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RWJ 03/2017: Leserbrief

Den Wolf willkommen heißen

Sehr geehrte Damen und Herren,

(…) ich werde den Verdacht nicht los, dass sich die Sichtweite (…) bezüglich der Wiedereinwanderung des Wolfes in unseren Breiten auf evtl. Einschränkungen der Strecken in (…) unseren Pachtrevieren beschränkt. Wenn das so ist, müssen wir etwas an unseren Bejagungsmöglichkeiten ändern.

Briefkasten

Der Wolf hat eindeutig seine Daseins- und Lebensberechtigung in den Biotopen, in denen er ursprünglich war und die er sich jetzt wiedererobert. Er hatte sie schon vor uns Jägern. Wie wir ist der Wolf ein wichtiges Rad in unserem Ökosystem. Wir Menschen haben dieses Ökosystem weitgehend zerstört und sind munter weiter dabei. Wir erhitzen unsere Gemüter über die Zerstörung des Regenwaldes in fernen Ländern, verweigern uns aber, selber vor der eigenen Haustür dem Ökosystem ein wenig Gutmachung aus eigener Hand zu leisten. Wieso gelingt denn unseren Nachbarländern das Leben mit Wolf und Bär? Sicherlich nicht ohne Reibung mit der Gesamtbevölkerung, aber es gelingt. Wir Jäger behaupten vielfach, dass wir die Aufgaben des Großraubwildes im Ökosystem ersetzen. Das ist doch an den meisten Stellen gescheitert, sonst hätten wir nicht diese wildarmen Reviere dort, wo sich der Mensch vor das Geschehen in der Natur setzt. Wir Jäger erklären unsere Daseinsberechtigung mit der uns angeborenen Passion, der uralten, gewachsenen Pflicht, die Lebensgrundlagen der Menschen zu schützen und zu wahren sowie unser Ökosystem für unsere Nachkommen zu erhalten.

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Wie mit dem rückkehrenden Wolf um­zugehen ist, wird unter Jägern kontrovers diskutiert. Foto: M. Breuer

Wir sind bis heute aber nicht in der Lage, unser Ökosystem so zu schützen und zu erhalten. Wir haben es bisher nicht geschafft, die Aufgaben von Wolf oder Bär zu übernehmen, sind wir doch glücklich, wenn sie wiederkommen, trotz unserer Fehler, und uns in unserer Verantwortung wieder zu unterstützen. Wenn sie uns helfen, der Zerstörung unseres Lebensraumes Einhalt zu gebieten.

Wir rechnen uns vor, was der „Unterhalt“ eines Wolfes kostet, aus Angst vor sinkenden Abschusszahlen. Sind wir nicht blindwütig, mutwillig, geldgierig, wenn wir so agieren? Wir können uns gar nicht mehr an einer „intakten“ Natur erfreuen, wenn es sie evtl. da und dort noch geben sollte. Heißen wir doch den „Mitpächter“ willkommen! Er ist doch ein wunderbarer und wunderschöner Botschafter eines halbwegs intakten Lebensraumes.

 

Hans-Josef Kriegel, 45289 Essen


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