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RWJ 07/2017: Editorial

Wende der Jagdpolitik

Der Landesjägertag am 10. Juni in Gütersloh markiert die lang ersehnte und von uns herbeigekämpfte Wende der nordrhein-westfälischen Jagdpolitik. Das hat der künftige Ministerpräsident Armin Laschet in ruhiger, aber klarer und eindrucksvoller Weise in seiner Rede bestätigt – nicht nur für die CDU, sondern auch für deren Koalitionspartner von der FDP mit Landeschef Christian Lindner an der Spitze.

Das Foto zeigt Ralph Müller-Schallenberg - Präsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen.

Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW.

Jetzt besteht die Chance, zu einem modernen Jagdgesetz und zu weiteren neuen Gesetzen für den ländlichen Raum zu kommen – endlich nicht gegen die Hauptbetroffenen, sondern mit ihnen. Beim Jagdgesetz sind die 86 Änderungsanträge gegen das 2015 verabschiedete und nun mit der rot-grünen Regierung abgewählte Landesjagdgesetz eine gute Grundlage, um rasch und entschlossen zu einem neuen Landesjagdgesetz zu kommen – mit den Betroffenen auf Augenhöhe statt mit dem Belehrungszeigefinger, wie Armin Laschet auf dem Landesjägertag deutlich gemacht hat.

 

Wir brauchen neue Weichenstellungen für den ländlichen Raum in NRW. Das gilt besonders für das Landesjagdgesetz. Es ist eigentumsschädlich, ideologisch geprägt, gegen bewährte jagdliche Praxis und gegen den Einsatz der Jagd für Artenvielfalt und ungeteilten Tierschutz. Wir werden die künftige Landesregierung bei einem modernen Landesjagdgesetz gern sachkundig beraten und unterstützen. Der Landesjagdverband wird dazu in Kürze auch ganz neue Wege der Darstellung gehen, auch zur nichtjagenden Öffentlichkeit. Jagd ist uns nicht nur ein Hobby, sondern eine Passion. Wir leben, lieben und schützen Jagd und Natur mit ganzer Leidenschaft.

 

Mit dem 2015 verabschiedeten Landesjagdgesetz wurde massiv in die Rechte der Jäger, Landwirte und Grundeigentümer eingegriffen. Durch zahlreiche Verbote wurden die vielfältigen Hegebemühungen der Jäger eingeschränkt. Dies bedarf dringend der Änderung. Das Jagdrecht muss in Nordrhein-Westfalen wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Vernünftiges Jagdrecht bedeutet die legitime Nutzung von Eigentumsrechten und ist gelebtes Kulturgut. Dank der Hege von Tieren, die dem Jagdrecht unterliegen, trägt die Jägerschaft verantwortungsbewusst zur Artenvielfalt bei. Wir leisten für Staat und Gesellschaft einen wesentlichen Beitrag bei der aktiven Bekämpfung von Tierseuchen und Wildschäden.

 

Besonderen Wert legen wir auf die Erweiterung des Katalogs der dem Jagdrecht unterliegenden Tierarten, die praxisgerechte Regelung der Fang- und Baujagd zum Schutz des Jungwildes und der bodenbrütenden Vogelarten vor Beutegreifern, die Kirrjagd auf Schwarzwild und die Hundeausbildung. Beim jagdlichen Übungsschießen und beim Einsatz bleiminimierter Büchsengeschosse brauchen wir deutschlandweit einheitliche Regelungen. Für jagdliche Einrichtungen aller Art benötigen wir einen besseren Schutz vor Beeinträchtigungen und Zerstörungen. Die Beteiligung der Jägerschaft und der Jagdrechtsinhaber an jagdbehördlichen Entscheidungen sollte wieder gestärkt werden und sich nach demokratischen Gepflogenheiten am Organisationsgrad der jagdlichen Vereinigungen ausrichten.

 

Weil der Einsatz der Jägerschaft für die Hege und Umweltbildung ehrenamtlich und ohne staatliche Unterstützung erfolgt, wollen wir die gleichheitswidrige Heranziehung allein der Jagdscheininhaber zur Förderung des Jagdwesens beendet und die Erhebung der Jagdabgabe abgeschafft sehen. Der Trennung der Rechtskreise Jagdrecht und Naturschutz soll Geltung verschafft werden. Die politische Basis steht, auf der die Wende der nordrhein-westfälischen Jagdpolitik nun vollzogen werden muss.

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