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RWJ 11/2012: Erlebte Jagd

Steinbock-Träume

Bei einer spektakulären RWJ-Leserreise gings für eine Truppe Flachland-Tiroler im Grenzgebirge zwischen Kasachstan und China auf Steinböcke.

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Impression aus dem Reich der Sibirischen Steinböcke im Dschungarischen Alatau - die schneebedeckten Viertausender liegen schon in China. Foto © W. Rösler

Nach langer Zeit stand wieder mal der Kauf einer neuen Waffe an. Weil es eine Fülle hochwertigster gebrauchter Jagdwaffen gibt, dazu in einer handwerklichen Qualität, die heute oft unbezahlbar wäre, braucht man eigentlich nur eines: Ruhe. Wer sich Zeit nimmt und seinen Haben-wollen-Reflex unter Kontrolle bekommt, kann so manches Schnäppchen machen. Doch mein „fehlendes“ Gewehr sollte über Eigenschaften verfügen, die die Auswahl ganz erheblich einschränkten.

 

1. Es sollte auf jeden Fall zerlegbar sein.Ich war es endgültig satt, bei meinen Auslandseinsätzen mit einem 1,35-m-Geigenkoffer durch die Welt zu jetten. Kurze, kompakte Abmessungen sind nicht nur auf Flughäfen ein Segen.

 

2. Auch wenn ich ein großer Freund dunkelgemaserter Nussholzschäfte bin, favorisiere ich für eine Reisebüchse eindeutig Kunststoff – im rauen Einsatz afrikanischer Dornen, verregneter Drück­jagdtage und hochalpiner Bergjagden ist robustes Handwerkszeug gefragt und kein Vitrinen-Püster.

 

3. Der Suche nach dem passenden Kaliber galten umfangreiche Überlegungen. Der erste jagdliche Schuss aus dem neuen Gewehr sollte einem Steinbock gelten. Damit lag der Schwerpunkt auf eher rasanten Universalkalibern. Ultra-Magnums à la vom Hofe, Weatherby oder RUM waren noch nie mein Ding, so dass sich der Kreis schnell auf Winchesters Short Magnums .270 WSM und .300 WSM verkleinerte. Ich entschied mich schließlich für die .300 WSM, weil die auch bei stärkerem Wild etwas größere Reserven hat.

 

4. Dazu wäre die Möglichkeit, die Waffe irgendwann mal mit ’nem Großwildkaliber-Wechsellauf zu ergänzen, optimal. Gebrauchte, die all diese Voraussetzungen erfüllen, gibts nicht viele, eine echte Take-Down war mir zu teuer – erst recht, wo’s an hochwertigen, voll zerlegbaren Repetierern mit Wechsellauf-Option wahrlich keinen Mangel hat. Die Abwägung zwischen Heym, Blaser, Sauer und Mauser bleibt Geschmackssache. Mir gefällt Mausers M 03 ziemlich gut, also wurde ein solcher Sicherheitsrepetierer in Isny bestellt. Natürlich nicht von der Stange: Neben einem extralangen schwarzen Kunststoffschaft orderte ich einen kannelierten Heavy-Weight-Lauf. Auf die Mauser-Montage kam ein Swarovski Z 6i 2 - 12 x 50 mit variablem Leuchtpunkt für Tag- und Nachteinsatz. Nach einer Rückkehr aus Afrika lag das Paket aus dem Allgäu auf dem Schreibtisch. Die schlichte Schönheit der schwarzen Extreme gefiel mir auf Anhieb. Ein paar Tage später konnte die Neue auf der 300-m-Bahn zeigen, was in ihr steckte. Zunächst auf 180 m eingeschossen, fiel die rasante Patrone bis auf 300 m gerade mal 10 cm. Für die anstehende Steinbockjagd wurde sie auf 300 m Fleck eingeschossen – und lieferte selbst auf diese Distanz beeindruckende Schuss­bilder von unter sechs Zentimetern bei fünf Schuss! An der Waffe sollte dieses Abenteuer jedenfalls nicht scheitern …

Bildergalerie RWJ-Leserreise nach Kasachstan

Gemessen an den Stößen holpernder Jeeps durch namibische Steppen ist die körperliche Belastung bei solchen Bergjagden allerdings ungleich härter. Das wusste ich nur zu genau. Bereits im Jahr zuvor hatte ich die Gegebenheiten genauer unter die Lupe genommen, um ein Konzept für eine RWJ-Leserreise zu entwickeln. Schon der längere Aufenthalt auf 3 000 bis 4 000 m  Höhe allein ist nicht ganz ohne, auch wenn dies durch eine vernünftige Akklimatisation (Anpassung durch langsamen Aufstieg) ganz gut in den Griff zu bekommen ist. Dabei reden wir immer noch von Fahrzeugen. Ist man allerdings erst mal im oberen Base Camp, werden die vier Räder durch die gleiche Anzahl an Hufen ersetzt, anders formuliert – ohne Pferde läuft bei der Steinbockjagd gar nichts


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RWJ 11/2012: Erlebte Jagd

Steinbock-Träume

Genau das, verstärkt durch die Erinnerungen ans Vorjahr, brachte mich wirklich ins Grübeln. Nur mit Schaudern dachte ich zurück an die Belastung meines Rückens auf dem Pferd und in den Zelten. Und eine gerade überstandene massive Bandscheiben-Krise lag gerade mal wenige Monate zurück …

 

Bei aller jagdlichen Passion wäre ich lieber zuhause geblieben, man muss sein Glück ja nicht herausfordern. Das Problem war nur, dass die Tour natürlich längst ausgeschrieben und auch gebucht worden war. Sicher hätte man das Ganze absagen oder verschieben können, aber solche Maßnahmen sind nicht gerade vertrauens­fördernd. Wenn jemand bereit ist, Tausende Euros in einen Jagdtraum zu investieren und sich auch schon Urlaub genommen hat, ist nur ein sehr begrenztes Verständnis für Absagen zu erwarten. Und seien diese auch noch so begründet. Somit ging es bei dieser Abwägung nicht allein um private Interessen. Trotzdem war eine erneute Fahrt nach Mönchengladbach zu meinem Freund, dem jagenden Heilpraktiker, unvermeidbar. Zumal ich nach den Afrika-Erlebnissen noch Dank zu sagen hatte und zum Rapport befohlen war. Dieser angenehmen Pflicht kam ich gerne nach – und eine weitere Spritzenkur für die angezählten Bandscheiben konnte nicht verkehrt sein. Auch wenn ich die Entscheidung natürlich am Ende eigenverantwortlich tragen musste, hoffte ich auf die wohlwollende Meinung meines Therapeuten. Nach einer eingehenden Untersuchung und vier weiteren Piksern kam endlich sein erlösendes „Am liebsten würde ich ja mitkommen, kannst du meine Frau nicht überreden ?“

Das Abenteuer konnte beginnen.

 


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