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RWJ 01/2018: Fellwechsel GmbH

Fuchs & Co. effektiv verwerten

Statt Pelze erlegter Beutegreifer zu entsorgen, sollte man sie weiterverarbeiten. Das ist das Ziel der DJV-Tochtergesellschaft „Fellwechsel“. DJV-Geschäftsführer Andreas Leppmann informierte im Münsterland über das Projekt.

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In Dülmen referierte Andreas Leppmann über das Projekt. Damit es funktioniert, ist der DJV auf die Spenden angewiesen – wenn die Jäger mitziehen, könnte Pelz in Zukunft auch außerhalb von Jägerfamilien wieder einen höheren Stellenwert erlangen.

Pelz hat außerhalb jagender Familien in der Regel keinen besonders guten Ruf. Das liegt neben der jahrelangen Agitation der Tierrechtsbewegung v. a. daran, dass Pelze zum Teil aus fragwürdiger Tierhaltung im osteuropäischen und asiatischen Ausland stammen. Kein Wunder also, dass auch Bälge heimischer Beutegreifer zunehmend an Wert verloren. Um diese Entwicklung umzukehren, hat der DJV im Frühjahr 2017 ein besonderes Projekt angestoßen – unter dem Namen „Fellwechsel“ arbeiten darin Jäger und Kürschner zusammen. Jäger liefern Bälge aus nachhaltiger, tierschutzgerechter Jagd, und die Kürschner verpflichten sich, nur solche Bälge unter dem Label weprefur® (engl. prefer: bevorzugen und fur: Pelz) zu verarbeiten.

 

Die Jagd auf heimisches Raubwild und die Nutzung der Bälge sollen so nachhaltiger gestaltet werden. Mit „Fellwechsel“ sollen Verbraucher animiert werden, keine Zuchtpelze aus zweifelhafter Haltung zu erwerben, sondern auf Naturprodukte aus tierschutzkonformer Jagd zu setzen. Mit der DJV-Tochtergesellschaft „Fellwechsel“ wurde eine Firma mit Abbalgstation in Baden-Württemberg gegründet. Damit das Projekt anlaufen kann, ist Fellwechsel auf Balgspenden angewiesen.

 

Um das Projekt einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, luden die Vorsitzenden der Kreisjägerschaften Coesfeld, Franz-Josef Schulze Thier, und Recklinghausen, Hermann Wolff, Mitte November 2017 Hegeringvorstände, Revierinhaber sowie Raubwild- und Fallenjäger zu einer Informationsveranstaltung nach Dülmen ein. DJV-Hauptgeschäftsführer Andreas Leppmann trug als Geschäftsführer der neu gegründeten „Fellwechsel“ zu diesem interessanten Thema ausführlich vor. Etwa 50 Jäger folgten der Einladung.

 

Organisation

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Bundesweit gibt es inzwischen über 50 Sammelstellen, bei denen man erlegte Beutegreifer abgeben und in Tiefkühltruhen lagern kann. Wenn die Truhen voll sind, werden sie von einem „Fellwechsel“- Mitarbeiter abgeholt und in Baden- Württemberg zentral weiterverarbeitet. Die Sammelstellen müssen auf KJS- oder Hegering-Ebene geschaffen und betrieben werden, das Projekt ist also auf aktive Unterstützung von Jägern angewiesen. Zudem gibts im ersten Jahr für die Bälge kein Geld, eingesandte Felle sollen die Anfangsinvestitionen der Abbalgstation finanzieren. Nachdem die Investitionen aufgefangen wurden, soll es 2018 pro Stück einen Geldbetrag geben. Die Höhe steht noch nicht fest, dabei kommt es auf den Erfolg des Projektes an.

 

 


Balg zur eigenen Nutzung

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In vielen Jägerhaushalten werden hochwertige Felle mangels Nachfrage oft wie auf diesem Bild genutzt. Das soll sich ändern.

Natürlich kann man den Balg zur eigenen Nutzung auch wieder zurückbekommen – pro Fuchsfell wird eine Gebühr von etwa 65 € fällig. Der Einsender bekommt den gegerbten Balg per Post zurück. Dank eines speziellen Markierungssystems kann jeder Balg dem Erleger zugeordnet werden.

 

Welche Arten können abgegeben werden und wann sollten sie erlegt worden sein ?

Neben Fuchs werden auch Waschbär, Marderhund, Dachs, Stein- und Baummarder, Mink, Iltis, Nutria und Bisam angenommen. Von Mitte November bis Mitte Februar haben die Arten einen Winterbalg, also entsprechende Unterwolle und lange Grannenhaare. Diese reifen Bälge eignen sich am besten zur Verarbeitung und Vermarktung.

 

Wie sollen die Tiere erlegt werden ?

Am besten geeignet sind Bälge aus Fangjagd, da diese nur kleine Einschüsse im Kopf-/Nackenbereich haben. Auch Schrotschüsse verursachen kleine Löcher, was bei der Verarbeitung keine Rolle spielt. Was mit größeren Kalibern erlegt wurde, kann nur verwertet werden, wenn der Nacken- und Rückenpelz nicht zerstört ist. Die Qualität dieser Fellpartien entscheidet über Wert und Verarbeitung des Balges.

 

Wie sollen die Tiere gelagert werden ?

Erlegte Tiere sollten in Sammel-Kühltruhen umgehend heruntergekühlt werden. Dort werden sie einzeln verpackt und mit einem Herkunftsnachweis versehen. Bewährt hat es sich, die Tiere kompakt zusammenzurollen, um Platz zu sparen. Der Herkunftsnachweis sollte in einer kleinen durchsichtigen Tüte außen angebracht werden. Am besten beide Tüten zusammen mit einem Kabelbinder verschließen – Klebeband ist ungeeignet, da es sich bei Frost lösen kann. Verhitzte oder verluderte Stücke sind generell nicht verwertbar! Deshalb sollten die Tierkörper möglichst schnell nach der Erlegung eingefroren werden.

 

Braucht jedes Tier einen Herkunftsnachweis?

Ja – das größte Qualitätsmerkmal der Bälge ist die sichere Herkunft aus heimischer Jagd! Um den Weg vom Jäger bis zum Kürschner zu dokumentieren, ist das Formular zwingend nötig. Persönliche Daten der Jäger und Reviere werden streng vertraulich behandelt und bleiben anonym.

 

Was passiert mit den Fellen?

Viele Kürschner haben sich verpflichtet, unter dem Label weprefur® nur Felle aus heimischer Jagd zu verarbeiten – entsprechend groß ist der Bedarf. Fellwechsel wird dazu eigene Artikel vermarkten – nach dem Motto Vom Jäger für den Jäger!

 

 

Alle Informationen und Formulare finden sich auf www.fellwechsel.org, dort kann man auch den Herkunftsnachweis als PDF herunterladen.

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