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RWJ 01/2013: Abenteuer im Partnerland der Jagd&Hund 2013

Ungarische Bootsfahrten

Mitte Juni hatte ein bedeutender europäischer Optik-Hersteller Jagdjournalisten aus aller Welt zur Vorstellung einer neuen Zielfernrohr-Linie nach Ungarn ein­geladen. Das Wetter sollte diese Tage unvergesslich machen …

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Pirschfahrten in der offenen Kutsche sind überaus reizvoll. Wenn das Wetter passt. Foto: privat

Das Revier war mir persönlich neu – auch jenseits wohlklingender Wild-Eldorados wie Labod, Gyulai und Gemenc hat das Land der Magyaren eine Menge zu bieten. Das ehemalige Militär-Revier Kaszo liegt unweit der kroatischen Grenze, etwa 90 km süd­west­lich des Plattensees auf einer gedach­ten Linie Zagreb-Budapest (s. Karte nächste Seite), nach Auskunft der Revierbetreuer eine wildreiche Ecke. Neben der Einführung in die neue Produkt­reihe gab’s ausreichend Gelegenheit, sich von diesem Wildreichtum zu überzeugen. Jedenfalls theoretisch.

 

Zuhause herrschte bestes Frühsommer­wetter, um die 20 Grad, höchstens leicht bewölkt – wie man sich’s zum Jagen nur wünschen kann. Bei der Prognose für diesen Winkel Ungarns der nächsten Tage waren sich die Internet-Kachelmänner aber ungewöhnlich einig: Dauerregen war ange­sagt, nicht mal unterbrochen von einzelnen Aufheiterungen. Das konnte heiter werden. Umso mehr ließ ich mich mit den Kolle­gen auf der gemeinsamen Anfahrt vom Budapester Flughafen vom trockenen Wetter überraschen. Auch nach der Ankunft im mondänen Jagdhaus mitten im Wald von Regen und Wolken keine Spur. Wer sagt’s denn?

 

Bildergalerie Ungarische Bootsfahrten

Mit diesen Eindrücken konnte man sich bei der offiziellen Begrüßung doch auf die kommenden Abenteuer wieder ein bisschen mehr freuen. Fünf Pirschgänge waren für jeden Gast in den nächsten drei Tagen vorgesehen – eine davon sogar in der offenen Pferdekutsche. Diese romantische Jagdart aus vergangenen Zeiten hat ihren eigenen Charme und wird fast in ganz Ungarn Jagdgästen als besonderes Schmankerl angeboten. Gegen entsprechende Zuzahlung versteht sich. Doch dieses Mal waren wir ja eingeladen. Da konnte man es verschmerzen, dass dazu die klassische Führung 1:1 aufgegeben wurde (so viele Kutschen und versierte Fahrer gab’s nicht), sondern sich jeweils zwei Gäste ein Gespann teilten. War auch kein Problem, man würde sich halt in vielversprechenden Situationen abwechseln. So freute ich mich, gleich am ersten Morgen mit Jost, einem lieben Kollegen aus dem Süden der Republik, gemeinsam auf Pferde-Pirsch zu fahren. Früh um drei Uhr wich diese Freude allerdings durch den Regen, der unablässig vor die Scheiben klatschte, der Ernüchterung. Kutsche war ja ganz urig – aber war da nicht von offener Kutsche die Rede gewesen?

 

 

Während der wohl halbstündigen Autofahrt zur Stallung der Försterei konnte das Wetter ja auch besser werden. Tat es aber nicht. Eher im Gegenteil. Der Scheibenwischer wurde der Wassermassen kaum Herr – und dass keiner ein Wort sprach, lag weniger an der frühmorgendlichen Stunde …

 

Ohne weiteren Kommentar stülpte sich Jost an der Kutsche in sein Ganzkörperkondom in Form einer riesigen Gummipellerine und verstaute Waffe und Fernglas darunter. So ein Teil besaß ich seit einschlägigen Abenteuern im Gebirge Kasachstans (s. RWJ 11/2012) auch, wohlverwahrt lag es daheim im Jagdschrank ...


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RWJ 01/2013 Erlebte Jagd Ungarn

Ungarische Bootsfahrten

ungarn karte

Das ehemalige Militär-Revier Kaszo liegt unweit der kroatischen Grenze südwestlich des Plattensees.

Jagd in strömendem Regen hat einen relativ begrenzten Unterhaltungswert. Nicht nur, dass man ruckzuck klitschnass ist (im Sommer halb so wild), Hauptproblem ist die Jagdoptik. Gerade im Regen wird uns die Erkenntnis aufgezwungen, ohne moderne Hilfsmittel dem Wild gegenüber nahezu chancenlos zu sein. Fast all seine Sinne sind den unseren haushoch überlegen. Selbst unser bester – die Augen – haben der Sehleistung von Rotwild oder Gämsen wenig entgegenzusetzen. Außer wenn wir sie entsprechend verstärken und uns damit einen ganz entscheidenden Vorteil verschaffen

  • auf riesige Entfernungen
  • noch in tiefster Dämmerung
  • mit Leuchtabsehen zum Schießen.

 

Doch wehe, wenn diese Hilfen ausfallen. Schon leichter Niesel macht Ferngläser und (noch schlimmer) Zielfernrohre im Nu unbrauchbar. So oft kann man gar nicht wischen, wie die empfindlichen Linsen wieder verschwimmen. Natürlich bleibt die Technik auch hier nicht stehen. Neueste Beschichtungen lassen das Wasser von den Oberflächen von Linsen abperlen. Jedenfalls theoretisch.

 

Gegen diese ungarischen Sturzbäche war jedoch jede Nano-Beschichtung chancenlos – ob unter dem Umhang von Jost (dauernd beschlagen) oder eng an meiner GoreTex-Jacke (permanent geflutet).

 

Ganz abgesehen davon war bei dieser nahezu tropisch anmutenden Flut (immer­hin war der Regen warm …) sowieso nichts auf den Läufen. Egal durch welche nach Wild riechende Dickung wir auch schlichen, wie toll und fern jeder Siedlung riesige Wildwiesen vor uns auftauchten, wie leise auch Hufe und Zaumzeug der treuen Pferde sein mochten, wie vorsichtig wir abwechselnd absaßen, um bekannte Einstände zu umschlagen – vergebene Liebesmüh.

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ungarn kaszo breuer

Der Bock und seine Ricke hatten ihren Einstand genau auf der anderen Seite eines riesigen Getreideschlages - und ein Anpirschen war unmöglich. Foto: M. Breuer

Trotz der Sintfluten motivierten wir uns mit der alten Jägerweisheit, dass es nach dem Regen ja optimal sein müsste. Nur nach kam nicht, jedenfalls nicht während der vierstündigen Fahrt durch den dampfenden ungarischen Dschungel. Unser Kutscher war ein netter, mangels Anblick wusste er manche Räuberpistole zu berichten – vom seinerzeit zu hören­den Geschützlärm während des Bürgerkriegs in Ex-Jugoslawien (die kroatische Grenze lag nur wenige Kilometer entfernt) oder einem heimischen Jäger, den bei der Brunft das Hirschfieber packte und statt eines braven Hirsches (bezahlbar, der Ungar dachte an maximal 8 kg Geweihgewicht) trotz eindeutiger Warnung des Pirschführers im eilig hingeworfenen Schuss ein Recke der 13 kg-Klasse sein Leben aushauchte …

 

Schon im Jagdhaus hatten wir uns angesichts mächtiger Hirschkronen an den Wänden ein Bild davon machen können, dass solche Kracher in Kaszo nicht die ganz große Seltenheit waren.

 

Ganz unabhängig davon, dass Geweihte Mitte Juni gar nicht frei waren und wir sie uns auch nicht leisten wollten, wären wir ja schon mit einer Überläufer-Rotte, Kahlwild oder ein paar Rehen zufrieden gewesen. Es ging ja gar nicht primär ums Schießen – wann hat man schon mal die Gelegenheit, in einem solchen Hochwild­revier von der Kutsche aus zu jagen? Doch dieser Traum hatte sich nach vier Stunden strömendem Dauerregen den Zusatz Alb- redlich verdient.

 

Als dem leicht verzweifelten Förster die Dönekes ausgingen, forderte er uns kurz vorm rettenden Stall schließlich auf, die Waffen zu entladen. Jagd vorbei. Während wir dieses Weltuntergangswetter ja gerade erst kennengelernt hatten, litt dieser Landstrich Ungarns schon etliche Wochen unter unvorstellbaren Wassermassen. Resigniert brachte der wackere Jagdführer seine Stimmung auf den Punkt: „Wenn das hier so weitergeht, dann kauf’ ich mir ein Boot …“

 

Sie sind gespannt, was noch alles passiert ist? Den vollständigen Artikel finden Sie nachfolgend zum kostenlosen Download.

RWJ 01/2013 Erlebte Jagd - Ungarn


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