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RWJ 12/2016: Constantin Frhr. Heereman wird 85

„Nie den Kopf hängen lassen“

Zur Eröffnung der „Jagd & Hund“ in Dortmund fehlt er selten. Beim parlamen tarischen Jägerabend im Sommer mit Abgeordneten, Ministerialen und Verbandsspitzen in Düsseldorf war er wieder dabei. Landesjägertage stehen immer noch dick in seinem Kalender – kein Wunder, denn viele dieser Veranstaltungen gäbe es gar nicht ohne Constantin Freiherr Heereman. Am 17. Dezember wird er 85.
 

heereman

Längst stehen seine Nachnachfolger an der Spitze der Jagd- und Bauernverbände, aber der Name „Heereman“ hat immer noch einen starken und guten Klang. Selten war jemand so viel Präsident wie er, mehr als drei Jahrzehnte seit Mitte der 1960er Jahre. Baron Heereman ist als führungsstarker und charismatischer Verbandschef und Politiker in Erinnerung. Mit westfälischer Grandezza gelang es ihm oft, Gegensätzliches zusammenzubringen und Allianzen zu schmieden. „Baron Heereman hat viel für Land und Leute getan und Brücken gebaut. Bei ihm waren städtische Ballungsräume und ländliche Regio nen näher beieinander als heute“, sagt Ralph Müller-Schallenberg, sein Nachnachfolger als LJV-Präsident.

 

Zeit seines Wirkens sorgte Baron Heereman in einer zunehmend verstädterten Umwelt dafür, dass der ländliche Raum und seine Menschen von der Politik beachtet werden und ein großer Teil des Landes trotz erheblichen Strukturwandels seine Identität bewahren konnte. Er hat Maßstäbe gesetzt und mit Sachverstand, Erfahrung und einer gehörigen Portion Witz und Pfiff das politische und gesellschaftliche Leben bereichert. Die von ihm geführten Verbände hatten alles andere als einen Ritter von der traurigen Gestalt an ihrer Spitze. Legendär waren die Medientreffs, zu denen Heereman stets vor Weihnachten zum Kamingespräch auf Schloss Surenburg im nördlichen Münsterland lud. In gediegener westfälischer Gastlichkeit bei Grünkohl, Bier und Korn pflegte er die wortgewaltige Darstellung der Lage an der grünen Front und zwischenmenschliche Kontakte. So gut es gesundheitlich noch geht, kümmert er sich weiter.

 

„Zusammenhalt und Einigkeit waren mir immer wichtig“, erzählte er dem RWJ kurz vor seinem Geburtstag. Heute sei das schwieriger geworden. „Aber immer gilt, nie den Kopf hängen zu lassen. Meine Nachfolger ermuntere ich wie ein alt gewordenes Raubtier.“ Flinte und Büchse bleiben seit zwei Jahren im Schrank, weil ihm nach Krankheitsschlägen die Kraft fehlt. Unterkriegen lässt er sich auch davon nicht. Politisch stört ihn einiges, am meisten die Grünen („Wissen alles besser und müssen überall reinreden “). Sein Blick geht nicht nur zurück, er sieht auch guten Nachwuchs wie die CDU-Agrarpolitikerin und Landtagsabgeordnete Christina Schulze Föcking („aus dem Kreis Borken“). Im Bund traut er niemand außer Angela Merkel die nächste Kanzlerschaft zu. Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck wurde am 17. Dezem ber 1931 in Münster geboren und übernahm nach Beendigung der landwirtschaftlichen Ausbildung die Verwaltung des Familienbesitzes. Der Vater von fünf Kindern und mehrfache Großvater begann 1958 sein Engagement im Bauernverband. 1968 zum Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes gewählt, wurde er bereits 1969 mit nur 38 Jahren auch Präsident des Deutschen Bauern verbandes.

 

Beide Ämter hatte er bis 1997 inne. Von 1976 bis 2004 führte er den Landesjagdverband NRW, ein Jahr zuvor hatte er das Amt des DJV-Präsidenten abgegeben. Der langjährige Kommunalpolitiker, überzeugte Christ, aktive Karnevalist und passionierte Pferdeliebhaber vertrat für die CDU von 1983 bis 1990 den Wahlkreis Steinfurt II als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag. Heereman wurde für seine großen Verdienste im In- und Ausland vielfach ausgezeichnet, so ist er u. a. Träger des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband des Verdienst ordens der Bundesrepublik Deutschland, des Verdienstordens des Landes NRW und höchster Auszeichnungen aller Verbände, denen er als Präsident diente.

 

Landesjagdverband NRW

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