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RWJ 06/2017: Ehemals bedrohte Art mit Potenzial zu großem Ärger ...

Biber auf dem Vormarsch

Einst fast ausgerottet, breiten sich Biber aktuell stark aus, in Brandenburg wurden sie gar in rekordverdächtigen 41 Prozent der Reviere angetroffen.

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Sprach man vor Jahren noch vom Elbe- oder Donau-Biber, hat der große Nager längst einen Siegeszug durch die ganze Republik angetreten.

Dass es dem Biber in Deutschland gut geht, zeigen Daten zur Entwicklung des Vorkommens von 2006 – 15. Demnach breitet sich der ehemals bedrohte Pflanzenfresser inzwischen bundesweit aus. Spitzenreiter ist Brandenburg: Dort haben Jäger den Biber 2015 in 41 Prozent der Reviere nachgewiesen (+ 27 Prozent zu 2006). Auch das Saarland (35), Sachsen- Anhalt (33), Mecklenburg-Vorpommern (22) und Baden-Württemberg (21 Prozent der Reviere) gehören zu Bundesländern mit häufigen Sichtungen. Ausgewertet haben die Wissenschaftler Zeitreihen aus rund 24 000 Revieren (etwa 40 Prozent der Fläche Deutschlands) für das Wildtier-Informationssystem der Länder (WILD).

 

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Das Kerngebiet des Bibers liegt nach Angaben der WILD-Experten im Nordosten mit Schwerpunkten entlang von Elbe, Havel, Spree, Oder, Peene, Recknitz, Elde, Uecker und ihrer Nebenarme. Weitere Kerngebiete gibts im Osten und Südosten Baden-Württembergs entlang von Donau und Ausläufern der Regnitz. Ausgehend von großen Fließgewässern breitet sich der Biber ins Umland aus, ist anpassungsfähig und hat wenig Scheu vor Menschen. Die Umweltministerkonferenz will im Herbst einen Erfahrungsaustausch zum Bibermanagement organisieren, der DJV fordert in diesem Zusammenhang, dass es künftig möglich sein muss, flexibler auf positive Bestandsentwicklungen beim Biber zu reagieren.

 


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Untrügliche Biber-Spuren sind charakteristisch gefällte Bäume, untergrabene Böschungen und massiv aufgestaute (Klein)Gewässer, mit denen sich Biber ihren Lebensraum selber gestalten.

„Sonst ist die Akzeptanz für den Artenschutz in der Bevölkerung der ländlichen Räume in Gefahr“, erläuterte DJVVizepräsident Dr. Volker Böhning. Vor diesem Hintergrund müsse die Flora- Fauna-Habitat- Richtlinie (FFH-Richtlinie) dringend überarbeitet werden, um etwa auf nationale und regionale Besonderheiten besser reagieren zu können. „Wenn in Regionen wie dem Landkreis Märkisch-Oderland (Brandenburg) Biber regelmäßig Deiche unterhöhlen und Flutgräben anstauen, gibt es dort kaum noch Verständnis für den strengen Schutz“, so Dr. Böhning.

 

Anmerkung der Redaktion: Anfang Mai meldete der WDR, dass auch an der Wupper-Talsperre (GM) bis zu vier Biber bestätigt wurden.


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