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RWJ 04/2018: Editorial

Ehrenschild 2.018

Beim Blick in Jagdmedien (gedruckte wie digitale) und Gesprächen auf Hegering- und KJS-Versammlungen könnte man in diesen Tagen zu der Einsicht gelangen, unser Jäger-Dasein bestünde aus einem einzigen Abwehrkampf gegen Afrika nische Schweinepest und Wolfsplage. Ausschließlich. Aussichtslos.

Das Foto zeigt Mathias Kruse, Chefredakteur Rheinisch-Westfälischer Jäger.

Matthias Kruse, Chefredakteur Rheinisch-Westfälischer Jäger

Wäre dem wirklich so, könnten wir zu Beginn des neuen Jagdjahres getrost die Hände in den Schoß legen. Ganz egal, wie sehr wir uns auch ins Zeug legen, Zeit und Geld investieren – am Ende liegts ja doch nicht an uns … Dazu besteht aber nun wirklich kein Anlass. Gott sei Dank. Es gibt in diesen Tagen und Wochen nämlich eine ganze Menge wichtiger Dinge, die wir tun und auf den Weg bringen können:

 

Jagdschein verlängern: Hört sich banal an, aber oft genug stellt man erst bei der gut gemeinten Kontrolle vor Gesellschaftsjagden im Herbst (!) fest, dass „der Grüne“ seit einem halben Jahr abgelaufen ist. Also – lieber einmal zu viel auf die Gültigkeit achten!

 

Jagdschneisen planen: Wenn jetzt im April auf ungezählten Äckern die Drillmaschinen den Mais in die Erde bringen, ist dies wie jedes Jahr der erste Schritt zur Schaffung einer idealen Kombination von Schlaf- und Esszimmer. Jedenfalls aus der Sicht von Wildschweinen. Nun ist es ja nicht gerade so, dass wir die „lebenden Steckdosen“ in der Vergangenheit nur halbherzig bejagt hätten. Aber in Zeiten drohender ASP sollen und wollen wir ja unsere Bemühungen noch einmal deutlich steigern. Nur wie – wenn an den Maisund Raps-Meeren draußen in der Feldflur alles bleibt, wie es ist? Seit Jahren reden sich wildschadensgeplagte Revierpächter den Mund fusselig, dass es ohne zusätzliche Schneisen zur Bejagung nicht funktionieren wird. Resultat – nahezu gleich Null.

Wir haben in dieser Ausgabe zusammengefasst, was in diesem Jahr anders laufen könnte. Schlimm genug, dass es dazu erst eine vor unseren Toren lauernde Seuche braucht . Sprechen Sie also mit Ihren Landwirten – über die Anlage von Jagdschneisen schon beim Mais-Drillen oder spätestens die nachträgliche Anlage durch einfaches Überfahren mit dem Trecker zu Beginn der Milchreife. Angesichts drohender Milliarden schäden beim Ausbruch der ASP sollte sich die Diskussion um Ertragsausfälle dabei relativieren.

 

Kitzsuche vorbereiten: Nach dem Mais-Legen wartet in Grünland-Regionen die nächste Herausforderung – der erste Schnitt. Bereiten Sie sich schon jetzt darauf vor. Stellen Sie Telefonketten zusammen, damit Jagdfreunde und Hundeführer parat stehen, wenn der Bauer (oder meist Lohnunternehmer) anruft. Wie üblich auf den letzten Drücker (auch wenn wir das nie verstehen werden), weil dabei nun mal das aktuelle Wetter die Hauptrolle spielt. Trotzdem sollten wir die Verantwortlichen unserer Wiesen gebetsmühlenartig schon jetzt daran erinnern, sich doch bitte möglichst früh mit uns in Verbindung zu setzen, bevor die Kreiselmäher starten … Vielleicht denken Sie ja dieses Jahr auch daran, mal eine ganze Klasse an solchen Aktionen zu beteiligen – es gibt nicht Schöneres, als wenn ein gerade gesetztes Kitz begleitet von leuchtenden Kinderaugen vor dem sicheren Tod gerettet werden kann. Damit so etwas möglich wird, muss man bei den Schulen aber rechtzeitig vorher anfragen. Jetzt.

 

Waffen kontrollschießen: Bevor am 1. Mai mit dem Aufgang der Bockjagd (Schmalrehe nicht zu vergessen!) die meisten Reviere in NRW aus dem Winterschlaf erwachen, sollten wir den April nutzen, um unsere Waffen auf dem Schießstand zu überprüfen und ggf. auf neue Laborierungen einzuschießen. Und sei es auch nur, um ganz sicher zu sein, dass unsere wichtigsten Handwerkszeuge noch genauso funktionieren, wie wir sie im Winter in den Tresor gestellt haben. Denn geübt wird auf die Bockscheibe – und nicht auf lebende Kreaturen. All das sind wir unserem Wild schuldig, ganz unabhängig von Wolf oder ASP. Oder anders formuliert: DAS ist des Jägers Ehrenschild – was gestern, heut‘ und morgen gilt!

 

Matthias Kruse

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