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RWJ 04/2017: Zu wenig grüne Infrastruktur in Deutschland

Freie Bahn für Wildtiere

Hunderttausende Rehe, Hirsche, Füchse und viele andere Tiere sterben jedes Jahr auf unseren Straßen. Diese Wildunfälle stellen für Autofahrer ein erhebliches Risiko dar. Dazu gefährden Zerschneidung und Verinselung von Lebensräumen die biologische Vielfalt in Deutschland.

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Weil es bundesweit noch viel zu wenig solcher Grünbrücken gibt, ist die Durchgängigkeit der Landschaft für Tiere noch lange nicht erreicht und Tausende von Wildtieren sterben jedes Jahr an Straßen – lebensgefährlich auch für Menschen.

ADAC, DJV, NABU und WWF begrüßen deshalb das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) vorgestellte „Bundeskonzept Grüne Infrastruktur“ als dringend notwendige Grundlage. Gleichzeitig kritisieren sie die schleppende Umsetzung des 2012 beschlossenen Bundesprogramms Wiedervernetzung und eines bundesweiten Biotopverbunds. Grund dafür ist neben der unzureichenden Finanzierung auch der bestehende Mangel von bundesweiten Planungsgrundlagen und Umsetzungsstrategien. In einem gemeinsamen Papier fordern die Verbände daher Bund und Länder auf, Anstrengungen zur Umsetzung von Wiedervernetzung und Biotopverbund deutlich zu verstärken, um die Zahl der Verkehrsunfälle mit Wildtieren (auch zum Schutz des Menschen) jährlich um fünf Prozent zu verringern. Dafür brauche es geeignete Maßnahmen wie Querungshilfen, Wildwarnanlagen oder Zäunung.

 

Außerdem sollte ab sofort mindestens ein Prozent der Investitionen in Bundesfernstraßen für Maßnahmen zur Wiedervernetzung von Lebensräumen an bestehenden Bundesautobahnen und -fernstraßen verwendet werden. Bis 2027 sollen so die 93 wichtigsten Wiedervernetzungsabschnitte aus dem Bundesprogramm abgearbeitet sein. Zum dauerhaften Ausbau und Erhalt Grüner Infrastruktur sollte ein „Bundesnetzplan Biotopverbund“ eine länderübergreifende Vernetzung von Lebensräumen gewährleisten. Als fester Bestandteil der Raumplanung wären so wichtige Achsen sowie überlebensüberlebenswichtige Kernflächen des Biotopverbundsystems dauerhaft gesichert. Besonderer Wert sei dabei auf die bestmögliche Einbindung von Wildbrücken und anderen Querungshilfen in das Netz der Natur zu legen.

 

Eines der größten Probleme stellt derzeit die intensive Landnutzung und damit die Verfügbarkeit von Fläche für den Naturschutz dar. Daher fordern die Verbände von der öffentlichen Hand, den Verkauf wichtiger Flächen aus ihrem Besitz einzustellen und diese stattdessen zur Umsetzung eines länderübergreifenden Biotopverbundes bereitzuhalten. Besonders in der Agrarlandschaft müssten ausreichend Trittstein- und Vernetzungslebensräume wie Waldinseln, Feuchtgebiete oder Hecken geschaffen werden. An dieser Stelle sei auch die Agrarpolitik gefordert.

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