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RWJ 07/2017

Landesjägertag der Wende

In Gütersloh machte der designierte Ministerpräsident Armin Laschet vor rund 1 000 Jägern deutlich, dass eine neue Zeit im Verhältnis zwischen Politik und Jagd anbricht.

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Fotos: F. Höltmann (9)

Jeder Anwesende spürte, dass eine enorme Veränderung in der Luft lag – der freundliche Empfang, die wohlwollende Begrüßung, ein harmonisches Miteinander, so viel Sympathie zwischen Politik und Jägern hatte man in Nordrhein- Westfalen lange nicht mehr erlebt. Doch fast hätte der mit großen Erwartungen verknüpfte Auftritt des zukünftigen Ministerpräsidenten beim Landesjägertag in Gütersloh gar nicht stattgefunden: Wegen der andauernden Koalitionsverhandlungen mit der FDP kam es zu einer Terminkollision, der Auftritt drohte zu platzen. Doch Armin Laschet schlug sich ein Zeitfenster in den Terminplan und kam trotz aller Verpflichtungen nach Gütersloh und nahm sich immerhin eine knappe Stunde Zeit für die Jäger.

 

Wenig Konkretes, viel Zuversicht

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DJV-Präsident Fischer rief zur Einigkeit auf und warnte vor einer weiteren Zersplitterung des Jagdrechts in Deutschland.

Inhaltlich blieb der CDU-Politiker in seinem Grußwort wegen der noch laufenden Koalitionsverhandlungen recht unkonkret. Doch das störte an diesem Tag kaum einen. Auch ohne Ankündigungen im Detail sprach Laschet den zahlreichen Besuchern des Landesjägertages mit seiner Rede aus dem Herzen. Allein die Wortwahl, die von tiefem Respekt und Wohlwollen für die Jagd geprägt war, sprach den LJV-Mitgliedern aus dem Herzen. Die Zuhörer spürten, dass ein ganz anderer, freundlicher Umgangston herrschte – eine Diskussion auf Augenhöhe, die man in den vergangenen Jahren nicht mehr gewohnt war, ist wieder möglich. Der Auftritt war Balsam auf die Jägerseelen.

 

Schließlich verwies der CDU-Landesvorsitzende auf die 86 Änderungsanträge zum Landesjagdgesetz, die seine Fraktion in der vergangenen Legislaturperiode erarbeitet und ins Parlament eingebracht hatte. Darin geht es unter anderem um eine praxisgerechte Ausgestaltung der Bau- und Fangjagd, die Erweiterung des Katalogs der jagbaren Arten und die Rückkehr zur Jagdhundeausbildung in der Schliefenanlage oder an der lebenden Ente. An diesen Punkten wolle man sich orientieren. Wenn diese und weitere im Antrag formulierte Forderungen tatsächlich umgesetzt würden, wäre das ein großer Erfolg für Jagd und Natur in NRW.

 


Politik für Land und Leute

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LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg sieht im Regierungswechsel große Chancen für die Jagd in NRW. Sein guter Draht zur neuen Landesregierung macht den Jägern Hoffnung. Foto: B. Petercord

Laschet kritisierte, dass die rot-grüne Landesregierung den ländlichen Raum vernachlässigt und seine wirtschaftliche Entwicklung behindert habe. Zudem hätten vor allem die Grünen versucht, Jäger, Bauern und andere Landnutzer nach eigenen Vorstellungen zu erziehen. „Als ob man die Jäger dazu zwingen müsste, sich um Tiere und Natur zu kümmern“, so der CDU-Politiker.

 

Die Jäger-Demonstration im März 2015 bezeichnete er als berechtigten Protest gegen das „In-die-Ecke-Drängen“ der Jäger durch die Politik. „Eine der größten Demonstrationen der vergangenen Jahrzehnte war gerechtfertigt, denn Hege und Pflege sind älter als NRW und alle Jagdgesetze dieses Landes“, so der designierte Ministerpräsident. Unter Applaus des Saals betonte Laschet, dass die Politik in Zukunft dazu beitragen wolle, dass die Mehrheit der Bevölkerung darüber aufgeklärt werde, wie wichtig Jagd für die Gesellschaft sei. Die neue Landesregierung wolle an Bildungs- und Kultureinrichtungen vermitteln, was Jagd im Rahmen von Biotophege oder Fallwildbeseitigung alles leistet. Er versprach, das Landesjagdgesetz zu überarbeiten und damit eine neue Ära im Verhältnis zwischen Politik und Jagd einzuläuten. Zum Schluss richtet er noch die Grüße seines Koalitionspartners in NRW, des FDPVorsitzenden Christian Lindner, aus, der kurz vor seiner Jägerprüfung stehe.

 

LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg bedankte sich bei Laschet für dessen Zuspruch. Er betonte, dass man in Zusammenarbeit mit der Politik das Jagdgesetz nach vorne bringen wolle. Die Jagdgesetzgebung solle nicht zurückgedreht, sondern in die Zukunft ausgerichtet werden. Im Gegensatz zum politischen Gegner werde man nicht ideologisch handeln, sondern das wenige Gute im Jagdgesetz beibehalten und das viele Schlechte sachlich-fachlich reformieren. „Sobald klar ist, wer das für Jagd zuständige Ressort führen wird, rufe ich an und vereinbare einen Termin, um einen Zeitplan für das weitere Vorgehen zu besprechen“, versprach der LJV-Präsident.

 


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Landesjägertag der Wende

Modernes Jagdgesetz erarbeiten

Müller-Schallenberg hält es für wichtig, dass Landwirtschaft, Umweltschutz und Jagd in einem Ministerium gebündelt werden. Mit dem neuen Minister sollen alle aktuellen Themen, darunter auch die Möglichkeit der Verwendung von Schalldämpfern angesprochen werden. Der Jägerpräsident betonte, dass es um die Option, nicht die Verpflichtung zur Verwendung gehe. Ein weiteres Thema auf der Agenda sind bundesweit uneinheitliche Regelungen wie bei Büchsenmunition. Außerdem soll der NRWSchießnachweis durch ein jährliches Übungsschießen ohne Leistungsnachweis abgelöst werden. Die Öffentlichkeitsarbeit des LJV wird mit modernen Werbemethoden weiter professionalisiert, was man sich Geld im sechsstelligen Bereich kosten lasse.

 

Um schnell Verbesserungen für Bodenbrüter erreichen zu können, forderte er die leichtere Bejagung von Prädatoren möglichst schnell über Erlasse und Verordnungen zu ermöglichen. DJV-Präsident Hartwig Fischer nutze das Podium der Gütersloher Stadthalle, um ganz zu Beginn um Entschuldigung für die Terminkollision zwischen Bundesbläserwettbewerb und Landesjägertag zu bitten. Es sei sein Fehler gewesen. Die Kollision war gerade in der Bläser-Hochburg Gütersloh als unglücklich empfunden worden.

 

Anschließend spannte er den jagdpolitischen Bogen von der Jägerdemo in Düsseldorf bis zum Regierungswechsel im Mai 2017. „Gut, dass die Grünen in NRW nicht dabei sind.“ Die Jäger hätten es zu oft erlebt, dass die Grünen den großen Koalitionspartner bei jagdpolitischen Fragen „am Nasenring durch die Kulturlandschaft gezogen“ hätten. Im Hinblick auf zahlreiche Tierschutzverbände erklärte Fischer, dass aktuell die Forderung für ein Jagdverbot auf Neozoen gefordert würde. Stattdessen sollten Waschbären und Co. mit der Falle gefangen, kastriert und wieder ausgesetzt werden! Statt solcher realitätsfremden Ideen hätten die Jäger einen ganzheitlichen Ansatz, der auch nichtjagdbare Arten wie Kiebitz und Brachvogel im Blick habe. In bundespolitischer Hinsicht verdeutlichte Fischer, dass man trotz Gegenwinds aus Bayern die Neufassung des Bundesjagdgesetzes im Auge behalten werde. „Wir brauchen einheitliche Regelungen bei der Jägerprüfung oder bei der Bleiverminderung“, so der DJV-Präsident.

 


Jäger und Bauern Hand in Hand

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Mit gut 1 000 Jägern war der Landesjägertag in Gütersloh gut besucht und die Stadthalle nahezu komplett besetzt. WLV-Präsident Johannes Röring hielt die Festrede, in der er die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit von Bauern und Jägern hervorhob.

Als Gastredner betonte der westfälischlippische Bauernpräsident Johannes Röring die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit von Jägern und Bauern. Auch wenn man nicht immer dieselben Interessen habe, müsse Kooperation sein. Beim Umgang mit dem Wolf kritisierte er, dass man sehenden Auges in eine kritische Entwicklung stolpere. Das Management der Landesregierung habe bisher nur das Wohl des Wolfes im Blick. Der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer, ein Enkel des früheren Bundeskanzlers, hob in seinem kurzweiligen Grußwort die Bedeutung der Prädatorenbejagung mit Fallen zum Schutz des Niederwildes hervor: „Gut, dass Armin Laschet die Abschaffung des Landesjagdgesetzes aus dem Hause Remmel versprochen hat. Das Ding muss weg !“

 


Dialog mit den Bürgern

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Rund um den Veranstaltungsort in der Nähe der Fußgängerzone hatte der Landesjagdverband alle Rollenden Waldschulen der Kreisjägerschaften aus Ostwestfalen- Lippe, Falkner, Junge Jäger, diverse Anbieter von Jagdbedarf sowie die Kampagnen „Wild auf Wild“ und „Wildgenuss NRW“ Stände aufgebaut, an denen sich neben den anwesenden Jägern auch zufällig vorbeikommende Bürger informieren oder mit einem Stück Wildfleisch vom Grill stärken konnten. Die Besucher der umliegenden Cafés lauschten den Klängen von Jagdhorngruppen – so trug dieser Landesjägertag auch zum Austausch von Jägern und nichtjagdender Bevölkerung bei. Wieder einmal zeigte sich, dass Wildbret, Hörnerklang und Rollende Waldschulen hervorragende Botschafter der Jagd sind.


Biotophege- und Lernort-Natur-Preis

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Nahmen den Biotop­hege-Preis 2017 von LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg (r.)entgegen – (v. l.) Hans-Gert Haversiek (Vors. KJS Herford), Heinz Detering (Naturschutzobmann), Hans-Werner Schäfer (Obmann für Öffentlichkeitsarbeit) und HL Dr. Eckhard Nedder­mann (alle HR Vlotho).

Der Hegering Vlotho (HF) wurde mit dem Biotophegepreis der Wildtier- und Biotopschutz-Stiftung NRW 2017 für die Gründung des Vlothoer Forums Natur ausgezeichnet. Der Preis drückt die Wertschätzung für eine bereits 15 Jahre laufende, erfolgreiche Zusammenarbeit der Jäger mit Landwirten, Vogelfreunden, Imkern, Anglern, natur- und umweltschutzinteressierten Bürgern sowie der Stadt Vlotho aus. Den Lernort-Natur-Preis der Wildtierund Biotopschutz-Stiftung NRW 2017 erhielt die KJS Essen für ein beispielhaftes Konzept, mit dem v. a. zahlreiche Grundschüler erreicht wurden. Der RWJ wird die Preisträger in den kommenden Ausgaben ausführlich vorstellen, beide Preise sind mit je 2 000 € dotiert.


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Die KJS Essen erhielt den Lernort-Natur-Preis für ihre Jugend­arbeit – Heinz-Joachim Lappe, Detlef Knocke, Hans-Bernhard Mann (Vors. KJS Essen) freuten sich mit LJV-Chef Ralph Müller-Schallenberg (v. l.).

 

 


Beiträge bleiben stabil

In der anschließenden Mitgliederversammlung wurde nach dem Bericht des LJV-Präsidenten der Jahresabschluss 2016 genehmigt und nach dem Bericht der Rechnungsprüfer das Präsidium entlastet. Anschließend wurde im Rahmen der Beschlussfassung zur Änderung des Haushaltsplanes beschlossen, den Jahresbeitrag nicht zu erhöhen – die Finanzsituation des Verbandes ist stabil. Außerdem soll die Öffentlichkeitsarbeit durch eine professionelle Agentur aufgewertet werden. „Das werden wir uns auch Geld kosten lassen“, erklärte Ralph Müller- Schallenberg – 300 000 € jährlich bis 2021 sind eingeplant. Der Vorschlag fand breite Unterstützung – ebenso wie eine aus Gründen der Gemeinnützigkeit notwendig gewordene Satzungsänderung. Mit einem ausdrücklichen Dankeschön aus dem Teilnehmerkreis für den engagierten Einsatz der LJV-Spitze in den vergangenen Jahren endete die harmonische Mitgliederversammlung.

 

Felix Höltmann

 

 


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