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RWJ 08/2017: Saugatter in Lippstadt (SO) nimmt Probebetrieb auf

Tierschutz als oberste Prämisse

Für Drückjagden auf Schwarzwild benötigt man brauchbare Hunde – und die trainiert man effektiv am besten in Saugattern. Bisher mussten Hundeführer aus NRW dazu weite Wege in benachbarte Bundesländer in Kauf nehmen. Ab dem Herbst steht nun auch in NRW eine zentral gelegene Anlage zur Verfügung.

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So soll’s werden: Die Hunde sollen spurlaut jagen, die Sauen aufmüden, taktieren – und keineswegs zupacken (Demo-Bild aus einem anderen Gatter).

An einem Tag haben wir mal 16 Hunde verloren, das konnte so nicht weitergehen !“, erinnerte sich „Saugatter-Papst“ Prof. Hans Wunderlich an die 70er Jahre in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Als zur Hochzeit der Schweinepestbekämpfung in der DDR immer wieder Hunde geschlagen wurden, musste man reagieren – die Geburtsstunde der Saugatter. Der renommierte Kynologe und Vorsitzende der „Kompetenzgruppe Schwarzwildgatter“ verdeutlichte die Intention der Anlagen – Hunde an gezähmten Sauen auf den Jagdeinsatz vorzubereiten und dabei schon im Vorfeld ungeeignete Kandidaten auszusortieren. Außerdem können Hunde und Führer lernen, sich den gefährlichen Bassen zu nähern, ohne sich dabei schwer zu verletzen.

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Robinien-Halblinge verstärken den Zaun und verhindern direkten Kontakt mit Sauen außerhalb des Gatters.

Jetzt hat auch NRW sein erstes Übungsgatter – bei Bad Waldliesborn (Lippstadt/SO). Die KJS Soest gründete nach Vorbereitung durch den LJV eine gemeinnützige Betreibergesellschaft, übernahm die dem LJV erteilten Genehmigungen und beantragte Fördergelder. Im Mai wurde die Anlage fertiggestellt, es fehlt nur noch ein Unterstand für die Sauen sowie eine Schutzhütte. Verkehrsgünstig gelegen bietet die Anlage allen Hundeführern zwischen Rhein und Weser die Möglichkeit, mit ihren Hunden an Sauen zu trainieren. Das eigentliche Arbeitsgatter ist knapp 2 ha groß. Das ebenso große Ruhegatter ist bewaldet und bietet mit dichtem Unterholz aus Brombeeren, Farn und Gräsern ideale Bedingungen. Die gesamte Anlage liegt innerhalb eines deutlich größeren Damwildgatters.

 

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Am Präge-Gatter können junge Hunde zunächst ohne direkten Kontakt an Sauen herangeführt werden. Fotos (3): F. Höltmann

Ein 1,90 m hoher Zaun umgibt das Gelände, massiver Draht richtet sich wieder auf, wenn Bäume darauf stürzen. Zum Schutz vor Untergrabung ist er 40 cm tief eingelassen. Bis 1 m Höhe verstärken den Zaun auf beiden Seiten Halbriegel aus dauerhafter Robinie, um Infektionen durch „Kollegen“ aus freier Wildbahn zu verhindern. Zurzeit warten zwei kastrierte Frischlingskeiler und vier Bachen auf ihre Eingewöhnung. Innerhalb der Anlage wird dazu ein 4 x 40 m großes, zusätzlich umzäuntes Prägegatter benutzt. Dort können junge Hunde, die noch nie Kontakt mit Sauen hatten, durch den Zaun Witterung aufnehmen, ohne direkten Kontakt zu bekommen. Schon dabei erkennen Profis, wie Hunde veranlagt sind. „Man sollte bereits ab der 20. Woche mit jungen Hunden zum Prägegatter fahren“, erläuterte Gattermeister Uwe Kemmerich aus der Segeberger Heide (S-H), der beratend zur Seite stand.

 


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Hubert Falkenstein mit „Saugatter-Papst“ Prof. Hans Wunderlich (r.), der die Lipp­städter NRW-Pioniere berät.

Anmelden kann man jede Rasse, die eine Brauchbarkeitsprüfung ablegen kann, zu den Sauen gelassen werden ausschließlich spur- und sichtlaut jagende Hunde. „Jeder Hund arbeitet maximal fünf Minuten an den Sauen. Dann wird er abgezogen und kann einige Wochen später wiederkommen. Nur sechs Hunde dürfen hintereinander ins Gatter. Dann haben sich die Sauen eine Pause verdient. Am Tag wird es höchstens zwei Durchgänge mit je sechs Hunden geben“, erklärte Gattermeister Gerd Eckel, der die Anlage mit Volker Sandfort in der Praxis betreuen wird.

 

Ein Durchgang wird für Hundeführer zwischen 20 und 40 € kosten, etwa ab November sind die Sauen so weit, dass erste Hunde sie „besuchen“ dürfen. „Es ist keineswegs so, dass Hunde auf Sauen gehetzt würden“, stellte Geschäftsführer Hubert Falkenstein beim Rundgang durch die Anlage klar. Oberste Prämisse bei all dem sei der Tierschutz, so würden aggressive Hunde sofort abgezogen und dürften nicht mehr ins Gatter. „Wir melden den Namen des Hundes und des Führers an alle anderen Stationen der Arbeitsgemeinschaft und sperren die Gespanne.“

 

Info: www.swg-lippstadt.de

Mentzelsfelde 8,

59555 Lippstadt


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