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RWJ 07/2017: Realitätsferne Tierschutz-Forderungen

Waschbären fangen und kastrieren …

In einem Positionspapier kommentierten fünf Tierschutzverbände, darunter der Deutsche Tierschutzbund, eine EU-Verordnung zum Umgang mit invasiven Arten. Darin lehnen sie jegliche Tötung als nicht tierschutzgerecht ab und plädieren für eine Unfruchtbarmachung von Waschbär, Mink und Co.

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Wer Forderungen wie die nach dem Fang mit anschließender Kastration von Waschbären stellt, untermauert damit seine völlige Unkenntnis der biologischen Realität – und disqualifiziert sich gleichzeitig für jede Form der fachlichen Diskussion. Foto: Tierfotoagentur/DJV

Mit ihren Forderungen verfehlen sie jede Form der Praktikabilität auf Kosten der Artenvielfalt. Der DJV hält dies vor dem Hintergrund der starken Ausbreitung von Arten wie dem Waschbär für realitätsfern. „Diese Vorschläge mögen sich eignen, um Spenden zu sammeln, helfen aber weder dem Tier- noch dem Artenschutz, weil sie keine praktikable Lösung darstellen“, erläuterte DJV-Präsidiumsmitglied Prof. Jürgen Ellenberger, „eine Unfruchtbarmachung invasiver Wildtiere ist utopisch.“ Aus der Position der Tierschutzverbände ergeben sich genau zwei Möglichkeiten – die Tiere werden in Lebendfallen gefangen und kastriert oder erhalten eine Art Anti-Baby-Pille über ausgelegtes Futter. Für den ersten Fall ist die Ausbreitung zu weit fortgeschritten (WILD-Monitoring Waschbär), zu viele unterschiedliche Habitate sind besetzt und der Druck auf heimische Arten ist lokal bereits bedrohlich (z. B. auf die Europäische Sumpfschildkröte). So müssten in Deutschland theoretisch jedes Jahr weit mehr als 130 000 Waschbären (Jagdstrecke 2015/16) gefangen und kastriert werden. Die reinen Kastrationskosten belaufen sich im Schnitt auf 100 € pro Tier – 13 Mio. € jährlich. Tierschutzgerechte Lebendfallen kosten pro Stück zusätzlich zwischen 150 und 500 €.

 

Die Anti-Baby-Pille für Waschbären wäre ein nicht abschätzbarer Eingriff in heimische Ökosysteme – ohne Erfolgsgarantie: Es ist nicht steuerbar, wer die Futterköder aufnimmt, die richtige Dosierung ist reines Glücksspiel. Nach Auskunft des Leibniz-Institutes für Zoound Wildtierforschung müsste darüber hinaus pro Tierart ein finanzieller Forschungsaufwand von etwa einer Million Euro einkalkuliert werden.

 

Fallenfang ist tierschutzgerecht

Die Tierschützer unterstellen in ihrer Position, dass jagdliche Methoden wie der Einsatz von Fanggeräten nicht tierschutzgerecht zu praktizieren seien. Dies ist schlicht falsch. Dem Tierschutz kommt bei der Ausübung jeder ordnungsgemäßen Jagd ein hoher Stellenwert zu. Die in Deutschland gängigsten Fallentypen hat der DJV erfolgreich nach internationalen Normen für humane Fangjagd prüfen lassen. Dazu gehören die Betonwipprohrfalle, die Strack‘sche Holzkastenfalle, Eiabzugeisen oder der Kleine Schwanenhals, die auf DJV-Initiative in Kanada getestet wurden. „Gerade Fangjagd ist das effizienteste Mittel zur Reduzierung dämmerungs- und nachtaktiver Räuber wie Waschbär, Mink und Co.“, verdeutlichte Prof. Jürgen Ellenberger.

 

Weiter fordern die Tierschützer, den Zuzug potenziell invasiver Arten zu verhindern – sicher begrüßenswert, allerdings gibt es in der praktischen Anwendung wieder ein Problem: Eine Art gilt erst als invasiv, wenn sie heimische Arten oder ein Ökosystem schädigt. Dieser Schaden wird häufig erst offenbar, wenn die Art schon sehr weit verbreitet ist. Eine Position teilen Jäger und Tierschützer jedoch – die Forderung nach Managementmaßnahmen, die auf der Bundesebene abzustimmen sind. Im Juli 2016 hatte die EU eine Liste mit 37 gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten veröffentlicht, die in Europa „unerwünscht“ sind, darunter auch der Waschbär, der sich in Deutschland rasant ausbreitet. Der DJV hat bei der Zurückdrängung der dem Jagdrecht unterliegenden Arten finanzielle Unterstützung gefordert.


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