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RWJ 12/2017: Umrüsten auf Schalldämpfer

Kleines Flüstertüten-ABC

Das eigene Gehör, das der Mitjäger und Hunde schützt man am besten durch Schalldämpfer, die den Knall bekämpfen, wo er entsteht – an der Mündung der Waffe. Auch NRW erlaubt sie jetzt endlich für Jäger. Hat man einen Dämpfer legal erworben, muss dieser „nur noch“ mit der Waffe verbunden werden. Doch dabei ist einiges zu beachten.

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Dieser Blaser-Dämpfer ist recht lang, führt aber durch die Over-Barrel-Bauweise trotzdem zu einer kürzeren Waffen-Gesamtlänge, wenn er montiert ist.

Um Schalldämpfer am Lauf zu befestigen, braucht man ein passendes Mündungsgewinde, Klemmen wie bei manchen KK-Büchsen sind bei jagdtauglichen Großkalibern nicht möglich. Schalldämpfer sind daher auch nur für einläufige Waffen tauglich, bei Drilling, Bergstutzen oder Bockbüchsflinte wären erhebliche Umbauarbeiten nötig.

 

Bei Selbstladern können sich Dämpfer auf die Funktion auswirken. Vorher kann man nicht sagen, ob Halbautomaten auch mit Dämpfer sicher funktionieren. Merkel bietet bereits ein Modell speziell zur Verwendung von Schalldämpfern. Moderne Büchsen werden schon sehr oft mit Mündungsgewinde geliefert, tw. gegen Aufpreis, beim Kauf von Neuwaffen ist nur zu empfehlen, es mitzuordern. Denn ohne Gewinde wird es schwieriger. Ein Mündungsgewinde verbindet Lauf und Schalldämpfer. Es muss genau zur Seelenachse des Laufes fluchten und darf nicht etwa nach dem Außenprofil ausgerichtet werden. Das ist nur maschinell möglich und erfordert Erfahrung. Berührt das Geschoss im Inneren Lamellen, kann das den Dämpfer zerstören, beeinflusst aber zumindest die Präzision negativ. Das Schneiden solcher Gewinde bleibt qualifizierten Büchsenmachern vorbehalten. Das ist schon rechtlich notwendig, denn gemäß 21.2 Waffenverwaltungsvorschrift gilt das Ändern wesentlicher Teile einer Schusswaffe als „Waffenherstellung“. Dafür ist eine Erlaubnis erforderlich (§21/26 WaffenGes). Das Anbringen von Mündungsgewinden fällt darunter, denn dabei handelt es sich um das Ändern höchst beanspruchter Waffenteile.

 

Nach Anbringen eines Gewindes muss nach § 3 Beschussgesetz die Waffe neu beschossen werden. Das Mündungsgewinde muss eine Länge von etwa 12 – 15 mm haben. Soll eine offene Visierung weiter zur Verfügung stehen, muss der Kornträger entfernt und weiter hinten wieder angebracht werden. Läufe sind konisch, werden also zur Mündung hin dünner. Wird das Korn weiter hinten angebracht, ist in der Regel eine Höhenkorrektur notwendig, damit die Waffe über Kimme und Korn wieder Fleck schießt. Oft ist es auch nötig, den Kornträger etwas nachzuarbeiten und dem Laufdurchmesser exakt anzupassen.

 

 

Welches Gewinde ?

Europäische und skandinavische Länder setzten für Mündungsgewinde metrische ISO-Feingewinde ein. Deren Durchmesser muss passend zur Lauf- stärke gewählt werden. Einerseits ist zur Zentrierung des Schalldämpfers eine ausreichende Schulter von mindestens einem Millimeter erforderlich und andererseits darf natürlich die Wandstärke des Laufes nicht zu gering werden:

  • bei normal dünnen Jagdläufen (Mün- dungsdurchmesser: 15 – 16 mm, Kaliber bis .30) ist das M 14 x 1 eine gute Wahl.
  • bei Mündungsdurchmessern von 16 – 17,5 mm und bis Kaliber 9,3 mm ist M 15 x 1 zu empfehlen,
  • für Semiweight- oder Varmintläufe mit 19 – 22 mm Durchmesser passen M 17- oder M 18 x 1-Gewinde.

Für den Einsatz ohne Schalldämpfer ist unbedingt eine passende Abdeckkappe notwendig, um das empfindliche Gewinde zu schützen. So eine Mutter muss passend zum Außendurchmesser des Laufes angefertigt werden.

 

 


Gleich den Lauf kürzen?

Schraubt man einen Schalldämpfer auf eine Jagdwaffe normaler Lauflänge, wird es schnell unhandlich und sperrig – je nach Bauart des Dämpfers wird die Waffe 15 – 30 cm länger. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Bauarten:

Standarddämpfer werden einfach vorn aufgeschraubt, die Lauflänge wächst also genau um die Länge des Dämpfers. Günstiger sind Over Barrel-Dämpfer. Sie umschließen teilweise den Lauf, wodurch sich die Gesamtlänge weniger erhöht. Zusätzlich wird die Stabilität verbessert, da sich ein auf den Laufdurchmesser abgestimmter Führungsring am Dämpferende am Lauf abstützen kann. Gegen Hebelkräfte sind Over-Barrel- Dämpfer deutlich unempfindlicher.

 

Länger wirds aber auf jeden Fall – wer sich nachträglich ein Mündungsgewinde schneiden lässt, sollte ggf. den Lauf gleich mit kürzen. Die Mehrkosten dafür sind gering. Wie viel man abschneiden kann, ist kaliber- und einsatzabhängig. Kaliber wie .308, .30 - 06, 8 x 57 IS, 8,5x63, 7x57 oder 9,3x62 vertragen Laufkürzungen recht gut, Leistungseinbußen sind unter jagdpraktischen Gesichtspunkten also kein großes Problem. Solche Läufe lassen sich durchaus bis etwa 45 cm kürzen.Bei Magnumpatronen wie .300 Win. Mag. oder 8 x 68 S sind Kurzläufe hinge­ gen kaum zu empfehlen – unter 56cm sollte man nicht gehen.

 

 


Was kostet das alles?

Hat meine Waffe bereits ein Mündungs­ gewinde, fehlt nur noch ein Dämpfer mit passendem Innengewinde. Soll der auf mehreren Waffen genutzt werden, müs­ sen alle ein identisches Gewinde haben – oder man wählt ein Modell mit auswech­selbaren Anschlussbuchsen wie den Jagdschalldämpfer Tiger des Schweizer Herstellers B & T. Die Preise beginnen bei etwa 300 €, dafür bekommt man Flüster­ tüten aus Stahl oder Alu mit guten Dämpfungseigenschaften. Leichte Top­ Model­le aus Titan oder Kohlefaser sind kaum unter 700 € zu bekommen.Das Schneiden eines Mündungsgewin­ des inkl. passender Abdeckmutter und Neubeschuss kostet etwa 150 – 200 €. Für zusätzliche Arbeiten (Laufkürzung, Versetzen des Kornsattels) ist mit rund 300 – 350 € zu rechnen.

 

 


Mit Dämpfer andere Treffpunktlage

Ein aufgeschraubter Dämpfer verän­ dert die Treffpunktlage, denn das Mehr­ gewicht am Lauf verändert dessen Schwingungennichtunerheblich. Wer mit und ohne Dämpfer schießen will, kommt um die Verstellung der Zieloptik kaum herum oder benutzt zwei Zielfernrohre oder Rotpunkt­ visiere – eines für den schallgedämpften Betrieb, das Andere für den Schuss ohne Dämpfer.

 

 


Pflege und Aufbewahrung

Sind viele Schüsse mit Dämpfer abge­ geben worden, muss der auch mal gerei­ nigt werden, denn innen setzen sich Pul­ verrückstände und Schmauch ab. Lässt sich der Dämpfer zerlegen, werden die „Innereien“ mit Benzin gereinigt und heißem Wasser abgewaschen. Stahlteile ölt man etwas ein, bevor alles wieder zu­ sammengebaut wird. Nicht zerlegbare Dämpfer bläst man mit Druckluft aus oder spült sie mit Ben­ zin, etwas Waffenöl reinzusprühen, kann auch nicht schaden. Im Waffenschrank sollte man Schalldämpfer unbedingt abschrauben – sonst kann Schmutz aus dem Dämpfer in den Lauf sickern und dort Schaden anrichten.

 

N. Klups


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