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RWJ 09/2016:Interview zum Jagd-Krimi „Wald der toten Jäger“

„Als Jungjäger klein angefangen...“

Der Journalist Werner Schmitz aus NRW wagt sich mit Wald der toten Jäger erstmals an einen Jäger-Krimi – wir haben uns dazu mit ihm unterhalten.

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Der Wattenscheider Werner Schmitz kam über eine STERN-Reportage zum Jagdschein – und über den Landesjagdverband NRW zu ersten jagdlichen Abenteuern.

RWJ: Wald der toten Jäger ist Ihr sechster Kriminalroman. Bekannt geworden sind Sie in den 1980er-Jahren mit Ruhrpott- Krimis. Jetzt haben Sie einen Jagd-Krimi geschrieben. Wie passt das zusammen ?

 

Schmitz: Ein Krimi ist ein Krimi, egal ob er unter Satanisten im Ruhrgebiet oder Jägern in der Eifel spielt. Vor 30 Jahren duzte ich im Ruhrgebiet jede Mülltonne, weil ich als Reporter bei einem Bochumer Magazin arbeitete. Deshalb spielten meine ersten drei Krimis dort. Seitdem bin ich viel rumgekommen und Hannes Schreiber, der „Held“ meiner Krimis, ist mir auf dem Fuß gefolgt – vom Oderbruch nach Siebenbürgen und jetzt an die Mosel.

 

RWJ: Wie sind Sie zur Jagd gekommen ?

 

Schmitz: Über Hamburg und Mettmann – Anfang der 90er Jahre in Hamburg wollte der STERN-Chefredakteur von mir eine Reportage über die Jagd als solche. Ich hatte null Ahnung. Also habe ich mich in den Jungjägerkurs der Kreisjägerschaft Mettmann gesetzt und die Jägerprüfung abgelegt.

 

RWJ: Ihre anschließende Reportage war sehr kritisch – Barone, Bonzen, Ballermänner lautete die Schlagzeile. Warum sind sie trotzdem bei der Jagd geblieben ?

 

Schmitz: Die Leute vom Landesjagdverband haben damals klug erkannt, dass der Text trotz des reißerischen Titels nicht jagdfeindlich war – und luden mich zur Treibjagd ein. Da habe ich dann meine ersten Hasen geschossen und einen Jäger kennengelernt, mit dem ich heute noch befreundet bin. Zusammen haben wir Kaninchen und Tauben in meiner Heimatstadt Bochum bejagt – zwischen Autobahn, Eisenbahntrasse und Einkaufszentrum. Hat einen spröden Charme, aber als Jungjäger fängt man besser klein an.

 

RWJ: Wo jagen Sie heute ?

 

Schmitz: In einen Revier an der Mosel, hauptsächlich mit Rehwild, ab und an erwische ich auch ein Wildschwein. Das Beste am Revier ist die Jagdhütte – kein Strom, kein fließendes Wasser, aber herrlich gelegen.

 

RWJ: Eine Jagdhütte an der Mosel ist auch der Schauplatz Ihres neuen Krimis. Wie viel Wirklichkeit steckt im Wald der toten Jäger ?

 

Schmitz: Meine Krimis sind eine Mischung aus Fakten und Fiktion. Ich bin ein Bücher schreibender Journalist. Was ich recherchieren kann, brauche ich nicht zu erfinden. In einer Jagdzeitschrift las ich einen Bericht über den sehr robusten SEK-Zugriff auf einen bajuwarischen Waidmann. Türaufbruch, Blendgranate, Handfesseln, blutige Nase – das volle Programm. Das ist bei Jägern durchaus üblich, weil die Polizei davon ausgeht, dass wir bewaffnet sind. Eine ähnliche Szene findet sich in meinem Krimi. Hannes Schreiber wird in seiner Jagdhütte vom Sondereinsatzkommando festgenommen.

 

RWJ: Warum sucht das SEK den guten Schreiber heim ?

 

Schmitz: Er hat an der Reviergrenze einen Hirsch geschossen. Auf der anderen Seite fand man den Jagdherrn tot auf dem Hochsitz.

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RWJ: … stand aber nicht in der Zeitung …

 

Schmitz: … einen wahren Kern hat die Geschichte schon. In einem Mittelgebirge liegt die Eigenjagd einer großen Unternehmerfamilie dieses Landes. Dort wird Rotund Schwarzwild gefüttert, bis der Amtstierarzt kommt. Die hatten schon Probleme mit der Schweinepest. Einmal im Jahr findet die Familienjagd statt, rund ums Revier der Sippe sitzen dann Nachbarn und warten auf Wild, das über die Grenzen quillt. Ein Freund hat mich mal dazu eingeladen, zu fünft schossen wir drei junge Hirsche und eine Sau. Nebenan fand man das nicht unterhaltsam …

 

RWJ: Wie kamen Sie auf den Jagdunfall ?

 

Schmitz: Ich hab mal die Geschichte eines Jägers aufgeschrieben, der seinen besten Freund auf der Jagd erschoss. Er verfehlte eine flüchtende Sau, das Geschoss prallte ab und blieb im Herz seines Freundes stecken. Der Mann war auf der Stelle tot.

 

RWJ: … die berühmte verirrte Kugel …

 

Schmitz: … genau, der Schütze ist zwar nicht verurteilt worden, aber zur Jagd ist er eine ganze Weile nicht gegangen – stattdessen zum Psychologen.

 

RWJ: In Ihrem Roman gehen Sie nicht gerade zimperlich mit den Jägern um …

 

Schmitz: Krimis spielen auf der dunklen Seite des Lebens, sie handeln von Konflikten, die gewaltsam ausgetragen werden. Ich habe versucht, ein realistisches Bild der Jagd zu zeichnen – nicht schwarz-weiß, sondern in Farbe, Grautöne inbegriffen.

 

RWJ: Ist der Krimi nur für Jäger ?

 

Schmitz: Er ist auch für Nichtjäger genießbar – wenn ein Krimi im Rathaus spielt, sollen den ja auch nicht nur Kommunalbeamte lesen.

 

RWJ: Wir bedanken uns für das Gespräch – und Waidmannsheil !

 

 


„Wald der toten Jäger“

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