein-Sieg-Kreis geboren. Ihre Vorfahren väterlicherseits stammten aus Italien und waren als Bankiers zu Wohlstand gekommen. Bereits der Großvater war mit einer Deutschen verheiratet und hatte sich im Rheinland angesiedelt.

 

Jugend in der Natur

Vera Caminneci wurde durch ihren Vater, ein leidenschaftlicher Jäger, bereits früh an Wild, Natur und Jagd herangeführt. In ihren Jugendjahren hat sie neben zahlreichen anderen Tieren, auch Eulen aufziehen dürfen – darunter eine Schleiereule, einen Steinkauz und mehrere Waldkäuze, die sich als viel zahmer erwiesen hätten, als die anderen Eulenarten.

 


Studium in Köln und Bonn

Sie hatte das große Glück, ihrer künstlerischen Passion auch als junge Frau folgen zu können. In den 1940er Jahren studierte sie Bildhauerei bei Wolfgang Wallner an der Kunstakademie Köln, Porträtieren bei Ingeborg von Rath an der Universität Bonn und Holzschnitzerei bei Otto Schörghofer in Siegburg. 1948 heiratete sie Wolfgang Lwowski, den sie während des Krieges in Pommern kennengelernt hatte. Er macht Karriere im diplomatischen Dienst und unterstützt das künstlerische Schaffen seiner Frau nach Kräften. Nach ersten regionalen Ausstellungen im Bonner Umland wird ein größeres Publikum auf Vera Lwowski aufmerksam. Anschließend zeigt sie ihre Werke auch einer größeren Öffentlichkeit etwa auf der „Interfauna 1968“ in Düsseldorf sowie auf der „Welt- Jagdausstellung 1971“ in Budapest.

 


DJV-Kulturpreisträgerin

Bereits 1986 setzt sie dem Waldkauz – der kürzlich stellvertretend für alle Eulenarten zum „Vogel des Jahres 2017“ gewählt wurde – ein künstlerisches Denkmal. Er zählt zur stattlichen Anzahl von über 150 verschiedenen naturalistischimpressionistischen Tierdarstellungen, die die Künstlerin zu einer der renommierten europäischen Tierbildhauerinnen des 20. Jahrhunderts werden ließen. Neben kleineren Arbeiten hat sie auch lebensgroße Skulpturen von Pferden geschaffen. Über ihre Arbeiten können auch naturferne Menschen mit dem Waldkauz ein wenig vertrauter werden. 1988 wurde sie Kulturpreisträgerin des Deutschen Jagdschutzverbandes, dem sie seit nunmehr 66 Jahren als Mitglied im Landesjagdverband NRW die Treue hält.

 

Der RWJ hat insbesondere in den Jahren ihrer größten bildhauerischen Schaffensperiode häufiger über neue Tierskulpturen, über Kunstausstellungen oder errungene Preise und Medaillen in Text und Bild berichtet. Schon 1971 zierte das Foto der Bronze „Kampfläufer“ das Titelblatt der ersten Ausgabe des „Mitteilungsblattes der Landesgruppe Nordrhein im LJV Nordrhein-Westfalen“ – dem Vorgänger des RWJ. 1975 zierte das Foto der Skulptur „Graureiher“ das Titelblatt der fünften Ausgabe des „Rheinischen Jägers“. Heute lebt Vera Lwowski wieder in Windeck-Dattenfeld, wo vor vielen Jahren ihre Liebe zur Natur und zur heimischen Tierwelt durch Pirschgänge mit ihrem Vater geweckt wurde.

 

Felix Höltmann


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